Praxisversuch auf wiedervernässten Moorflächen
Ein Forschungsprojekt der Universität Greifswald zeigt neue Wege für die nachhaltige Rohstoffgewinnung im Gartenbau. Gemeinsam mit Praxispartnern wurde der Anbau von Torfmoosen (Sphagnum) auf wiedervernässten Hochmoorflächen erfolgreich erprobt.
Auf einer rund vier Hektar großen Versuchsfläche im niedersächsischen Hankhauser Moor konnte eine stabile Torfmooskultur etabliert werden. Die Methode basiert auf der sogenannten Paludikultur – der Nutzung nasser Moorstandorte ohne Entwässerung.
Hohe Erträge und frühe Nutzungsperspektiven
Die Ergebnisse zeigen ein starkes Wachstum der Torfmoose, das sogar über dem natürlicher Bestände liegt. Voraussetzung ist ein dauerhaft hoher Wasserstand, der optimale Bedingungen für die Entwicklung schafft.
Bereits nach etwa drei Jahren ist eine erste Ernte möglich. Ein maschinelles Verfahren wurde im Projekt bereits im kleinen Maßstab getestet, eine großflächige Umsetzung soll folgen.
Herausforderungen im Anbau
Während Konkurrenzpflanzen durch regelmäßige Mahd kontrolliert werden konnten, stellen Pilzbefall und andere biologische Einflüsse weiterhin Herausforderungen dar. Hier besteht noch weiterer Forschungsbedarf.
Die Pflegeintensität bleibt dennoch überschaubar, insbesondere im Vergleich zu konventionell genutzten Moorflächen.
Klimaschutz und Ressourcenschonung
Die Nutzung von Torfmoosen aus Paludikultur bietet erhebliche ökologische Vorteile. Im Vergleich zur herkömmlichen Grünlandnutzung entstehen deutlich weniger Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig kann der Abbau von Torf reduziert werden, der als klimaschädlich gilt.
Darüber hinaus übernehmen die Flächen wichtige Funktionen für den Naturhaushalt, etwa durch die Filterung von Nährstoffen im Wasser und die Schaffung von Lebensräumen für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
Potenzial für den Gartenbau
Torfmoose aus Paludikultur eignen sich als Ausgangsstoff für Pflanzsubstrate und könnten langfristig eine nachhaltige Alternative zu torfhaltigen Produkten darstellen. Damit eröffnet sich für den Gartenbau eine neue Rohstoffbasis, die ökologische Anforderungen mit praktischer Nutzbarkeit verbindet.
Die wirtschaftliche Bewertung steht noch aus, doch die bisherigen Ergebnisse zeigen bereits ein hohes Potenzial für eine klimafreundliche und zukunftsfähige Nutzung von Moorstandorten.
