Herausforderungen und Lösungsansätze für die Wasserwirtschaft
Unser Land ist zum Glück noch weit von einem Wassernotstand entfernt. Ich will, dass das in Zeiten des Klimawandels auch in Zukunft so bleibt. Deutschland braucht daher eine nationale Wasserstrategie. Ein wichtiges Element ist die Festlegung von Grundsätzen für eine Priorisierung von Wassernutzung, eine Wasserhierarchie. Denn sie hilft Nutzerinnen und Nutzern, sich frühzeitig auf den möglichen Ernstfall einzustellen. Natürlich werden Entscheidungen, wer bei Knappheit Vorrang hat, letztlich immer vor Ort getroffen. Aber sie sollten sich an gemeinsamen Spielregeln orientieren - auch damit es am Ende kein Gegeneinander unterschiedlicher lokaler Interessen gibt, sondern ein möglichst großes Miteinander. Ebenso große Herausforderungen sind die Schadstoffbelastungen der Gewässer, die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Wasserökosysteme und die Sicherung der Daseinsvorsorge. Der Nationale Wasserdialog hat die aktuellen und absehbaren Herausforderungen so gründlich wie nie zuvor analysiert. Die Ergebnisse sind eine gute Grundlage für die erste nationale Wasserstrategie, die wir im Bundesumweltministerium ab heute erarbeiten werden.
Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, betonte, dass die Handlungsempfehlungen des Nationalen Wasserdialogs die unterschiedlichen Interessen im Umgang mit Wasser aufzeigen. Die damit verbundenen Herausforderungen für die Wasserwirtschaft erforderten tiefgreifende Veränderungsprozesse, insbesondere in den Leitbildern.
Ziel muss es sein, dass letztlich nur Stoffe in Gewässer gelangen oder eingeleitet werden, die kein Risiko für Mensch und Umwelt darstellen. Hierzu ist eine ganzheitliche Betrachtung der Umweltwirkungen von Schadstoffen und eine systemische Betrachtung der Eintragspfade im Rahmen einer Null-Schadstoff-Strategie erforderlich. Klimawandel und Wasser machen nicht an kommunalen Grenzen halt. Deshalb brauchen wir zügig auch Wasserdargebots- und Wasserbedarfsanalysen auf Einzugs- und Flussgebietsebene.
Deutschland muss sich auf längere Dürreperioden einstellen, wie die vergangenen Sommer gezeigt haben. Wasserknappheit wird in immer mehr Regionen zu einem Problem. Gleichzeitig leiden viele Gewässer unter der Belastung durch Nähr- und Schadstoffe. Diese Zukunftsszenarien wurden im Nationalen Wasserdialog analysiert und strategische Handlungsoptionen für zentrale Bereiche der Wasserwirtschaft identifiziert.
Ergebnisse und Maßnahmen des Nationalen Wasserdialogs
Der Nationale Wasserdialog liefert eine aktuelle Bestandsaufnahme, formuliert Ziele und benennt Aktionsfelder mit Vorschlägen für konkrete Maßnahmen. Die Empfehlungen reichen von strategischen Ansätzen und neuen Finanzierungskonzepten für die Modernisierung der wasserwirtschaftlichen Infrastrukturen bis hin zu Vorschlägen zur Stärkung der Organisations- und Verwaltungsstrukturen.
Der Schutz der Wasserressourcen soll durch verbindliche planerische Instrumente und eine Minderung von Stoffeinträgen gestärkt werden. Zudem wurde erarbeitet, wie Wasser- und Landwirtschaft gemeinsam Standards und Konzepte für eine gewässersensible Landnutzung entwickeln können.
Der Nationale Wasserdialog wurde 2018 vom Bundesumweltministerium gemeinsam mit dem Umweltbundesamt initiiert. Über zwei Jahre hinweg beteiligten sich mehr als 200 Teilnehmer aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Forschung, Verbänden, Ländern und Kommunen an dem Fachdialog. Nach einer Auftaktkonferenz wurden die Diskussionen in mehreren Einzelforen vertieft, darunter zu „Vernetzten Infrastrukturen“, dem „Risikofaktor Stoffeinträge“, dem Verhältnis von „Landwirtschaft und Verbraucherschutz“, dem Nexus „Gewässerentwicklung und Naturschutz“ sowie zu „Wasser und Gesellschaft“. Der Nationale Wasserdialog ist auch ein Beitrag Deutschlands zur Umsetzung der UN-Wasserdekade (2018-2028).
