Warstein: Vorreiter in nachhaltiger Waldbewirtschaftung
Die Stadt Warstein in Nordrhein-Westfalen trägt für ein Jahr den Titel „PEFC-Waldhauptstadt“. Damit sollen die Aktivitäten rund um die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Stadt hervorgehoben werden. Den zweiten Platz im Wettbewerb belegte die Gemeinde Laubach in Hessen.
Warstein ist von rund 9.000 Hektar Waldfläche geprägt, wovon knapp 5.000 Hektar im Besitz der Stadt sind. Dies macht Warstein zum zweitgrößten kommunalen Waldbesitzer in Nordrhein-Westfalen. Der städtische Forstbetrieb ist seit 2002 nach PEFC-Standards zertifiziert, was eine nachhaltige Bewirtschaftung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht bestätigt.
Die Jury überzeugte Warstein durch kontinuierliche Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Hierbei wurden die Herausforderungen des Klimawandels für die regionalen Wälder thematisiert. Die Stadt legt zudem Wert auf die Nutzung PEFC-zertifizierter Produkte und fordert in Ausschreibungen, beispielsweise im kommunalen Holzbau, den Einsatz von Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.
Für das Jahr 2020 hat die Stadt ein Konzept zur Nutzung des Waldhauptstadttitels vorgelegt. Dieses beinhaltet Maßnahmen, die die Bedeutung einer nachhaltigen, klimafitten und zukunftsorientierten Waldbewirtschaftung lokal und regional betonen sollen. Geplant sind unter anderem eine Bürger-Baumpflanzaktion, ein Waldfest sowie Aktionen im Rahmen der Warsteiner Internationalen Montgolfiade und des Strong Viking.
Zusätzlich wird ein PEFC-Wanderweg angelegt, der die Vorteile nachhaltiger Waldbewirtschaftung aufzeigt. Eine Ausstellung im Naturpark-Portal Hirschberg ist ebenfalls geplant, ebenso wie die Schaffung eines „PEFC-Biotopbaums“ in Kooperation mit Partnern, um die Vorgänge in einem Biotopbaum erlebbar zu machen.
Unsere Wald-Region erlebt aktuell durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer eine extrem schwierige Situation. Trotzdem – nein, gerade deshalb! – haben wir uns als Waldhauptstadt beworben.
Dies erklärte Dr. Thomas Schöne, Bürgermeister der Stadt Warstein. Er ergänzte gemeinsam mit dem Ersten Beigeordneten Stefan Redder:
Denn wir müssen auf die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz und für unsere Lebensqualität aufmerksam machen. In der Stadt Warstein betreiben wir bereits seit Anfang der 1990er Jahre naturnahe Waldbewirtschaftung. Das heißt, wir haben kontinuierlich Mischwaldflächen entwickelt, so dass der Anteil an Laubhölzern heute schon signifikant ist.
Angesichts des Klimawandels sei es notwendig, die Genressourcen über die natürlichen Vorkommen hinaus zu erweitern. Bäume, die längere Hitze- und Trockenperioden überstehen können, fehlten in den Wäldern. Schöne und Redder führten aus:
Deshalb planen wir künftig Bäume mit hoher Standhaftigkeit, wie unter anderem die Weißtanne, die im Sauerland natürlicherweise nicht vorkommt, stärker mit ein.
Der Wald der Stadt Warstein ist zudem ein Tourismusfaktor mit Sehenswürdigkeiten, 400 Kilometern markierten Wanderwegen und 80 Kilometern Radwegen.
Als Auszeichnung erhält die Stadt Warstein von PEFC Deutschland 1.000 Forstpflanzen für den Stadtwald sowie eine Unterstützung von 3.000 Euro für Aktivitäten zur Bekanntmachung des Titels. Die offizielle Urkundenübergabe ist für die kommenden Wochen vorgesehen.
Hintergrund zum Wettbewerb „PEFC-Waldhauptstadt“
Der Wettbewerb richtet sich an Städte und Gemeinden, die sich für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung engagieren und eine langjährige Bewirtschaftung ihrer Wälder nach PEFC-Standards vorweisen können. Die Jury, bestehend aus Mitgliedern von PEFC Deutschland e.V., darunter Vertreter des Waldbesitzes, der Holzwirtschaft sowie Umweltverbänden und Gewerkschaften, wählte Warstein auf den ersten Platz.
In den vergangenen Jahren wurden folgende Städte und Gemeinden ausgezeichnet: Wernigerode im Harz (2019), Heidelberg (2018), Brilon im Sauerland (2017), Ilmenau (2015), Freiberg (2013), Rottenburg am Neckar (2012) und Augsburg (2011).
