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Stickstoffüberschuss: Eine Herausforderung für natürliche Lebensräume

Überdüngung durch Stickstoff bedroht natürliche Lebensräume in der EU. Die Landwirtschaft ist Hauptverursacher. Die Europäische Kommission fordert eine Reduzierung der Stickstoffeinträge, um die Umwelt zu schützen und die biologische Vielfalt zu erhalten.

Die weitreichenden Auswirkungen von Stickstoff auf die Umwelt

Stickstoff (N) ist ein essenzieller Nährstoff für alle Lebewesen. Jedoch können reaktive Stickstoffverbindungen in hohen Konzentrationen die Umwelt schädigen. Sie gefährden die biologische Vielfalt in Wäldern und Heidelandschaften, da Pflanzenarten, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind, verdrängt werden.

Eine übermäßige Gülleausbringung führt vielerorts zu erhöhten Nitratkonzentrationen (NO3-) im Grundwasser, die über den Grenzwerten liegen. Auch die Meeresumwelt leidet unter einer starken Überdüngung durch hohe Stickstoffgaben aus der Landwirtschaft. Stickstoffdioxid (NO2) aus Verkehrsabgasen beeinträchtigt die menschliche Gesundheit, während Lachgasemissionen (N2O) von überdüngten Feldern den Klimawandel verstärken.

Zunehmende Belastung und dringender Handlungsbedarf

In Europa gelangen heute viermal mehr reaktive Stickstoffverbindungen über die Luft in die Umwelt als noch vor 100 Jahren. In Deutschland sind dies jährlich etwa 4,2 Millionen Tonnen, was 50 Kilogramm pro Person entspricht. Laut EU-Angaben sind 61 Prozent der natürlichen Lebensräume in Europa durch zu viel Stickstoff belastet.

Eine Analyse des UBA zeigt, dass die Stickstoffbelastung deutlich gesenkt werden kann. Da rund zwei Drittel der Stickstoffemissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft stammen, sind dort primäre Ansatzpunkte zur Reduzierung zu finden.

Zentral für niedrigere Stickstoffemissionen ist die Novellierung der Düngeverordnung. Hier muss vor allem geregelt werden, dass Mineraldünger effizienter eingesetzt und Gülle schneller in den Boden eingearbeitet wird. Ob die Maßnahmen ausreichen, in ganz Deutschland den guten Umweltzustand zu erreichen, hängt auch von der Kontrolle der Anforderungen ab.

Effektive Maßnahmen zur Reduzierung von Stickstoffemissionen

Erfolgversprechende Maßnahmen umfassen den Einsatz von Schlepp- oder Schlitzschläuchen, die eine emissionsärmere Gülleausbringung ermöglichen und Ammoniakemissionen in die Luft reduzieren. Zusätzlich sind größere Abstände zwischen Gewässern und landwirtschaftlich genutzten Flächen wichtig, um den direkten Eintrag von Düngern in Oberflächengewässer zu minimieren.

Das Umweltbundesamt empfiehlt, beim Düngen – sowohl mit Gülle als auch mit Mineraldünger – bedarfsgerecht vorzugehen, den Dünger schnell einzuarbeiten und ausreichenden Abstand zu Flüssen und Seen einzuhalten. Dies reduziert den Anteil schädlicher Stickstoffverbindungen in der Umwelt, wie Nitrat im Grundwasser und Ammoniak in der Luft. Insbesondere bei Hanglagen ist sicherzustellen, dass nicht zu viel Stickstoff abgeschwemmt wird.

Die Lagerkapazitäten für Gülle sollten erhöht werden, um die Ausbringung besser an den Bedarf der Pflanzen anpassen zu können. Auch die Tierhaltung muss emissionsärmer gestaltet werden, indem weniger Ammoniak aus den Ställen entweicht.

Die Abluftreinigung aller großen Schweine- und Geflügelmastanlagen muss Standard werden. Technisch ist das ohne Weiteres möglich.

Ein erheblicher Teil der Stickstoffeinträge erfolgt über die Luft. Daher ist es entscheidend, die Emissionsmengen für Ammoniak und Stickstoffoxide bis 2030 weiter zu reduzieren. Dies ist auch im Programm „Saubere Luft für Europa“ vorgesehen, das die EU-Kommission 2013 vorgestellt hat und nun modifiziert werden soll.

Es wäre ein falsches Signal, das Programm „Saubere Luft für Europa“ aufzuweichen. Die gemeinsamen Anstrengungen, den Eintrag von reaktivem Stickstoff in die Umwelt zu mindern, dürfen nicht zum Erliegen kommen.

09.01.2015

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