Pflanzen und Pflanzenteile

Treibhausgasemissionen im Rapsanbau: Realistische Bewertung und Minderung

Ein Forschungsprojekt des Thünen-Instituts hat die Treibhausgasemissionen im Rapsanbau untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass der Lachgasemissionsfaktor für die THG-Bilanzierung in Deutschland zu hoch angesetzt ist. Eine realistische Bewertung ist für Klimaschutzvereinbarungen entscheidend.

Überprüfung der THG-Bilanzierung im Rapsanbau

Ein Forschungsprojekt unter der Koordination des Thünen-Instituts (TI) für Agrarklimaschutz hat sich mit den Treibhausgas(THG)-Emissionen im Rapsanbau befasst. Ziel war es, die Bewertung dieser Emissionen im Rahmen von Klimaschutzvereinbarungen für Deutschland zu überprüfen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Lachgasemissionsfaktor für die THG-Bilanzierung von Raps in Deutschland zu hoch angesetzt ist.

Raps stellt in Deutschland die wichtigste Energiepflanze für Biokraftstoffe dar. Die höchsten THG-Emissionen im Rapsanbau entstehen hauptsächlich durch Feldemissionen von Lachgas und die Produktion von synthetischem N-Dünger. Um die Vorgaben der EU-Richtlinie 2015/1513 zu erfüllen, die seit dem 1. Januar 2018 eine THG-Einsparung von mindestens 60 Prozent (Altanlagen 50 Prozent) gegenüber fossilen Kraftstoffen vorschreibt, müssen diese Bereiche optimiert werden. Biokraftstoffhersteller können für die THG-Bilanz entweder Standardwerte der EU-Richtlinie oder regionalisierte Inputwerte für Betriebsmittel wie Dünger und Kraftstoff nutzen.

Die Untersuchungen des TI-Projektverbundes zeigen, dass die bisherigen Werte für Deutschland nicht realistisch sind. Die angenommene Düngermenge sei zu gering, während der Lachgasemissionsfaktor insgesamt zu hoch angesetzt werde. Statt der angenommenen 34 kg N/t Raps seien 50 bis 56 kg N/t Raps praxisüblich. Der Faktor für N2O liege jedoch nicht bei 1,0, sondern bei 0,6 Prozent. Diese Schlussfolgerung basiert auf einer neuen, differenzierteren Methodik nach Stehfest/Bouwman (2006). Die Wissenschaftler empfehlen die Anwendung dieser Methode mit realistischen Werten, um eine korrekte THG-Bilanzierung von Raps-Biodiesel zu gewährleisten. Zudem wird vorgeschlagen, synthetische Dünger durch organische Alternativen wie Gärreste zu ersetzen, da diese bei minimierten Ammoniakausträgen die THG-Bilanz verbessern konnten.

Ein potenzielles Problem bei der Nutzung organischer Dünger könnte die Gefahr höherer Stickstoffüberschüsse sein. Parallel dazu ist es wichtig, Lachgasemissionen bei der Produktion synthetischer Dünger zu vermeiden, Energie einzusparen und erneuerbare Energien einzusetzen. Die Forscher konnten zudem zeigen, dass in Deutschland bei der Fruchtfolge Raps-Weizen im Vergleich zu Weizen-Weizen im Getreide durchschnittlich etwa 5 kg N/ha eingespart und ein Weizenmehrertrag von 5,6 dt/ha erzielt werden kann. Dieser Vorfruchteffekt sollte dem Raps zugerechnet werden. Eine ganzheitlichere Bewertung, die die gesamte Fruchtfolge berücksichtigt, wird als notwendig erachtet.

Die Forscher sehen weiterhin Entwicklungsbedarf sowohl bei den rechnerischen Ansätzen als auch bei der Reduzierung des Düngemitteleinsatzes in der Praxis. Eine Auszeichnung des zugekauften Düngers mit seinem spezifischen THG-Wert könnte hierbei hilfreich sein. Neue Ansätze bei Ausbringungstechniken und Fruchtfolgegestaltungen könnten die THG-Emissionen ebenfalls weiter senken. Der Einsatz von Biokraftstoffen bei Anbau und Ernte stellt eine weitere Option zur Verbesserung der THG-Bilanz der Rapserzeugung dar.

Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Zusätzlich erfolgte eine Unterstützung durch die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP).

07.02.2018

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