Wiedereröffnung und historische Neugestaltung der Schaubeete
Der Botanische Garten Karlsruhe war von März bis Mai geschlossen. Mittlerweile sind die historischen Glashäuser wieder zugänglich und das Freigelände tagsüber geöffnet.
Es ist inzwischen fast überall gelungen, die Monumente wieder unter exakter Beachtung der Corona-Regeln zu öffnen. Und am regen Zuspruch unserer Gäste merken wir, wie sehr vielen Menschen der Besuch an einem Ort wie dem Botanischen Garten gefehlt hat.
Dies erklärte Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Das Team des Botanischen Gartens nutzte die Schließungszeit, um die Fläche vor den Glashäusern neu zu bepflanzen, wobei man sich an Gartenplänen des 19. Jahrhunderts orientierte.
Medizinalpflanzen-Sammlung und Artenvielfalt des Thymians
Ein Karlsruher Gartenführer aus dem Jahr 1888 erwähnt eine umfangreiche Medizinalpflanzen-Sammlung, in der Thymian als eine der Gattungen aufgeführt ist. Auf den neuen Schaubeeten vor den Gewächshäusern gedeihen nun wieder zwölf Thymianarten.
Thomas Huber, der Leiter des Botanischen Gartens, griff bei der Auswahl auf das Pflanzeninventar von 1825 zurück, das insgesamt 19 verschiedene Thymianarten listet.
Für die Umgestaltung der Flächen vor den Schaugewächshäusern haben wir versucht, die baulichen Gegebenheiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufzugreifen und in den neu entstandenen Schaubeeten die Arten des frühen 19. Jahrhunderts zu pflanzen.
So Thomas Huber.
Eigenschaften der Heil- und Gewürzpflanze Thymian
Thymian ist seit dem Mittelalter als Heilpflanze bekannt und findet auch heute noch Anwendung in der Naturheilkunde.
Wobei nicht alle Arten tatsächlich als Heilpflanzen genutzt werden können.
Ergänzt Thomas Huber. Der herb-würzige Geschmack des Thymians verleiht insbesondere mediterranen Gerichten ihr Aroma. Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler. Die Wuchsformen variieren von flach und rasenbildend bis straff aufrecht.
Die Pflanze bevorzugt trockene, sonnige Standorte und gedeiht am besten in nährstoffarmem, sandigem Boden. In der Pflege ist Thymian anspruchslos und benötigt nach dem Anwachsen nur gelegentliche Wassergaben. Für den Hausgarten empfiehlt Thomas Huber die hochwachsenden Arten, da sie sich gut für Sträuße eignen und getrocknet als Gewürz verwendet werden können.
Anziehungspunkt für Insekten und Besucher im Botanischen Garten
Während der Blütezeit ist Thymian ein Anziehungspunkt für Insekten wie Wildbienen und Hummeln.
Aber auch unsere Besucherinnen und Besucher im Garten freuen sich an den duftenden Pflanzen. Wir beobachten, wie sie mit den Händen an die Blätter fassen und den Geruch genießen.
Berichtet Thomas Huber. Minze, Wermut und Schafgarbe ergänzen den würzigen Thymian-Duft und tragen zum sommerlichen Dufterlebnis im Botanischen Garten bei.
Historische Anlage des Botanischen Gartens Karlsruhe
Die Glashäuser des Botanischen Gartens, vor deren Halbrund sich eine große Wiese erstreckt, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden ursprünglich von Architekt Heinrich Hübsch entworfen, der auch das Gebäude der Kunsthalle plante. Die historischen Gewächshäuser aus Metall und Glas wurden aufwendig saniert und 2018 wiedereröffnet. Seitdem orientieren sich Gestaltung und Pflanzenauswahl an den historischen Vorlagen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Traditionelle Heilpflanze Thymian und ihre Anwendungen
Thymian ist seit dem Mittelalter als Heilpflanze bekannt. Er wirkt krampf- und schleimlösend. Als Tee oder in Kombination mit Salbei zum Gurgeln wird er bei Erkältungsbeschwerden eingesetzt. Das ätherische Öl Thymol, das für den typischen Geschmack des Echten Thymians verantwortlich ist, besitzt antibakterielle und desinfizierende Eigenschaften.
Bereits die Ägypter kannten diese Wirkung, wie Spuren von Thymian in Mumienbalsam belegen. Die alten Römer streuten Thymian in ihre Getreidevorräte, um Fäulnis zu verhindern. Im antiken Griechenland wurde die Pflanze als Grabbeigabe oder als Rauchopfer für Götter verwendet. Darauf verweist das griechische Wort "thymiama", was "Räucherwerk" bedeutet.

