ZVG-Präsidium im Austausch mit Politik und Verwaltung
Das Präsidium des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) traf sich in Berlin, um sich mit Vertretern aus Politik und Verwaltung über aktuelle Themen des Gartenbaus auszutauschen. Anwesend waren Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), sowie die Bundestagsabgeordneten Thomas Mahlberg (CDU/CSU) und Johann Saathoff (SPD), die als Berichterstatter für den Gartenbau im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft fungieren. Schwerpunkte der Gespräche bildeten die Bereiche Energie, Pflanzenschutz und Mindestlohn.
Energieeffizienz und Förderung im Gartenbau
Staatssekretär Kloos würdigte das Forschungsprojekt ZINEG (ZukunftsInitiative NiedrigEnergieGewächshaus), das für seine Energieeinsparungen von über 70 Prozent in Gewächshäusern mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Forschung 2014 ausgezeichnet wurde. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in die Praxis überführt werden. Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz plant das BMEL, die Förderung von Energieberatung und Investitionen für Landwirtschaft und Gartenbau von 2016 bis 2018 zu verankern. Eine Notifizierung des Programms in Brüssel ist hierfür erforderlich.
Pflanzenschutz: Notwendigkeit und Herausforderungen
Die ZVG-Vertreter betonten die immense Bedeutung des Pflanzenschutzes für den Gartenbau. Kloos bekräftigte die Notwendigkeit von Pflanzenschutzmitteln, wies jedoch auf die oft emotional geführte Debatte hin. Die zunehmende Einschränkung von Zulassungen führe vermehrt zu Notfallzulassungen, deren Praxis kritisch zu hinterfragen sei. Als Beispiel führte der ZVG die Kirschessigfliege an: Mittel, die im Weinbau zugelassen sind, dürften im Obstbau nicht verwendet werden, was für Obstanbauer existenzielle Probleme verursache. Der ZVG forderte hier eine rasche Lösung. Eine Risikoausgleichsrücklage, so Kloos, sei im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen und eine erneute Einbringung des Themas sehe er nicht.
Am zweiten Veranstaltungstag diskutierten Mahlberg und Saathoff mit dem Präsidium über Pflanzenschutz, Mindestlohn und Torfabbau. Saathoff betonte die Verantwortung der Politik im Pflanzenschutzbereich. Er wies auf die Notwendigkeit einer Vielzahl von Pflanzenschutzmitteln zur Vermeidung von Resistenzen hin, gleichzeitig sei die Zulassung aufgrund der Beteiligung vieler Institutionen komplex. Mahlberg berichtete von Bemühungen um Lösungen, darunter eine Initiative zur Harmonisierung von Pflanzenschutzmitteln und ein Aktionsprogramm zur Kirschessigfliege. Zudem soll die Forschung am Julius Kühn-Institut (JKI) verstärkt werden.
Mindestlohn und Torfabbau
Die Einführung des Mindestlohns stelle den Gartenbau vor besondere Herausforderungen, da die Mehrkosten transferiert werden müssten. Dies sei insbesondere an den Ostgrenzen Deutschlands schwierig. Der ZVG kritisierte, dass regionale Lohnunterschiede durch den Mindestlohn unberücksichtigt blieben. Saathoff erkannte die Problematik der Ländergrenzen an, stellte den Mindestlohn jedoch nicht in Frage. Auch Mahlberg sah die Schwierigkeiten, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsplatzsicherung.
ZVG-Präsident Mertz hob die Unverzichtbarkeit von Torf als Zuschlagstoff in Substraten für eine sichere Produktion hervor und forderte Regelungen für den weiteren Torfabbau in Deutschland. Saathoff bestätigte die Notwendigkeit, Torf als Rohstoff zu erhalten, und sprach sich für Lösungen aus, die Ökologie und Ökonomie miteinander verbinden. Weitere Themen waren die Hofabgabeklausel, die Sozialversicherung und Energie.
Mahlberg und Saathoff unterstrichen die Bedeutung des Inputs aus der Branche für die politische Entscheidungsfindung in allen gartenbaulichen Fragen und boten ihre Unterstützung als direkte Ansprechpartner an.