Erfahrungen und Strategien für den erfolgreichen Umstieg auf torffreie Substrate
Der Verzicht auf Torf gewinnt im Gartenbau zunehmend an Bedeutung. Neben Hobbygärtnern setzen auch erste Erwerbsbetriebe konsequent auf torffreie oder torfreduzierte Substrate und leisten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Neue Praxisvideos zeigen, wie der Umstieg gelingen kann und welche Anpassungen im Betriebsablauf erforderlich sind.
Zwei Betriebe vom Niederrhein – die Zierpflanzengärtnereien Aflora und Floreco – zählen zu den Vorreitern dieser Entwicklung. Beide Unternehmen haben ihre Produktion erfolgreich auf torffreie Substrate umgestellt und geben konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Schrittweise Umstellung als Erfolgsfaktor
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die schrittweise Reduktion des Torfanteils. Parallel dazu sollten Substrate regelmäßig analysiert und Kulturbedingungen angepasst werden. Fachliche Beratung und der Austausch mit Substratlieferanten spielen dabei eine wichtige Rolle.
Im Rahmen des Projekts TerZ („Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau“) werden entsprechende Ansätze wissenschaftlich begleitet. Bundesweit beteiligen sich 24 Demonstrationsbetriebe, um Erkenntnisse zu Kosten, Kulturführung und Praxistauglichkeit zu gewinnen.
Alternative Substrate gezielt einsetzen
Als Ersatzstoffe kommen verschiedene Materialien zum Einsatz, die je nach Kultur kombiniert werden:
- Reisspelzen
- Rindenhumus
- Kokosfasern
- Ton
- Pinienrinde
Diese Komponenten beeinflussen die physikalischen Eigenschaften der Substrate deutlich. Torffreie Mischungen weisen eine höhere Luftkapazität, aber eine geringere Pufferfähigkeit auf. Daraus ergeben sich angepasste Anforderungen an Düngung und Bewässerung.
Anpassungen in der Kulturführung
In der Praxis bedeutet dies: Nährstoffe müssen häufiger in geringerer Konzentration zugeführt werden, während die Bewässerung enger getaktet erfolgt. Gleichzeitig zeigen sich positive Effekte im Pflanzenschutz. Trocknere Substratoberflächen erschweren beispielsweise die Ausbreitung von Lebermoos.
Zudem kann der Einsatz bestimmter Materialien wie Reisspelzen die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen erhöhen. Enthaltenes Silizium trägt dazu bei, die Pflanzengesundheit zu stabilisieren und den Krankheitsdruck zu reduzieren.
Klimaschutz als Treiber der Entwicklung
Die Reduzierung von Torf hat eine hohe klimapolitische Relevanz. In Torf ist große Mengen Kohlenstoff gebunden, der bei der Nutzung als CO₂ freigesetzt wird. Die nationale Torfminderungsstrategie sieht daher vor, den Einsatz im Erwerbsgartenbau bis 2030 weitgehend zu ersetzen.
Für den Freizeitbereich sowie den Garten- und Landschaftsbau wird ein vollständiger Verzicht bereits in den kommenden Jahren angestrebt. Torffreie Substrate auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Holzfasern oder Rindenmaterial gewinnen damit weiter an Bedeutung.
Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass der Umstieg technisch machbar ist. Entscheidend sind eine sorgfältige Planung, kontinuierliche Kontrolle der Substrateigenschaften und die Anpassung der Kulturführung an die veränderten Bedingungen.


