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Treibhausgasemissionen 2021: Deutlicher Anstieg nach Vorjahresrückgang

Nach einem signifikanten Rückgang im Vorjahr verzeichneten die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2021 wieder einen Anstieg von 4,5 Prozent. Der Energiesektor war maßgeblich für diese Zunahme verantwortlich, während die Sektoren Verkehr und Gebäude ihre Emissionsziele überschritten.

Ursachen des Anstiegs der Treibhausgasemissionen 2021

Der Emissionsanstieg im Jahr 2021 ist maßgeblich auf den Energiesektor zurückzuführen. Hier wurde ein Plus von 27 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten verzeichnet. Ursächlich hierfür waren eine gestiegene Stromnachfrage, eine geringere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie erhöhte Gaspreise, die zu einem verstärkten Einsatz von Kohle zur Stromerzeugung führten. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank insbesondere aufgrund ungünstiger Windverhältnisse um sieben Prozent.

Im Sektor Energiewirtschaft stiegen die Emissionen aus der Stein- und Braunkohlenverstromung besonders deutlich an. Der Einsatz von Erdgas, das emissionsärmer ist, nahm in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der stark gestiegenen Gaspreise ab. Die verringerte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 17,5 TWh und ein um 13,5 TWh gestiegener Bruttostromverbrauch waren wesentliche Gründe für den erhöhten Einsatz fossiler Energieträger.

Sektoren Verkehr und Gebäude überschreiten Emissionsziele

Die Sektoren Verkehr und Gebäude überschritten die im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen. Im Verkehr wurden 2021 rund 148 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen, was 1,2 Prozent über dem Wert von 2020 und rund 3 Millionen Tonnen über der zulässigen Menge von 145 Millionen Tonnen liegt. Ein Grund hierfür ist der Straßengüterverkehr, dessen Niveau wieder leicht über dem von 2019 lag. Der Pkw-Verkehr blieb hingegen unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Im Gebäudebereich kam es zwar zu einer Emissionsminderung von knapp 4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten (minus 3,3 Prozent) auf rund 115 Millionen Tonnen, dennoch überschreitet dieser Sektor die erlaubte Jahresemissionsmenge von 113 Millionen Tonnen. Die Reduzierung ist hauptsächlich auf deutlich verringerte Heizölkäufe zurückzuführen, da die Heizöllager bereits 2019 und 2020 aufgrund günstiger Preise und in Erwartung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes aufgestockt wurden. Der Erdgasverbrauch stieg witterungsbedingt an.

Weitere Sektoren: Industrie, Landwirtschaft und Abfall

Die Emissionen im Sektor Industrie stiegen gegenüber dem Vorjahr um gut 9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente (plus 5,5 Prozent) auf rund 181 Millionen Tonnen. Dies lag knapp unter der im Bundes-Klimaschutzgesetz festgeschriebenen Jahresemissionsmenge von 182 Millionen Tonnen. Aufholende Konjunktureffekte nach der Corona-Krise und ein vermehrter Einsatz fossiler Brennstoffe spielten hier eine Rolle. Die Stahlindustrie verzeichnete mit einem Anstieg der Rohstahlerzeugung um rund 12 Prozent die deutlichste prozentuale Steigerung.

Im Sektor Landwirtschaft gingen die Treibhausgasemissionen um gut 1,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente (minus 2,0 Prozent) auf 61 Millionen Tonnen zurück. Damit blieb der Sektor deutlich unter der für 2021 festgelegten Jahresemissionsmenge von 68 Millionen Tonnen. Der Rückgang der Tierzahlen, insbesondere bei Rindern und Schweinen, führte zu weniger Gülle und somit zu geringeren Emissionen. Methodische Verbesserungen in der Emissionsberechnung trugen ebenfalls zur Unterschreitung der Ziele bei.

Die Emissionen des Abfallsektors sanken gegenüber dem Vorjahr um rund 4,3 Prozent auf gut 8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Damit blieb der Abfallsektor erneut unter der im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 9 Millionen Tonnen. Dieser Trend wird maßgeblich durch sinkende Emissionen aus der Abfalldeponierung infolge des Verbots der Deponierung organischer Abfälle bestimmt.

Politische Reaktionen und Ausblick

„Der Anstieg der Treibhausgasemissionen hat sich leider abgezeichnet. Dem wird die Bundesregierung jetzt mit einem Klimaschutz-Sofortprogramm zügig entgegenwirken. A & O ist ein wesentlich höheres Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern“, so Klima-Staatssekretär Patrick Graichen.

Er betonte die Notwendigkeit, jeden Stolperstein auf dem Weg zu mehr Wind- und Sonnenkraft zügig aus dem Weg zu räumen und die schnellere Abkehr von fossilen Energien in allen Bereichen umzusetzen, während die soziale Balance gewahrt bleiben müsse. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe zudem die enge Verbindung von Sicherheit und Energieversorgung verdeutlicht.

UBA-Präsident Dirk Messner ergänzte: „Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 2020 ist fast zur Hälfte schon wieder verloren. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass die Ziele der Bundesregierung schnellstens angegangen werden müssen. Wir müssen schnell mehr Sonnen- und Windenergieanlagen bauen. Unsere Gebäude müssen wir auf Wärmepumpen umstellen und so schnell wie möglich aufhören Öl- und Gasheizungen einzubauen.“

Messner hob hervor, dass Deutschland nun eine gemeinsame Energieanstrengung benötige, um jährlich sechs Prozent Emissionen zu mindern und sich von russischer Energie unabhängig zu machen. Er verwies auch auf individuelle Möglichkeiten wie weniger Heizen, häufigeres Stehenlassen des Autos oder langsameres Fahren.

Verfahren nach Bundes-Klimaschutzgesetz

Die vorliegenden Emissionsdaten für 2021 werden nun vom Expertenrat für Klimafragen geprüft, der innerhalb eines Monats eine Bewertung vorlegen wird. Anschließend haben die zuständigen Ministerien drei Monate Zeit, ein Sofortprogramm mit Maßnahmen für den Gebäude- und Verkehrssektor vorzulegen, um diese auf den vorgesehenen Zielpfad zu bringen. Die Bundesregierung arbeitet bereits an einem solchen Klimaschutz-Sofortprogramm.

Entwicklung der erneuerbaren Energien

Im Jahr 2020 wurde das EU-Ziel von 18 Prozent Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch mit 19,3 Prozent übertroffen. 2021 stieg der Bruttoendenergieverbrauch aus erneuerbaren Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr leicht auf 483 Milliarden kWh an, was einem Anteil von 19,7 Prozent entsprach. Dies war insbesondere auf eine erhöhte Nutzung erneuerbarer Energien für Wärme und Kälte aufgrund des kalten Winters zurückzuführen.

Der Anteil erneuerbarer Wärme stieg deutlich von 15,3 auf 16,5 Prozent. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ging jedoch aufgrund eines vergleichsweise schlechten Windjahres um sieben Prozent zurück. Der erneuerbare Anteil am Bruttostromverbrauch sank entsprechend von 45,2 Prozent im Jahr 2020 auf 41,1 Prozent. Im Verkehrssektor sank der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch von 7,6 Prozent im Vorjahr auf 6,8 Prozent im Jahr 2021.

Datenqualität und Veröffentlichung

Die vorliegenden Emissionsdaten für 2021 stellen die gegenwärtig bestmögliche Berechnung dar, sind jedoch aufgrund begrenzt vorliegender statistischer Berechnungsgrundlagen mit Unsicherheiten verbunden. Die Berechnungen basieren auf Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der detaillierten Inventare der Treibhausgasemissionen des Jahres 2020. Die vollständigen, offiziellen und detaillierten Inventardaten für 2021 wird das UBA im Januar 2023 mit der Übermittlung an die Europäische Kommission veröffentlichen.

15.03.2022

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