Naturschutz

Natürliche Grasländer: Lebensgrundlage, Klimastabilisator und Artenreservoir

Natürliche Grasländer sind essenziell für Millionen Menschen, stabilisieren das Klima und beherbergen Artenvielfalt. Doch landwirtschaftliche Ausweitung, Urbanisierung und Klimawandel bedrohen diese Ökosysteme. Ein Kolloquium beleuchtete Herausforderungen und Chancen für ihre nachhaltige Nutzung.

Bedeutung und Bedrohung natürlicher Grasländer

Natürliche Grasländer stellen das größte multifunktionale terrestrische Ökosystem dar und sind die Lebensgrundlage für Millionen von Menschen. Sie dienen als Nahrungsquelle für Vieh und Wildtiere, stabilisieren das Klima und beherbergen eine hohe Artenvielfalt. Diese Ökosysteme sind jedoch durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, die Urbanisierung und den Klimawandel bedroht.

Ein Kolloquium an der Universität Hohenheim beleuchtete anlässlich des Welternährungstages die Herausforderungen und Chancen für die nachhaltige Nutzung natürlicher Grasländer. Diese bedecken rund 20 Prozent der Erdoberfläche und umfassen Landschaften wie Campos, Savannen und Prärien. Neben ihrer Funktion als Lebensgrundlage binden sie Kohlendioxid und tragen zur Klimastabilisierung bei.

„Mit all diesen Funktionen kommt dem Ökosystem Grasland in vielerlei Hinsicht eine hohe Bedeutung zu“, meint Prof. Dr. Folkard Asch, Agrar-Experte im Bereich Tropen und Subtropen an der Universität Hohenheim. „Die großen Herden wild lebender Tiere etwa sind hier zuhause. Und es bietet einen reichen Fundus an Wildpflanzen, auch für medizinische Anwendungen.“

Der zunehmende Bevölkerungsdruck und die steigende Nachfrage nach Nahrung und Energie gefährden die Graslandsysteme. Renommierte Experten diskutierten die aktuelle Situation und suchten nach interdisziplinären Ansätzen, um zukünftige Fragen zu adressieren.

Tierproduktion ohne Nahrungskonkurrenz

Permanente Grasländer sind dauerhaft mit Grasflächen bewachsen und dienen Weidetieren wie Schafen, Rindern, Ziegen oder Kamelen als Nahrungsquelle.

„Tierproduktion ist immer dann zur Ernährungssicherung sinnvoll, wenn die Tiere das fressen, was wir Menschen nicht essen können“, erklärt Prof. Dr. Asch.

Die Tiere nutzen die Nettoprimärproduktion der Flächen und wandeln Sonnenenergie in Protein um, was eine nachhaltige Nutzung darstellt.

Bedrohung durch Agrarflächen und Urbanisierung

Die Wanderpfade von Tierherden werden zunehmend eingeschränkt, da sich Agrarflächen und Städte ausdehnen. Dies kann zu einer Verbuschung des Landes führen. Die Umwandlung von Grasland in Ackerland setzt erhebliche Mengen klimarelevanter Spurengase frei.

„Bei Grasland in den Tropen sind rund 20 bis 30 Prozent der Biomasse unterirdisch fixiert. Diese Kohlenstoffspeicher gehen bei einer Umnutzung verloren“, so der Experte.

Im Ackerbau in den Tropen besteht bei Brachflächen die Gefahr von Wind- und Wassererosion, was die Nachhaltigkeit im Vergleich zur Weidenutzung beeinträchtigt. Ein Verlust der Grasländer hätte negative Auswirkungen auf das Klima, die Biodiversität und die sozialen Strukturen der dort lebenden Menschen. Zum Schutz der Lebensgrundlagen vieler Menschen ist der Erhalt der Grasländer von Bedeutung.

Hintergrund: World Food Day Colloquium des Food Security Centers (FSC)

Das Food Security Center (FSC) der Universität Hohenheim ist ein Exzellenzzentrum, das sich der globalen Ernährungssicherung in Forschung und Lehre widmet. Das jährliche englischsprachige Kolloquium zum UN-Welternährungstag dient dem internationalen wissenschaftlichen Diskurs zu aktuellen Fragen der Ernährungssicherung.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde der Justus von Liebig-Preis für Welternährung an das Forscherehepaar Drs. Weltzien-Rattunde verliehen. Klaus von Grebmer vom International Food Policy Research Center (IFPRI) präsentierte den Global Hunger Index. Florian Leiber vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) setzte sich kritisch mit der landwirtschaftlichen Nutzung traditioneller Graslandsysteme auseinander. Mathias Mogge von der Deutschen Welthungerhilfe stellte die Perspektive einer Nichtregierungsorganisation dar, während Daoud Abkula vom International Institute for Environment and Development als lokaler Experte aus Kenia referierte. Doktoranden der Universität Hohenheim und des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung stellten ihre Forschungsarbeiten vor.

Hintergrund: Der Welternährungstag (World Food Day)

Der Welternährungstag wird seit 1979 jährlich am 16. Oktober begangen. Er erinnert an die Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am 16. Oktober 1945 in Quebec, Kanada. Die FAO ist die größte Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Rom.

16.10.2015

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