Die Grüne Stadt

Bedeutung und Entwicklung von Stadtgrün in Bremen und Bremerhaven

Die Corona-Pandemie hat die Relevanz öffentlicher Grünflächen in Städten verdeutlicht. In Bremen stieg die Aufenthaltsdauer in Parks und Grünanlagen im April um 76 Prozent. Dies unterstreicht die systemrelevante Funktion von Stadtgrün als Puffer in Krisenzeiten und seine Bedeutung für die Lebensqualität.

Stadtgrün als Resilienzfaktor für urbane Gesundheit

Die Krise wird langfristige Auswirkungen auf Städte haben, wobei grüne, blaue und soziale Infrastrukturen an Bedeutung gewinnen. Die räumliche Situation in Nachbarschaften und Stadtteilen beeinflusst die Gesundheit der Bevölkerung. Stadtgrün trägt zum Klimakomfort bei, indem Bäume Hitzeeinstrahlung reduzieren, Aufheizeffekte mindern und die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Dies ist besonders wichtig für ältere Menschen, die als Risikogruppe gelten.

Studien belegen, dass Naturerlebnisse Stress reduzieren, den Blutdruck senken und die Konzentration steigern können. Umweltpsychologische Untersuchungen zeigen Stressabbau in naturnahen Räumen. Ein höherer Grünraumanteil in der Wohnumgebung wirkt sich positiv auf das Geburtsgewicht von Neugeborenen aus, und der Blick auf Grün fördert die Genesung im Krankenhaus. Urbanes Grün motiviert zudem zu körperlicher Aktivität und fördert soziale Kontakte, was zum Wohlbefinden beiträgt. Kleine Grünflächen in dicht besiedelten Gebieten sind dabei ebenso wichtig wie größere Parks.

Sicherung und Weiterentwicklung von Stadtgrün

Grünflächen sollten schnell und sicher erreichbar, gut verteilt und vernetzt sein, um Wegealternativen zu bieten. Dies ist besonders relevant für Eltern mit kleinen Kindern, sozial Benachteiligte und ältere Menschen. Angsträume sollen vermieden und Freiräume multifunktional gestaltet werden. Zukünftige Stadtstrukturen müssen auf Resilienz und Anpassungsfähigkeit an globale Risiken wie Umweltveränderungen und Pandemien ausgelegt sein. Dies erfordert die Weiterentwicklung baulicher und freiräumlicher Strukturen sowie redundante Infrastrukturen.

Stadtgrün und Gewässer sind als wichtige Infrastruktur zu sichern und zu entwickeln. Dies steht oft im Konflikt mit städtebaulichen Dichtezielen. Planungen müssen auf gesamtstädtischer Ebene sowie in Stadtteilen und Quartieren geprüft und mit Daten aus Städtebau und Gesundheitsberichterstattung untermauert werden. Eine Abstimmung zwischen Stadtplanung, Umwelt und Gesundheit ist erforderlich, um Ziele und Maßnahmen zu koordinieren und der Bevölkerung zu vermitteln.

Grünausstattung in Bremen und Bremerhaven

Bremen verfügt über 367 öffentliche Grünanlagen mit einer Gesamtfläche von 798 Hektar. Hinzu kommen 960 Hektar Kleingartenanlagen, 211 Hektar Friedhöfe und 459 Hektar Parks und Grünanlagen außerhalb der kommunalen Verwaltung. Auch siedlungsintegrierte Grünflächen von Wohnungsgesellschaften, Privatgärten sowie straßenbegleitende Grünstrukturen und begrünte Funktionsräume tragen zum Stadtgrün bei. Bremen zeichnet sich durch eine gute Ausstattung mit öffentlich zugänglichen Grün- und Freiflächen aus, was einen positiven Standortfaktor darstellt. Eine Reduktion der Fläche oder Qualität des Stadtgrüns hätte negative Folgen für die Attraktivität und Wirtschaft Bremens und Bremerhavens.

Vorschläge zur Berücksichtigung von Stadtgrün in Konjunkturprogrammen

1. Investitionen in Infrastruktur

Die Infrastruktur in Parks, Grünanlagen und Friedhöfen weist einen Sanierungsstau von über 10 Millionen Euro auf. Allein für übergeordnete Wegeverbindungen, die auch von Radfahrenden genutzt werden, besteht ein Sanierungsbedarf von 3,9 Millionen Euro. Für Fußwege in Grün- und Kleingartenanlagen sind 3,5 Millionen Euro kalkuliert, und für Friedhofsgebäude 2,7 Millionen Euro. Der Sanierungsstau sollte abgebaut und weiterer Bedarf ermittelt werden. Zudem sind Investitionen in die Standorte des Umweltbetriebs Bremen (UBB) zur Ertüchtigung und zum Neubau notwendig, um Photovoltaik mit Dachbegrünung und Fassadenbegrünung zu verbinden. Ein Investitionsbetrag von etwa 15 Millionen Euro ist hierfür vorgesehen.

2. Investitionen in Bäume

In Bremen sind etwa 70.000 Straßenbäume und über 130.000 weitere Bäume in Grünanlagen, auf Kita- und Schulgrundstücken, Spiel- und Sportplätzen sowie in Kleingartenanlagen digital erfasst. In Bremerhaven sind 9.500 Straßenbäume und etwa 36.000 Bäume in Grünanlagen vollständig digitalisiert. Viele Bäume haben unter den letzten Hitzesommern gelitten; Ende 2019 galten nur 17 % des UBB-Bestands als gesund, während 28 % stark geschädigt oder abgestorben und 55 % geschwächt waren. Verkehrssicherungskontrollen, Totholzentfernung, Fällungen, Nachpflanzungen, Bodenverbesserung und Bewässerung sind arbeits- und kostenintensiv. Ein Defizit besteht in der unzureichenden Einhaltung und Kontrolle von Baumschutzauflagen. Eine Investition von 4 Millionen Euro in den Baumbestand Bremens und Bremerhavens ist notwendig, um Rückstände aufzuholen und präventiv tätig zu werden.

3. Investitionen in das Grün der Anlagen

Bremer und Bremerhavener Grünanlagen tragen zur innerstädtischen Biodiversität und Klima-Resilienz bei, indem sie Starkregen abpuffern und kühlend wirken. Diese Funktionen sollen systematisch gestärkt werden, beispielsweise durch die Anlage von Versickerungsbereichen im Straßenbegleitgrün, die Schaffung von Blühflächen durch Blumenzwiebeln und regionale Saatgutmischungen. Auch die Sanierung von Gewässern, die Stärkung von Strauchpflanzungen und die Entwicklung guter Übergänge zwischen Straßennetz und Grünanlagen sind wichtig. Investitionen von 6 Millionen Euro sind hierfür vorgesehen.

4. Investitionen in Konzepte und Projektplanungen

Integrierte Konzepte für die Stadtentwicklung sind erforderlich, um Fachplanungen abzustimmen und langfristige Ziele zu definieren. Die Verzahnung von innerstädtischem Grün, umweltfreundlicher Mobilität und Stadtentwicklung bei Neubauvorhaben und im Bestand soll systematisch vorangebracht werden. Dies betrifft unter anderem die Stadtteile Neustadt und Woltmershausen, das Rennbahngelände in Bremen und den Bereich Neue Aue in Bremerhaven. Konzepte zum Altbaumschutz, zur Sicherung von Baumstandorten und zur Verbesserung der Klimapufferfunktion sind zu entwickeln. Für diese Aufgaben, die auch als Basis für Bundesförderungen dienen, ist ein Investitionsbetrag von 5 Millionen Euro vorgesehen. Eine verwaltungsexterne Koordination, beispielsweise durch eine Projektsteuerung Stadtgrün, wird vorgeschlagen.

5. Investitionen in Ausrüstung

Die Umstellung des Fuhrparks des UBB und des Gartenbauamts Bremerhaven auf Elektrofahrzeuge und die Erweiterung des Bestands an Akku-betriebenen Maschinen können zu einer klimaneutralen, lärm- und emissionsgeminderten Grünflächenpflege beitragen. Dies erfordert angepasste Wartungsmöglichkeiten, Ladeinfrastruktur und Personalschulungen.

6. Steuerung und Koordinierung verbessern

Die Steuerung und Koordinierung des städtischen Grünflächenmanagements müssen gestärkt werden, beispielsweise durch den Aufbau einer Stabsstelle im SKUMS. Eine Koordination zwischen Stadtplanung und Naturschutz ist für die Grünordnungsplanung notwendig. Bei Investitionsprogrammen in öffentliche Grünanlagen sollte die Federführung beim UBB in Bremen und beim Gartenbauamt in Bremerhaven liegen. Die Einbeziehung von Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus sowie Planungsbüros ist für die Umsetzung unerlässlich.

7. Investitionsfonds für nichtöffentliche Parks und Grünanlagen

Für nichtöffentliche Parks wie den Bürgerpark und den Rhododendronpark, die hohe Pflegeaufwendungen und sinkende Einnahmen haben, wird ein landesweiter Investitionsfonds in Höhe von 5 Millionen Euro vorgeschlagen. Maßnahmen aus diesem Fonds sollen die Biodiversität und Klima-Resilienz stärken sowie die Aufenthaltsqualität fördern.

8. Dialogforum Grün in der Stadt etablieren

Zur fachlichen Begleitung der Grün- und Freiraumentwicklung soll ein Dialogforum „Grün in der Stadt“ mit relevanten Fachakteuren eingerichtet werden. Dieses Format soll verstetigt und auf Staatsratsebene im SKUMS verankert werden, um eine koordinierte und synergetische Umsetzung von Maßnahmen zu gewährleisten. Vertreter des Gartenbauamts Bremerhaven sollen hinzugezogen werden.

9. Aus- und Weiterbildung

Die steigenden Anforderungen an Aufenthaltsqualität, Biodiversität und Klima-Resilienz erfordern eine Qualifizierung des Personals im öffentlichen und privaten Sektor. Schulungsmodule zur Ökologisierung der Grünpflege und Grünflächenanlage sollen entwickelt und gemeinsam genutzt werden. Die Ausbildung muss ökologisch ausgerichtet werden, und der UBB benötigt eine Ausbildungsinitiative für gärtnerisches Fachpersonal. Für die Entwicklung dieser Qualifizierungsoffensive sind 300.000 Euro bereitzustellen.

27.05.2020

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