Spargelanbau als regionaler Wirtschaftsfaktor und seine Bedeutung
In Deutschland produzieren etwa 1500 Familienbetriebe Spargel. Der Bleichspargel gilt als deutsches Kulturgut und stellt für die Hofinhaber eine wesentliche Einkommensquelle zu Beginn der Saison dar. Kristian Wichmann aus Bassum bei Bremen, der seinen Familienbetrieb in zweiter Generation führt, erwartet in diesem Frühjahr eine Ernte von rund 500 Tonnen Spargel. Neben Spargel baut er auch Erdbeeren und Kirschen an.
Wir beschäftigen 40 Festangestellte und 800 bis 1000 Aushilfen.
Der Wichmann-Hof, wie viele andere Spargelbetriebe, befindet sich in einer strukturschwachen Region und ist ein wichtiger Arbeitgeber. Dies betrifft Fachkräfte im Anbau, bei der Ernte und in der Vermarktung. Auch Bürokräfte auf den Höfen, Fahrer für die Warenauslieferung sowie Verkäufer in Hofläden und auf Bauernmärkten finden hier Beschäftigung. Die regionale Gastronomie nutzt deutschen Spargel ebenfalls als Angebot für ihre Gäste. Indirekt entstehen Arbeitsplätze bei Landmaschinenherstellern und Betreibern von Kühlhäusern.
Saisonkräfte und faire Arbeitsbedingungen im Spargelanbau
Die Beschäftigung von Saison-Aushilfskräften, insbesondere aus Osteuropa, steht während der Erntezeit oft im Fokus. Diese Arbeitskräfte sind für das Stechen des Spargels unerlässlich. Jährlich kommen etwa 63.000 Erntehelfer, vorwiegend aus Rumänien, von denen viele bereits seit Jahren in Deutschland tätig sind. Sie stammen oft aus Regionen mit wenigen Arbeitsplätzen und ernähren mit dem Saison-Einkommen ihre Familien.
Den Saisonkräften wird der deutsche Mindestlohn gezahlt, der im Vergleich zu ihren Heimatländern deutlich höher ist und in Europa nach Luxemburg der zweithöchste Mindestlohn ist. Die Arbeitsbedingungen unterliegen strengen Kontrollen und internationalen Standards. Obwohl es sich um körperlich anspruchsvolle Arbeit handelt, wird sie fair entlohnt und die Saisonkräfte werden angemessen untergebracht.
Die Rumänen sind sehr gut vernetzt, da spricht sich sehr schnell herum, wenn sie in einem Betrieb nicht gut behandelt werden.
Betriebe, die ihre Saisonkräfte nicht gut behandeln, haben auf Dauer Schwierigkeiten, qualifizierte Helfer zu finden, wie Kristian Wichmann betont.
Preisentwicklung und Zukunft des Spargelanbaus in Deutschland
Die arbeitsintensive Spargelernte ist nur rentabel, wenn die Verkaufspreise die Produktionskosten übersteigen. Trotz steigender Lohn- und Energiekosten werden diese Kosten aktuell nicht an die Verbraucher weitergegeben. Der Kilopreis für Spargel ist im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken, so Wichmann.
Er prognostiziert, dass es langfristig zu einem Rückgang des Spargelanbaus in Deutschland kommen könnte. Um den Anteil der Selbstversorgung zu erhalten und Importe über lange Transportwege zu vermeiden, ist es wichtig, dass Verbraucher bewusst und regelmäßig deutschen Spargel kaufen.
Direktkauf auf dem Spargelhof: Frische und Transparenz
Ein Besuch im Hofladen eines Spargelanbauers bietet die Möglichkeit, frischen Spargel direkt vom Erzeuger zu beziehen. Viele Betriebe veranstalten während der Saison Hoffeste, die Konsumenten die Gelegenheit geben, die Produzenten kennenzulernen. Aktuelle Termine sind auf der Internetseite des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände e. V. verfügbar.
