Infrastrukturdefizite und ihre Folgen
Die deutsche Infrastruktur, einst bekannt für ihre Qualität, leidet unter jahrzehntelanger Vernachlässigung. Nach der Wiedervereinigung konzentrierten sich die Mittel auf die neuen Bundesländer, während die bestehende Infrastruktur im Rest des Landes in Mitleidenschaft gezogen wurde. Budgetverschiebungen und Kompetenzverlagerungen, wie die des Autobahnbaus an die bundeseigene Autobahn GmbH, führen zu Verzögerungen bei Sanierungs- und Neubauprojekten. Dies hat zur Folge, dass das Fernstraßennetz und insbesondere viele Brücken in einem kritischen Zustand sind und ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko darstellen.
Auch die Deutsche Bahn kämpft mit dem Ausbau von Bahnhöfen und Strecken, was die Kapazitäten und Umlaufzeiten zu den wichtigen Seehäfen beeinträchtigt. Großflughafenprojekte verzögern sich erheblich, und der Ausbau von Glasfasernetzen sowie Stromtrassen kommt nur schleppend voran, oft gebremst durch Bürgerinitiativen und Gerichtsverfahren. Diese Beispiele verdeutlichen den immensen Nachholbedarf und Investitionsstau, der in den kommenden Jahren bewältigt werden muss, um Deutschland als Industriestandort zu erhalten.
Klimawandel als Treiber für neue Bautätigkeiten
Die Folgen des Klimawandels erfordern eine neue Art von Bautätigkeiten. Die Resilienz von Städten, Wohngebieten, Industriestandorten und Infrastrukturen muss verbessert werden. Dies beinhaltet erhebliche Investitionen in der Bauindustrie, da Verlagerungen von Wohn- und Stadtgebieten aufgrund zunehmender Hochwasser- und Starkregengefahren notwendig werden. Straßen, Brücken, Stromleitungen, Eisenbahnverbindungen, Wasser- und Abwassersysteme, Gasleitungen und Staudämme müssen neu konzipiert und gebaut werden. Steigende Meeresspiegel erfordern zudem die Erhöhung von Deichen entlang der Küsten und Flüsse.
Weitere Herausforderungen ergeben sich aus der Umgestaltung von Industrie und Lebensweise zur Abwehr weiterer Klimaveränderungen. Die Isolierung von Gebäuden spielt hierbei eine zentrale Rolle, da sie die größte Einsparung von CO2-Emissionen ermöglicht. Es wird erwartet, dass nachhaltigere Werkstoffe mit geringerem Kunststoffanteil entwickelt werden. Innovationen bei Baustoffen, wie carbonfaserverstärkte Betonarten, ermöglichen neue Bauformen und Materialeinsparungen. Der Wohnungsmangel in wachsenden Städten und deren Umland führt zu einem Boom im Wohnungs- und Hochbau, bei dem Bauroboter und 3D-Druckverfahren die Abläufe auf Baustellen verändern werden. Die Digitalisierung wird das Baustellen-Management sowie Planungs- und Materialdispositionsprozesse revolutionieren und die Bauausführung beschleunigen.
Gesellschaftlicher Wandel und seine Auswirkungen auf die Bauwirtschaft
Der Umbau der Industriegesellschaft und der Wandel der Energieversorgung zur Erreichung der Klimaziele erfordern umfangreiche Baumaßnahmen und Erdarbeiten. Der Ausstieg aus der Atomkraft und Kohleenergie wird Abbruchunternehmen über Jahre beschäftigen, während die Renaturierung und der Rückbau von Tagebaustätten die Erdbewegungsflotten vieler Bauunternehmen auslasten werden. Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft werden Fabriken zur Herstellung und Wiederaufbereitung von Reifen, Batterien, Baustoffen, Kunststoffen und Nahrungsmitteln benötigt.
Zudem sind neue Industrieanlagen für die Herstellung, Speicherung, den Transport und die Verteilung von Energie, Fernwärme, Wasserstoff, Methanol und Ammoniak erforderlich. Der zunehmende Online-Handel erfordert Logistik- und Distributionszentren von großem Ausmaß. Die Belieferung von Endkunden und der wachsende öffentliche Nahverkehr bedingen den Aufbau einer umfassenden Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Wasserstofftankstellen für Brennstoffzellen-Antriebe.
Gleichzeitig werden sich die Innenstädte von Einkaufs- und Berufsstädten zu Wohn-, Arbeits- und Erlebnisstädten mit autonomen Quartieren und vollständiger Versorgungs- und Entsorgungstechnik wandeln, inklusive solarbestückter Dächer und Fassaden. Diese Veränderungen, die in den nächsten 25 Jahren umgesetzt werden müssen, werden die Bauindustrie und ihre Zulieferer in den kommenden zehn Jahren bis an ihre Leistungsgrenze auslasten. Dies erfordert erhebliche Mengen an Baustoffen und Baumaschinen. Hersteller, Lieferanten und Vermieter von Baugeräten, Gerüsten und mobilen Aufbereitungsanlagen für Baustoffe stehen somit vor einer Wachstumsperiode.