Die Schafgarbe – eine Pflanze mit langer Geschichte und vielfältigen Namen
Bereits Schafe nutzen die Pflanze zur Gesundheitsvorsorge. Auch in der Humanmedizin ist die Schafgarbe seit Jahrhunderten bekannt. Wolfgang Siebler von der Gärtnerei Stauden-Siebler in Schwarmstedt erläutert, dass insbesondere die Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium) für ihre Inhaltsstoffe bekannt ist. Sie trägt Namen wie „Jungfraukraut“, „Blutstillkraut“ oder „Grundheil“. Der botanische Gattungsname Achillea verweist auf die heilenden Eigenschaften, die schon dem griechischen Sagenhelden Achilleus zugeschrieben wurden. Die Artbezeichnung millefolium, also „Tausendblatt“, beschreibt die fein gefiederten Blättchen.
Zartes Laub, ausdrucksstarke Blüten – auch bei Trockenheit
Schafgarben sind nicht nur wegen ihrer inneren Werte, sondern auch wegen ihrer Optik geschätzt. Die weißen Blütenschirme der Art Achillea millefolium sind oft in Naturgärten zu finden. Sie ergänzen wiesenhafte Pflanzungen, beispielsweise zusammen mit blauviolettem Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), gelbem Wiesen-Hornklee (Lotus corniculatus) und rosaroten Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea), und tragen zu einem sommerlichen Flair bei.
Leuchtende Farben und vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Eine naturhafte Ausstrahlung besitzt auch die aus Vorderasien stammende Goldgarbe (Achillea filipendulina). Wolfgang Siebler kombiniert die goldgelben Blütenschirme der Sorte ’Coronation Gold‘, die bereits 1952 entstand, gerne mit Königskerzen (Verbascum), Silber-Ährengras (Stipa calamagrostis), Blauraute (Perovskia atriplicifolia) und Hoher Fetthenne (Sedum telephium).
Zum eigentlichen Höhenflug haben aber beiden Garben-Arten erst vor einigen Jahren angesetzt. Zwar hat der berühmte Staudengärtner Ernst Pagels bereits in den 1990er-Jahren eine Reihe herrlicher Achillea-filipendulina-Sorten gezüchtet, aber er war seiner Zeit offenbar voraus. Jedenfalls finden diese nach wie vor exzellenten Sorten erst heute richtig Anklang – zusammen mit den vielen leuchtstarken Sorten von Achillea millefolium, deren Sortiment von Jahr zu Jahr größer wird.
Gestalterisch sind beide Gruppen vielseitig einsetzbar. Sie eignen sich für Prachtstaudenrabatten, insbesondere für Ton-in-Ton-Pflanzungen, und setzen Farbakzente in Gräsergärten. Ihre klaren Formen passen auch zu moderner Architektur. Die Farbpalette reicht von Weiß, Gelb, Rot oder Orange bis zu pastelligen und zweifarbigen Varianten, wie den Achillea-filipendulina-Hybriden ’Terracotta‘ und ’Feuerland‘. Einige Sorten ändern ihre Farbe während der Blütezeit. So erblüht Achillea millefolium ’Belle Epoque‘ in Kirschrot und entwickelt später Rosanuancen. Die violetten Blüten von ’Lilac Beauty‘ verblassen ebenfalls mit der Zeit.
Ein Rückschnitt nach dem ersten Flor im Juni/Juli kann eine zweite Blüte im September fördern. Verblühte Triebe können über den Winter stehen bleiben, da sie Winteraspekte im Garten bieten und Insekten als Winterquartier dienen. Sie werden erst vor dem Neuaustrieb im Frühjahr entfernt.
Hitzefester Insektenmagnet
Die farbenfrohen Korbblütler ziehen während der Blütezeit zahlreiche Insekten an, da die meisten Schafgarben ein reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot bieten. Eine Ausnahme bildet die Gefüllte Bertramsgarbe, Achillea ptarmica ’Schneeball‘ beziehungsweise ’The Pearl‘, die mit ihren weißen Blütenkugeln und einer langen Blütezeit von Juni bis September gestalterisch ansprechend ist. Mit einer Wuchshöhe von 70 cm fügt sie sich gut zu den durchschnittlich 60 cm hohen Millefolium-Sorten und den bis zu 120 cm hohen Filipendulina-Züchtungen.
Wie diese Gruppen bevorzugt Achillea ptarmica volle Sonne und im Frühjahr etwas Kompost. Sie benötigt jedoch mehr Wasser als die meisten Schafgarben, die auch an trockenen Standorten gedeihen. Dazu gehören polsterbildende Arten wie die wintergrüne, etwa 10 cm hohe Gelbe Schafgarbe (Achillea tomentosa) oder die 15 cm hohe Dalmatiner-Silbergarbe (Achillea ageratifolia).
Das einzige, was man beachten sollte: Schafgarben sind nicht allzu langlebig. Damit sie dauerhaft erhalten bleiben und üppig blühen, sollte man sie alle drei bis vier Jahre teilen.
Steckbrief Schafgarbe
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Schafgarben (Achillea)
- Arten: weltweit 115, davon 16 in Deutschland
- Verbreitung: Schwerpunkt in Europa und Westasien
- Lebensdauer: mehrjährig
- Aussehen: scheindoldige Blütenstände, schmale gefiederte Laubblätter
- Duft: viele Arten duften aromatisch
- Besonderer Gartenwert:
- zahlreiche Sorten in vielen Farben
- attraktives Laub
- vielseitig einsetzbar
- robust
- trockenheitsverträglich
- insektenfreundlich
- Auszeichnungen:
- Heilpflanze des Jahres 2004
- Staude des Jahres 2021
