Europäische Strategien für nachhaltige Mobilität
Deutsche Städte stehen vor der Herausforderung, eine klimagerechte Stadt- und Mobilitätsentwicklung voranzutreiben. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) untersuchte, welche Lösungen andere europäische Städte verfolgen und inwieweit diese auf deutsche Kommunen übertragbar sind.
Der Verkehrssektor gilt neben der Energiewirtschaft und Industrie als wesentlicher Verursacher von Treibhausgasemissionen. Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes in diesem Bereich ist entscheidend, um Klimaschutzziele zu erreichen und Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Deutsche Städte implementieren bereits zahlreiche Maßnahmen für eine klimagerechte Mobilität, sehen sich dabei jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. Insbesondere die Konkurrenz um knappe Flächen zwischen Wohnungsbau, Grünflächen, Wirtschaft, Kultur und Mobilität stellt eine zentrale Schwierigkeit dar.
Das Difu-Forschungsprojekt „Klimagerechte Stadt- und Mobilitätsentwicklung: von europäischen Städten lernen“ analysierte in zehn Fallstudien Maßnahmen und Instrumente zur Umsetzung der Verkehrswende in europäischen Nachbarländern. Die untersuchten Städte waren der Kanton Basel-Stadt, Antwerpen, Helsinki, Lahti, Leuven, Ljubljana, Vejle, Wien, Vitoria-Gasteiz und Zürich. Ziel war es, die Übertragbarkeit dieser Ansätze auf deutsche Kommunen zu bewerten.
Ergebnisse und Empfehlungen der Difu-Studie
Sowohl deutsche als auch die untersuchten ausländischen Kommunen haben klare Klimaschutzziele und Zeitrahmen für die CO2-Reduktion definiert. Der Mobilitätssektor wird von allen Städten als wichtiger Hebel zur CO2-Einsparung betrachtet. Alle Fallstudienstädte streben eine Verkehrsmittelverlagerung, den sogenannten „Modal Shift“, an, anstatt sich ausschließlich auf Elektromobilität zu konzentrieren. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom Individualverkehr zu reduzieren und einen Mix aus umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Fahrrad und ÖPNV zu fördern.
Die Studie zeigt, dass selbst die als Vorreiter geltenden internationalen Städte noch keine vollständige Verkehrswende erreicht haben. In den untersuchten ausländischen Städten werden „Push & Pull-Maßnahmen“ häufiger eingesetzt als in Deutschland. Diese kombinieren die Stärkung von Fuß-, Radverkehr und ÖPNV mit Maßnahmen zur Reduzierung des Pkw-Verkehrs. Das Difu-Forschungsteam empfiehlt deutschen Kommunen, diese als wirksam erachteten Maßnahmen stärker anzuwenden.
Beteiligungsverfahren spielen in den meisten europäischen Städten eine wichtige Rolle. Kommunen sollten daher bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur klimagerechten Stadt- und Mobilitätsentwicklung verschiedene Akteure einbinden. Leitbilder und Zielvorgaben sollten dabei frühzeitig von Politik und Verwaltung festgelegt werden.
An der Schnittstelle zur Mobilität sollte dem Thema Klimaanpassung eine höhere Priorität eingeräumt werden. Dies könnte beispielsweise durch die Entsiegelung von Verkehrsflächen und deren Umwandlung in Grünflächen geschehen. Viele der untersuchten europäischen Städte nutzten EU-Förderprogramme für die Konzeption, Planung und Umsetzung von Projekten. Diese Förderungen sind jedoch oft auf wirtschaftlich schwache Gebiete beschränkt, wodurch ein Großteil der deutschen Kommunen nicht davon profitieren kann. Dennoch sind viele der erfolgreichen Maßnahmen aus anderen Ländern auf Deutschland übertragbar.
Allerdings gibt es rechtliche Grenzen, die einer direkten Übertragung von Maßnahmen entgegenstehen. Eine gesamtstädtische Parkraumbewirtschaftung zur Finanzierung des Umweltverbunds ist beispielsweise im Rahmen der aktuellen Straßenverkehrsordnung in Deutschland nicht möglich. Auch regulatorische Maßnahmen im Bereich Parkraummanagement zugunsten der Klimaanpassung erfordern Änderungen im Rechtsrahmen.
Die deutschen Kommunen handeln bereits heute und setzen wirksame Maßnahmen um. Aber mit Blick auf die rasanten Klimaveränderungen sollten die deutschen Städte intensiver besonders wirksame Instrumente wie kombinierte „Push & Pull-Maßnahmen“ nutzen. Sie sind gleichermaßen gut für Klimaschutz und Klimaanpassung.
Die Publikation der Studie ist kostenfrei online verfügbar.
