Pflanzen und Pflanzenteile

Torfreduzierter Anbau von Topfkräutern - Pflanzenschäden auf die Spur kommen

13.09.2021

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und das Julius-Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen - suchen nach den Ursachen und Lösungen für regelmäßig auftretende Pflanzenschäden beim Anbau von Topfkräutern in organisch gedüngten, torfreduzierten Substraten.

Unterstützung für den Umstieg auf torfreduzierte Substrate

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, Praxisbetriebe beim Umstieg auf eine stark torfreduzierte Produktion zu unterstützen. Der Erwerbsgartenbau soll den Torfeinsatz innerhalb eines Jahrzehnts so weit wie möglich verringern – so sieht es das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung vor. Dabei setzt der Bund auf Freiwilligkeit und eine enge fachliche Begleitung der Unternehmen.

Das Vorhaben „Identifikation der Ursache von Pflanzenschäden im biologischen Anbau von Topfkräutern sowie Erarbeitung von wirksamen Vermeidungsstrategien und Gegenmaßnahmen“ wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert. Als Industriepartner stellt Klasmann-Deilmann Versuchssubstrate zur Verfügung und unterstützt das Konsortium bei der Entwicklung geeigneter Vermeidungsstrategien.

Hintergrund: Pflanzenschäden in torfreduzierten Substraten

In den vergangenen Jahren beobachteten Gärtnereien, die Topfkräuter in torfreduzierten Substraten mit organischen Düngern kultivieren, vermehrt Schadsymptome. Dazu zählen unter anderem Keimhemmungen sowie chlorotische und nekrotische Veränderungen an den Pflanzen. Die genauen Ursachen dieser Schäden sind bislang nicht abschließend geklärt.

Als mögliche Auslöser werden toxisch wirkende Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen vermutet. In Frage kommen Vertreter verschiedener Bakterien- und Pilzgattungen wie Streptomyces, Alternaria oder Aspergillus, die beim Abbau organischer Substanzen eine wichtige Rolle spielen und unter anderem antibiotisch, herbizid oder insektizid wirkende Verbindungen bilden können. Für diese These spricht, dass die Schäden bei manchen Substraten ausschließlich in Kombination mit organischen Düngern auftreten.

Versuchsdesign und Analysen

In dem Anfang Oktober gestarteten Projekt grenzen die Projektpartner die möglichen Ursachen der Pflanzenschäden systematisch ein. Dazu werden Keimpflanzentests mit praxisüblichen Fertigsubstraten sowie mit Eigenmischungen durchgeführt, deren Zusammensetzung hinsichtlich Torfersatzstoffen und organischen Düngemitteln gezielt variiert wird.

Zusätzlich fließen Substrate aus dokumentierten Schadensfällen in Topfkräuterbetrieben sowie auffällige Substrate aus der RAL-Gütesicherung in die Untersuchungen ein. In einem zweiten Schritt werden in jeweils ähnlich zusammengesetzten Substraten mit und ohne Schadwirkung die vorkommenden Mikroorganismen sowie deren Stoffwechselprodukte analysiert. Parallel dazu erfolgen Untersuchungen zur Kohlenstoffqualität der Substrate.

Vorbeugung, Gegenmaßnahmen und Qualitätssicherung

Nach der Identifikation und Validierung der Schadursachen sollen vorbeugende Maßnahmen für Herstellung, Transport, Lagerung und Verwendung torfreduzierter und organisch gedüngter Topfkräutersubstrate entwickelt werden. Darüber hinaus werden auch Gegenmaßnahmen für Betriebe erarbeitet, die ein potenziell risikobehaftetes Substrat kurzfristig nicht austauschen können.

Hier setzen die Projektpartner insbesondere auf den Einsatz von Antagonisten, also Mikroorganismen, die hemmend auf die Schadverursacher wirken. Abschließend ist geplant, Methoden und Richtwerte zur Untersuchung von Substraten auf ihr phytotoxisches Potenzial im Rahmen der RAL-Gütesicherung zu erarbeiten.

Ziel: Sichere torfreduzierte Substrate mit RAL-Gütezeichen

RAL-gütegesicherte Substrate sind freiwillig qualitätsgeprüfte Produkte, die definierte biologische, chemische und physikalische Kenngrößen einhalten. Das Projekt von HSWT und JKI soll dazu beitragen, künftig torffreie und torfreduzierte Topfkräutersubstrate mit RAL-Gütezeichen anbieten zu können, bei denen die bislang regelmäßig auftretenden Pflanzenschäden vermieden werden.

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