Kritik an der Schließung des IGZ-Standortes Erfurt
Die deutsche Gartenbauwirtschaft gilt als bedeutender mittelständischer Wirtschaftsfaktor. Insbesondere Unternehmen, die in der Züchtung und Vermehrung von Jungpflanzen im Zierpflanzenbau tätig sind, zählen international zur Elite. Dies ist maßgeblich auf unternehmerischen Weitblick sowie die deutsche Forschungslandschaft zurückzuführen.
Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzen Großbeeren/Erfurt e.V. (IGZ) hat hierbei einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die deutschen Gartenbauwissenschaften stehen jedoch seit Jahren unter erheblichem strukturellen und kapazitären Druck. Dies betrifft insbesondere die Ressourcen für die Grundlagenforschung und die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte an Universitäten, Hochschulen, in Unternehmen und in der beruflichen Bildung.
Die geplante Schließung des Standortes Erfurt des IGZ wird vom Bundesverband der Hochschulabsolventen / Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) als nicht nachvollziehbarer Schritt in einer branchenschädigenden Abwärtsspirale kritisiert.
Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im deutschen Gartenbau sind national und international eng vernetzt. Dieses Netzwerk sichert trotz eingeschränkter Kapazitäten an einzelnen Standorten die Forschung und Entwicklung für eine nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und pflanzlichen Erzeugnissen – von der Grundlage bis zur Anwendung. Die beabsichtigte Schließung des Standortes Erfurt würde dieses etablierte Netzwerk unnötig beeinträchtigen.
Die Folgen einer solchen Standortschließung reichen über die Grenzen Thüringens hinaus. Der Verlust würde die traditionell anerkannten Produktionsstrukturen der Region treffen und Defizite bei Lehr- und Forschungsmöglichkeiten benachbarter und mit dem IGZ vernetzter Hochschulen nach sich ziehen. Dies sendet ein negatives Signal an den Berufsstand einer ganzen Region und das bisher erfolgreiche Branchensegment.
Die von der Senatsgruppe der Leibniz-Gemeinschaft angeführten Gründe für eine Standortschließung und die damit verbundene Ressourcenabsenkung des IGZ sind laut BHGL nicht nachvollziehbar. Sie widersprechen dem Ergebnis der Gutachtergruppe, die das IGZ im Jahr 2015 mit sehr guten bis exzellenten Ergebnissen evaluiert hat, basierend auf den Maßstäben der Leibniz-Gemeinschaft.
Der BHGL vertritt die Interessen des Berufsstandes im Gartenbau. Von Universitäts- und Hochschulprofessoren über forschende Wissenschaftler an außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachlehrer und Meister bis hin zu Fachspezialisten in Produktion und Dienstleistung bedarf es gut ausgebildeter Menschen. Diese sollen sicherstellen, dass die Branche erfolgreich und nachhaltig Werte schafft und sich den Aufgaben des 21. Jahrhunderts stellt.
Der BHGL appelliert deshalb an den Senat der Leibniz-Gesellschaft zu ihren anerkannten Grundsätzen einer objektiven Leistungsbewertung ihrer Institute nach deren gesellschaftlichen Aufgaben und Satzungszielen zurückzukehren und insbesondere die Voten der Evaluierungsgruppen, bestehend aus renommierten Wissenschaftlern und anerkannten Fachleuten, zu respektieren.
Der BHGL fordert daher nachdrücklich, die Entscheidung zur Evaluierung des IGZ in der Leibniz-Gemeinschaft zu überdenken und die geplante Schließung des Standortes Erfurt zurückzunehmen.
