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Pflanzenbau 2.0: Plädoyer für ein Umdenken

Erfolgreicher Pflanzenbau erfordert unter künftigen Rahmenbedingungen einen umfassenden Werkzeugkasten und die Fähigkeit, dessen Bausteine passgenau zu integrieren. Eine Podiumsdiskussion der DLG-Ausschüsse beleuchtete die Notwendigkeit eines Umdenkens.

Herausforderungen im modernen Ackerbau

Erfolgreicher Pflanzenbau unter künftigen Rahmenbedingungen erfordert einen umfassenden Werkzeugkasten und die Fähigkeit, dessen einzelne Bausteine passgenau in das Anbausystem zu integrieren. Während in der Vergangenheit wenige Werkzeuge für erfolgreiches Wirtschaften ausreichten, muss der Ackerbauer künftig eine breitere Palette an Maßnahmen beherrschen. Dies war der Tenor einer Podiumsdiskussion der DLG-Ausschüsse für Ackerbau und Pflanzenschutz auf der DLG-Wintertagung 2016 in München, die unter dem Thema „Pflanzenbau 2.0 – Großvaters Rezeptbuch neu auflegen?“ stattfand.

Unternehmensberater Ulrich Henne aus Eckhorst (Schleswig-Holstein) fasste die Notwendigkeit eines Umdenkens im Ackerbau zusammen: „Der Grat wird schmaler, die Abgründe tiefer.“ Die bisher häufig genutzten Werkzeuge zur Reparatur pflanzenbaulicher Mängel, wie Stickstoff und chemischer Pflanzenschutz, werden künftig in deutlich geringerem Maße verfügbar oder wirksam sein. Henne berichtete über besorgniserregende Entwicklungen im Pflanzenbau seines Beratungsgebietes um Lübeck.

Ähnliche Alarmsignale wurden von Landwirt Friedrich Baumgärtel aus Wegeleben und Dr. Peter Doleschel von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in intensiven bayerischen Ackerbauregionen wahrgenommen. Resistente Gräser, stagnierende Getreideerträge und Schadinsekten, die jungen Rapsbeständen zusetzen, stellen die Landwirte vor Herausforderungen. Dr. Carolin von Kröcher, Leiterin des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Vorsitzende des DLG-Ausschusses für Pflanzenschutz, betonte: „Anders als in den letzten 40 Jahren sind neue Pflanzenschutzmittel nicht in Sicht, im Gegenteil: die ‚pipeline‘ der Industrie ist leer, und die Zulassungen vieler Wirkstoffe laufen aus.“

Bisher gab es immer rechtzeitig ein neues Pflanzenschutzmittel oder eine resistente Sorte, um ein pflanzenbauliches Problem zu lösen. Jetzt merken wir, dass uns enge Fruchtfolgen, frühe und dünne Saaten und die Beschränkung auf die Ertragreichsten aus dem Sortenspektrum vor deutlich gravierendere Probleme stellen als bisher.

Die Diskutanten waren sich einig, dass enge Fruchtfolgen und ein auf wenige Kulturarten begrenztes Anbauspektrum maßgeblich zu den aktuellen Problemen beitragen. Jedoch sind die Alternativen oft unwirtschaftlich, sei es aufgrund unsicherer Erträge oder mangelnder Absatzmöglichkeiten.

Fruchtfolge als Schlüssel zur Problemlösung

Es gilt, Erfahrungen zu sammeln, da kurzfristige Anpassungen nur vorübergehend Entlastung schaffen. Während im Norden bereits akute Probleme drohen, muss auch im Süden intensiv nachgedacht werden. Die Empfehlung lautet, zweigleisig zu fahren: Kurzfristig sollen Saatzeiten, Stoppelbearbeitung und Sortenwahl bestmöglich an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden. Gleichzeitig sollten Märkte für „fruchtfolgewirksame“ Kulturarten ausgelotet und mitentwickelt werden.

Mittelfristig muss die Fruchtfolge wieder stärker in den Fokus rücken, da sie als wesentlicher Schlüssel angesehen wird. Derzeit fehlen jedoch echte Alternativkulturen, die in größerem Umfang anbauwürdig sind. Bei Ungrasproblemen ist kurzfristiges Handeln erforderlich. Laut Henne kann der Anbau einer konkurrenzkräftigen Sommerkultur nicht nur die Ausbreitung von Ungräsern signifikant mindern, sondern aufgrund hoher Herbizidkosten und zunehmender Resistenzen bereits rentabel sein.

Voraussetzung hierfür ist eine zeitige und gute Bestellung. Initiativen wie die bayerische Eiweißinitiative versprechen erst mittelfristig Lösungen. Mit einer standortangepassten Fruchtfolge lassen sich ein konsequentes Resistenzmanagement aufbauen, die Bodenbearbeitung anpassen und das Anbausystem in ein neues Gleichgewicht bringen. Die grundlegenden Zusammenhänge sind zwar in älteren Aufzeichnungen beschrieben, ein einfaches Übernehmen einzelner Rezepte ist jedoch nicht ausreichend.

17.02.2016

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