Fachkongress in Berlin fordert klimaresiliente Stadtplanung mit mehr urbanem Grün
Unter dem Motto „Stadt.Plant.Grün“ hat der Bund deutscher Baumschulen am 15. und 16. Oktober 2019 in Berlin zu einem Fachkongress im Rahmen der EU-Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“ eingeladen. Rund 200 Entscheiderinnen und Entscheider aus Kommunen sowie Stadtplanungsbüros kamen im Spreespeicher zusammen, um aktuelle Herausforderungen rund um klimaresiliente und nachhaltige Stadtentwicklung zu diskutieren.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Strategien für mehr urbanes Grün, klimaangepasste Infrastruktur und nachhaltige Stadtplanung. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Planung beleuchteten dabei sowohl ökologische als auch soziale Aspekte der Stadtentwicklung.
Bäume als zentraler Baustein klimaresilienter Städte
Zum Auftakt stellte Baumexperte Klaus Körber den Baum in den Mittelpunkt der aktuellen Klimadebatte. Er sprach sich dafür aus, die gesamte Sortimentsbreite bei Stadtbäumen zu nutzen, um langfristig widerstandsfähige urbane Grünstrukturen zu schaffen.
Im anschließenden Panel zur Klimaresilienz diskutierten Dr. Thomas Abeling vom Umweltbundesamt und Sebastian Schlecht von der Stadt Essen gemeinsam mit Moderator Philipp Sattler von der Stiftung DIE GRÜNE STADT über Wege zur klimarobusten Kommune.
„Kommunen müssten endlich beginnen, ihre gesamten Verwaltungshandlungen grün zu (über)denken, um dem Klimawandel zu begegnen.“
Der Tenor der Diskussion: Städte sollten stärker auf grüne Lösungen setzen, anstatt sich ausschließlich auf technische Maßnahmen zu verlassen. Internationale Beispiele zeigten bereits, dass innovative Konzepte vielerorts schneller umgesetzt würden als in Deutschland.
Grüne Infrastruktur als Faktor sozialer Gerechtigkeit
Im zweiten Panel widmeten sich Christa Böhme vom Deutschen Institut für Urbanistik, Dr. Carlo Becker von bgmr Landschaftsarchitekten sowie Stephanie Haury vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung dem Thema Umweltgerechtigkeit.
Die Fachleute forderten eine „grüne Stadt für alle“ und betonten die Bedeutung leistungsfähiger grüner Infrastruktur für Gesundheit, soziale Teilhabe und ökologische Stabilität. Gerade im Garten- und Landschaftsbau gewinne die Verknüpfung von Freiraumplanung und urbaner Infrastruktur zunehmend an Bedeutung.
„Graue und grüne Infrastruktur müssen in der Stadt endlich zusammen gedacht und umgesetzt werden.“
Ganzheitliche Konzepte seien bislang jedoch noch zu selten. Stattdessen dominierten vielerorts einzelne, voneinander getrennte Projekte.
„Eco statt Ego“ in der Stadtplanung
Felix Finkbeiner, Gründer der Initiative Plant-for-the-Planet, warb in seiner Keynote für eine weltweite Aufforstung als Beitrag zum Klimaschutz. Bäume seien günstige, effektive und leicht vermehrbare CO₂-Speicher. In den kommenden zehn Jahren müssten weltweit 1.000 Milliarden Bäume gepflanzt und die Abholzung der Regenwälder gestoppt werden.
„Die Bäume seien eine Art Zeitbonus, um die CO2-Emissionen noch rechtzeitig in den Griff zu bekommen.“
Im dritten Panel diskutierten Dr. Robert Kaltenbrunner vom BBSR, Markus Lager von Kaden+Lager Architekten und Landschaftsarchitekt Andreas Kipar unter dem Leitmotiv „Eco statt Ego“ über nachhaltige Stadtplanung.
Die Diskussionsteilnehmer sprachen sich dafür aus, Stadtgrün in Planungsprozessen deutlich stärker zu gewichten. Statt fünf Prozent der Bausumme sollten künftig zehn Prozent für lebendiges Grün eingeplant werden. Auch der Umbau bestehender Stadträume, etwa durch den Rückbau von Straßen, wurde als zentrale Aufgabe benannt.
Exkursionen zu Berliner Stadtentwicklungsprojekten
Am zweiten Veranstaltungstag standen zwei Exkursionen auf dem Programm. Die Teilnehmer besuchten den Park am Gleisdreieck, der aus einer ehemaligen Brachfläche hervorgegangen ist und heute als stark frequentierter innerstädtischer Freiraum gilt.
Darüber hinaus führte eine Exkursion zum EUREF-Campus in Berlin. Das nachhaltige Stadtquartier erfüllt nach Angaben der Veranstalter bereits seit 2014 die Klimaziele der Bundesregierung für das Jahr 2050.
Im Rahmen des Kongresses wurde außerdem der „BdB-Nachhaltigkeitspreis der Deutschen Baumschulwirtschaft“ verliehen. Die Auszeichnung erhielt die Baumschule Hinrichs aus Edewecht. Überreicht wurde der Preis von Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.
