Anpassung städtischer Infrastrukturen an den Klimawandel
Die Zunahme von Extremwetterereignissen, wie die jüngsten Regenfluten zum Jahreswechsel gezeigt haben, verdeutlicht die Notwendigkeit einer Anpassung städtischer Infrastrukturen an die Folgen des Klimawandels. Ein zentrales Konzept zur Abmilderung von Schäden durch Dauer- und Starkregen ist das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Dieses wird in der Emscher-Lippe-Region durch die Zukunftsinitiative Klima.Werk von Emschergenossenschaft/Lippeverband und den beteiligten Kommunen vorangetrieben.
In vielen Städten trifft Niederschlag auf eine Vielzahl versiegelter Flächen, wo er nicht versickern kann. Die traditionelle Entwässerung leitet Regenwasser von Dächern, Straßen und Parkplätzen direkt in die Kanalisation ab. Diese Praxis birgt mehrere Nachteile: Sauberes Regenwasser wird unnötigerweise zusammen mit Abwasser in Kläranlagen gereinigt und fehlt anschließend zur Bewässerung und Kühlung in den Städten. Zudem führt die Überlastung der Kanalisation bei Dauer- oder Starkregen zu Überflutungen, da die großen Niederschlagsmengen nicht versickern können.
Prof. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband, betont die Dringlichkeit:
"Wir müssen unsere Infrastrukturen anpassen, mehr Aufnahmekapazitäten, Speicher- und Rückhaltemöglichkeiten für Regenwasser in den Wohnquartieren schaffen, denn häufigeres Extremwetter ist eine unumkehrbare Folge des Klimawandels."
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk verfolgt den Umbau von öffentlichen und privaten Flächen, indem sie Stadtplanung und Wasserwirtschaft miteinander verbindet. Andreas Giga, Leiter der Serviceorganisation des Klima.Werk, erklärt:
"Um Überflutungsschutz zu gewährleisten und weitere Folgen des Klimawandels wie Dürre und Hitze abzumildern. Mehr Grün und mehr Wasser in der Stadt bedeutet für Bürgerinnen und Bürger mehr Sicherheit, aber auch mehr Lebensqualität."
Das Schwammstadt-Prinzip sieht vor, dass Regenwasser nicht mehr zusammen mit Schmutzwasser in die Kanalisation abgeleitet wird. Stattdessen soll es vor Ort gespeichert, aufgefangen oder versickert werden. Diese naturnahe Regenwasserbewirtschaftung stärkt den natürlichen Wasserkreislauf, fördert die Grundwasserneubildung und kühlt die Lufttemperatur durch Verdunstung, während es gleichzeitig Pflanzen bewässert.
Um Städte und private Flächen "saugfähig" zu machen, sind verschiedene bauliche Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören:
- Dach- und Fassadenbegrünungen
- Abkopplung der Niederschlagsentwässerung von der Kanalisation
- Entsiegelung von Flächen
- Bau von unterirdischen Speichern (Rigolen)
- Anlage von Versickerungsmulden
- Schaffung multifunktionaler Flächen, die im Ernstfall Regenwasser aufnehmen können, ohne größere Schäden zu verursachen
In der Emscher-Lippe-Region gibt es bereits zahlreiche Beispiele für die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips, das die Emschergenossenschaft gemeinsam mit Partnerkommunen seit fast 20 Jahren vorantreibt. Dazu zählen Parkplätze mit unterirdischen Regenwasserspeichern in Herne, Schulhöfe mit Versickerungsmöglichkeiten und Ableitungen in Gewässer, begrünte Dächer in Oberhausen und Essen sowie Siedlungen in Dorsten oder Holzwickede, die von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt sind. Eine multifunktionale Freizeitanlage wie der Hausacker in Bochum kann ebenfalls Regenwasser speichern.
Trotz der Fortschritte betont Uli Paetzel:
"Wir sind noch lange nicht am Ziel. Der Umbau von Bestandsflächen und -strukturen nach dem Schwammstadt-Prinzip ist eine aufwändige und teure Aufgabe für die Region. Dafür braucht es die Unterstützung und das Mitmachen von allen: Land, Kommunen, Politik, Wasserwirtschaft, aber auch von Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern."
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk stellt Kommunen und Privaten Fördergelder zur Verfügung, beispielsweise über die "Zukunftsvereinbarung Regenwasser" (ZVR) oder das Landesprogramm "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" (KRiS). Bis 2030 sollen allein über letzteres rund 250 Millionen Euro in den Umbau investiert werden. Ziel ist es, in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abzukoppeln und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte zu steigern.
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk, die 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser begann und sich über "Wasser in der Stadt von morgen" zur heutigen Form entwickelte, arbeitet mit den Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung. Seit 2020 beteiligen sich alle Wasserverbände der Region an der Umsetzung des Ruhrkonferenz-Projekts "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" unter dem Dach des Klima.Werks.


