Bedeutung und Bedrohung urbaner Feuchtgebiete
Städtische Feuchtgebiete stehen zunehmend unter Druck. Sie sind weltweit, insbesondere in Metropolen, für die Trinkwasserversorgung, den Wasserrückhalt und die Erholung von Bedeutung. Zudem dienen sie als artenreicher Lebensraum und tragen zur Klimaregulierung in Städten bei. Allerdings beeinträchtigen wasserbauliche Maßnahmen, Entwässerung, Flächenversiegelung und Schadstoffeinträge diese Ökosysteme erheblich.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fordert daher eine stärkere Berücksichtigung urbaner Feuchtgebiete in der Stadtplanung und -entwicklung. Ein effizientes Management ist notwendig, um diese Gebiete vor Beeinträchtigungen und dem Verlust ihrer natürlichen Funktionen zu schützen.
Urbane Feuchtgebiete sind wichtige Grundwasserspeicher, bieten Schutz vor Überschwemmungen und dienen häufig als Frischluftschneisen in den Ballungsräumen.
Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung von Feuchtgebieten, die auch im Rahmen der Ramsar-Konvention eine wachsende Rolle spielen. Die letzte Vertragsstaatenkonferenz (COP 11) der Ramsar-Konvention verabschiedete Grundsätze für die Planung und das Management urbaner und periurbaner Feuchtgebiete (Resolution XI.11). Angesichts der hohen Verbauungsrate in Deutschland und anderen Teilen Europas sowie der zunehmenden Urbanisierung in Entwicklungsländern ist die Integration von Feuchtgebietsschutz und -management in die Stadtentwicklung unerlässlich.
Die steigende Nachfrage nach Wasser mit einhergehendem Rückgang dieser natürlichen Ressource macht eine Zusammenarbeit aller Nutzer zur Wasserbewirtschaftung dringend erforderlich. Nur auf der Basis eines gemeinsamen Plans zum nachhaltigen Wassermanagement kann der Schutz von Feuchtgebieten gelingen.
Diese Notwendigkeit eines nachhaltigen Wassermanagements wird auch beim Deutschen Naturschutzpreis 2013 thematisiert. Unter dem Motto „Lebensraum Wasser – Vielfalt entdecken, erleben, erhalten“ werden Projekte gesucht, die die Bedeutung und Vielfalt der Natur im, am und auf dem Wasser aufzeigen und neue Naturerlebnisse schaffen.
Deutscher Naturschutzpreis 2013
Für die Kategorie „Förderpreis“ können sich Interessierte bis zum 8. Februar 2013 mit einer Ideenskizze bewerben, um eine vollständige Projektfinanzierung von bis zu 150.000 Euro zu erhalten. In der Kategorie „Bürgerpreis“ zeichnen das Bundesamt für Naturschutz und Jack Wolfskin 20 kleinere Projekte mit jeweils 2.000 Euro aus. Bewerbungsschluss für Ideenskizzen ist hier der 5. Mai 2013.
Hintergrund: Weltfeuchtgebietstag
Der Weltfeuchtgebietstag am 2. Februar steht unter dem Motto „Feuchtgebiete und Wassermanagement“. Dieses Datum erinnert an die Verabschiedung des Übereinkommens über „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“ im Jahr 1971 in Ramsar, Iran. Ziel ist die nachhaltige Nutzung und der Erhalt des Wertes von Feuchtgebieten für Natur und Mensch. Die Ramsar-Konvention ist die älteste internationale Konvention zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen.
Nach Schätzungen des UNEP World Conservation Monitoring Centre (WCMC) sind etwa 6 Prozent der Erdoberfläche mit Feuchtgebieten bedeckt. Diese Gebiete sind wichtige Rast-, Brut- und Überwinterungsplätze für Wasser- und Watvögel. Sie spielen auch eine Rolle im Klimaschutz, da sie 20 bis 25 Prozent des globalen Kohlenstoffs speichern und somit zur Reduzierung des Treibhauseffektes beitragen. Auen fungieren zudem als Filter für überschüssige Nährstoffe aus der Intensivlandwirtschaft.
Weltweit sind 2065 Feuchtgebiete in 163 Staaten nach den Kriterien der Ramsar-Konvention geschützt. Neben dem Erhalt und der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit dieser Gebiete steht eine nachhaltige Nutzung („wise use“) im Vordergrund. In Deutschland erfüllen 35 Feuchtgebiete die Kriterien der Ramsar-Konvention und sind als „Feuchtgebiete internationaler Bedeutung“ anerkannt. Das jüngste Gebiet ist der Oberrhein / Rhin supérieur zwischen Weil am Rhein und Karlsruhe, das 2009 ausgezeichnet wurde und eines von nur 13 grenzüberschreitenden Ramsar-Gebieten darstellt.
Die Anerkennung dieses Gebiets stärkt die deutsch-französische Zusammenarbeit beim Schutz und Management wertvoller Lebensräume und Arten und fördert eine nachhaltige Tourismusentwicklung. Es gilt zudem als Modell für den globalen Feuchtgebietsschutz.
