Die Rutenhirse im Fokus der Gartengestaltung
Die Rutenhirse (Panicum) hat sich als Ziergras in der Gartengestaltung etabliert. Ihre Attraktivität, Robustheit und Trockenheitsverträglichkeit machen sie zu einer gefragten Pflanze, die mit neuen Sorten wie 'Northwind', 'Warrior' oder 'Thunder Cloud' überrascht.
Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Vorsitzender des Arbeitskreises Staudensichtung, verfolgt die Entwicklung der Gattung Panicum.
Meine erste Begegnung mit der Rutenhirse hatte ich zu Beginn meines Gartenbaustudiums im Sichtungsgarten von Weihenstephan. Dort stand inmitten einer prachtvollen Asternpflanzung die Panicum-virgatum-Sorte ’Strictum‘ – eine aufrecht wachsende, sehr standfeste Auslese mit rotbraunen Blütenständen, deren Halme sich im Herbst leuchtend gelb verfärben. Sie war 1950 die erste hierzulande erhältliche Sorte und stammte von Karl Foerster selbst – dem berühmten Staudengärtner und -züchter, der ja die Gräser überhaupt erst in den Fokus der Gartengestaltung gerückt hat.
Heute sind die Weihenstephaner Gärten unter der Leitung von Bernd Hertle. Der Staudenexperte berichtet, dass nach den wenigen Panicum-Sorten seiner Studienzeit vor etwa 20 Jahren ein Gräserboom einsetzte, als der Präriestauden-Trend aus den USA nach Deutschland kam. Im Rahmen der Staudensichtung wurden daraufhin rund 30 Sorten über vier Jahre hinweg bewertet, auch in Weihenstephan.
Grandiose Gartenwirkung
Die Sichtungsergebnisse bestätigten die Qualitäten vieler Echter Rutenhirsen (Panicum virgatum).
Sie sind wunderschön, gestalterisch anpassungsfähig und absolut pflegeleicht. Als sogenannte Late-Season-Grasses entwickeln sie sich im Frühjahr etwas langsamer und blühen erst im Juli/August, sehen dann dafür aber umso prächtiger aus.
Die Halme wachsen je nach Sorte straff aufrecht oder sanft übergeneigt und zeigen sich in Grün, Graublau oder mit roten Spitzen ab dem Frühsommer. Die zarten Gräserblüten schweben wie Schleier über den Blatthorsten. Im Herbst bieten zahlreiche Sorten eine Herbstfärbung von leuchtendem Gelb bis glühendem Rot.
Vielseitig und pflegeleicht
Hertle regt an, die Rutenhirse vielseitiger einzusetzen.
Panicum passt längst nicht nur zu Scheinsonnenhut (Echinacea), Prachtscharte (Liatris) und Indigolupine (Baptisia), sondern auch in klassische Staudenrabatten. Zum Beispiel zu Stauden-Pfingstrosen (Paeonia lactiflora), von denen ja ebenfalls viele eine schöne herbstliche Laubfärbung annehmen, zu Astern oder zu Herbst-Chrysanthemen (Chrysanthemum indicum).
Für den Standort ist volle Sonne entscheidend. Panicum ist von Südkanada bis Mexiko verbreitet und an unterschiedliche Standorte angepasst. Die meisten Gartensorten der Art Panicum virgatum gedeihen auf mäßig trockenen bis frischen Böden. Für leichte, sandige Böden und Standorte mit Streusalzeintrag eignet sich die Bittere Rutenhirse (Panicum amarum) 'Dewey Blue'.
Die Pflanzen sind pflegeleicht. Während der vierjährigen Sichtungszeit zeigten sie auch ohne Bewässerung kaum Trockenschäden, abgesehen von wenigen breitblättrigen Sorten. Eine Düngung ist auf gut versorgten Gartenböden nicht notwendig.
Auch im Winter attraktiv
Ein jährlicher bodennaher Rückschnitt im zeitigen Frühjahr ist empfehlenswert, um die Winteraspekte der Gräser zu erhalten. Bernd Hertle nennt 'Northwind' als seinen Favoriten für den Winteraspekt. Die wüchsige, 1,50 Meter hohe Sorte 'Badlands' mit ihrer kupferfarbenen Herbstfärbung ist ihm ebenfalls positiv aufgefallen. Unter den hohen Sorten schätzt Hertle die bis zu 2,20 Meter hohe 'Thunder Cloud'. Auch 'Strictum' mit ihren feinen Fruchtständen und der Herbstfärbung findet er nach wie vor ansprechend.
Navi durch die Staudenwelt
Die Staudensichtung bietet Gärtnereien und Verbrauchern Orientierung im Sortenreichtum von Blüten- und Blattschmuckstauden. Unabhängige Experten prüfen an 17 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz bewährte und neue Sorten über mehrere Jahre auf ihren Gartenwert. Kriterien sind Attraktivität, Gesundheit, Standfestigkeit und Langlebigkeit. Die besten Sorten werden mit ein bis drei Sternen ausgezeichnet. Informationen zu den ausgezeichneten Sorten sowie Pflege- und Gestaltungstipps sind unter www.staudensterne.de verfügbar.
