Europäische Studie zeigt Anforderungen an altersgerechte Grünflächen in Seniorenheimen
Grünflächen spielen für ältere Menschen in Seniorenheimen eine wichtige Rolle für Lebensqualität, Bewegung und soziale Kontakte. Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Studie unter Leitung von Dr. Martina Artmann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), die in der Fachzeitschrift „Urban Forestry and Urban Greening“ veröffentlicht wurde.
Untersucht wurde erstmals, welche Bedeutung Gärten, Parks und städtische Grünflächen für Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen haben und welche Anforderungen an die Gestaltung gestellt werden.
126 Seniorenheime in sechs Ländern untersucht
Für die Untersuchung befragte das Forschungsteam zwischen Mai und Oktober 2016 insgesamt 126 Seniorenheime in 17 Städten Deutschlands, Norwegens, Österreichs, Polens, Rumäniens und Sloweniens. Berücksichtigt wurden Städte mit hoher und geringer Bevölkerungsdichte.
92 Prozent der Einrichtungen verfügen über einen eigenen Garten, der von den Bewohnerinnen und Bewohnern genutzt werden kann. Sechs Prozent besitzen keinen Garten.
Die Studie zeigt, dass Grünflächen sowohl für körperliche Aktivitäten als auch für Erholung und soziale Begegnungen von großer Bedeutung sind. Spaziergänge, Gärtnern oder Naturbeobachtungen tragen wesentlich zum Wohlbefinden älterer Menschen bei.
Öffentliche Grünflächen ergänzen Heim-Gärten
Auch öffentliche Parks und Grünanlagen werden von Seniorinnen und Senioren regelmäßig besucht. Besonders Bewohnerinnen und Bewohner ohne eigenen Garten im Heim nutzen öffentliche Grünflächen als Rückzugsort und Abwechslung zum Alltag in der Einrichtung.
Wie intensiv die Angebote genutzt werden, hängt laut Studie maßgeblich vom körperlichen und geistigen Gesundheitszustand der Menschen ab. Mobile und aktive Bewohner halten sich häufig täglich im Garten auf und besuchen mehrmals im Monat öffentliche Grünanlagen.
Barrierefreie und naturnahe Gestaltung empfohlen
Die Untersuchung macht deutlich, dass Grünanlagen altersgerecht gestaltet sein müssen, damit ältere Menschen sie problemlos nutzen können. Viele Einrichtungen setzen bereits auf barrierefreie Wege, rutschfeste Beläge, Sichtschutz und sichere Einfriedungen.
Aus Sicht der Forschenden fehlen jedoch häufig Bewegungsangebote wie stationäre Trainingsgeräte oder Ballsportflächen. Zudem empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine naturnähere Gestaltung der Anlagen, beispielsweise mit Wildblumenwiesen statt reiner Zierrasenflächen.
„Für Menschen mit Demenz sollten noch häufiger Sinnes- oder Duftgärten angeboten werden. Auch Maßnahmen, die die Orientierung im Garten erleichtern, wie Wegweiser und Zäune wären zu empfehlen“, erläutert Studienleiterin Martina Artmann vom IÖR.
Auch öffentliche Grünflächen sollten stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet werden. Dazu zählen ausreichend Sitzgelegenheiten in kurzen Abständen sowie öffentliche Toiletten.
„Bei städtischen Grünflächen kommen weitere Anforderungen hinzu: Ausreichend öffentliche Toiletten sind erforderlich; Bänke sollten in kurzen Abständen aufgestellt sein, damit sich Seniorinnen und Senioren häufiger ausruhen können“, erklärt Martina Artmann.
Die Studie liefert einen umfassenden Überblick über die Bedeutung von Stadtgrün für ältere Menschen in europäischen Seniorenheimen und zeigt zugleich weiteren Forschungsbedarf auf.
