Dünger und Substrate

Nachhaltigkeitszertifizierung für Torfersatzstoffe: HORTICERT vor dem Start

Das neue Zertifizierungssystem HORTICERT, entwickelt im Rahmen der Torfminderungsstrategie des BMEL, steht kurz vor dem Start. Es überprüft ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitsaspekte von Torfersatzstoffen und ermöglicht die Berechnung von Treibhausgasemissionen sowie die Rückverfolgung von Lieferketten.

HORTICERT: Ein umfassendes System für nachhaltige Torfersatzstoffe

Im Rahmen der Torfminderungsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurde das Zertifizierungssystem HORTICERT entwickelt. Es dient der Überprüfung ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeitsaspekte von Torfersatzstoffen, die in Gartenbausubstraten und Blumenerden eingesetzt werden. Das System ist auf nationaler und internationaler Ebene anwendbar.

HORTICERT ermöglicht zudem die Berechnung von Treibhausgasemissionen und die Rückverfolgung von Lieferketten. Zunächst werden die mengenmäßig relevantesten Torfersatzstoffe wie Grüngutkompost, Holzfasern, Rindenhumus und Kokosprodukte berücksichtigt.

Die Meo Carbon Solutions GmbH (MCS) koordinierte die Entwicklung von HORTICERT im Auftrag des BMEL. Über 40 Projektpartner waren im Rahmen eines Stakeholder-Dialogs an der Ausarbeitung des Systems beteiligt, das nun kurz vor der Praxisreife steht. Die ersten regulären Zertifizierungen sind für dieses Jahr geplant.

Das System deckt alle Schritte der Lieferkette ab, von der Rohstoffgewinnung über die Weiterverarbeitung bis zur finalen Produktion von Blumenerden und Kultursubstraten. MCS besuchte im Rahmen von Pilottests über 20 Produktionsstätten in Indien, Sri Lanka, Deutschland und Belgien, um die Lieferketten zu analysieren und das Zertifizierungskonzept zu optimieren.

Risikobasierte Überprüfung der Nachhaltigkeit

Analysen zeigten, dass je nach Torfersatzstoff und Bezugsregion unterschiedliche Risikolevels bestehen. In Regionen mit hohen gesetzlichen Standards und verbreiteten Zertifizierungen, wie beispielsweise für Grüngutkompost und holzbasierte Produkte aus Deutschland und Belgien, ist eine reduzierte Überprüfung der Nachhaltigkeitsanforderungen ausreichend.

Bei kokosbasierten Produkten, etwa aus Indien und Sri Lanka, bestehen hingegen höhere soziale und ökologische Nachhaltigkeitsrisiken, was eine intensivere Überprüfung erfordert. Im künftigen Regelbetrieb wird der Umfang der Prüfung für die jeweiligen Torfersatzstoffe und Herkünfte vorab anhand einer Risikoanalyse ermittelt. Die Nachhaltigkeitsüberprüfungen, sogenannte Audits, werden von unabhängigen Zertifizierungsstellen nach den Systemregeln durchgeführt.

Ein von MCS entwickelter Leitfaden enthält eine Audit-Checkliste und Systemdokumente.

Treibhausgasemissionen und Transportwege

Die Berechnung der Treibhausgas (THG)-Emissionen verschiedener Torfersatzstoffe sowie fertiger Blumenerden und Substrate erfolgte anhand von Produktionsdaten der Pilotpartner. Die Ergebnisse bestätigten, dass Torfersatzstoffe und torffreie Erden im Vergleich zu torfbasierten Produkten deutlich geringere Emissionen aufweisen.

Es zeigte sich, dass die Emissionen von kokosbasierten Produkten in der öffentlichen Wahrnehmung aufgrund der langen Transportwege oft überschätzt werden. Obwohl die Transportemissionen relevant sind, fallen sie geringer aus als allgemein angenommen.

Reduktion des Zertifizierungsaufwands

Mit HORTI-TRACE entwickelte MCS ein digitales System zur Rückverfolgung von Lieferketten. Dieses System soll künftig Nachhaltigkeitsdaten der Produkte entlang internationaler Lieferketten digital übermitteln. Dies reduziert den Aufwand für Unternehmen und Zertifizierungsstellen bei der Auditdurchführung und Dokumentation, während gleichzeitig eine hohe Datensicherheit gewährleistet wird.

Zudem wurden Überschneidungen mit bestehenden Zertifizierungssystemen wie PEFC, FSC und SA8000 (Einhaltung von Menschenrechten) analysiert, um deren Anerkennung unter HORTICERT zu ermöglichen. Dies soll den Zertifizierungsaufwand für bereits anderweitig zertifizierte Unternehmen verringern. HORTICERT kann außerdem zur Erfüllung der Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes und der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten beitragen.

Überführung in den Regelbetrieb

Die vom BMEL bis 2025 unterstützte Phase der Überführung in den Regelbetrieb läuft derzeit. Die ersten offiziellen Zertifizierungen sind für 2024 geplant. HORTICERT steht hierzu bereits im Austausch mit interessierten Unternehmen. Parallel werden Anforderungen für weitere Torfersatzstoffe definiert und zusätzliche Stakeholder integriert.

Nach Projektende im Jahr 2025 soll HORTICERT als Zertifizierungssystem wirtschaftlich eigenständig und international anwendbar sein.

26.02.2024

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