Pflanzen und Pflanzenteile

Baumwolle im Botanischen Garten Karlsruhe: Eine historische Nutzpflanze neu entdeckt

Im Kalthaus des Botanischen Gartens Karlsruhe blüht derzeit die Baumwolle. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg stellen die Pflanze im November als botanisches Highlight vor. Diese Präsentation knüpft an das historische Konzept des Gartens an, das auch einen pädagogischen Auftrag umfasste.

Die Baumwolle im Botanischen Garten Karlsruhe

Im Kalthaus des Botanischen Gartens Karlsruhe blüht derzeit die Baumwolle. Die Pflanze, deren Produkte im Alltag vielfältig genutzt werden, zeigt sich mit weißen und blassrosa Blüten sowie dunkelgrünen Blättern. Bereits im Jahr 1825 wurde die Baumwolle in den Schauhäusern des Gartens kultiviert, wie ein damaliger Gartenführer belegt. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg stellen die Baumwolle im November als botanisches Highlight vor. Informationen dazu sind auf der Internetseite des Botanischen Gartens verfügbar.

Die Präsentation der Baumwolle knüpft an das historische Konzept des Botanischen Gartens an. Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, erklärt:

Der Botanische Garten Karlsruhe hatte im 19. Jahrhundert auch einen pädagogischen Auftrag und präsentierte den Bürgerinnen und Bürgern, wie exotische Früchte, Gewürze und Agrarprodukte wuchsen. Seit der Sanierung und Wiedereröffnung der Glashäuser des Botanischen Gartens haben wir das originale Konzept des 19. Jahrhunderts auch in der Bepflanzung wieder umgesetzt.

Dieser historische und didaktische Ansatz wird auch heute als relevant erachtet, da das Wachstum von Baumwolle, einem bedeutenden landwirtschaftlichen Produkt, vielen unbekannt ist.

Die Baumwolle als Faserpflanze

Die Bedeutung der Baumwolle liegt nicht in ihren Blüten, sondern in den weißen Samenfasern, die büschelweise an den Pflanzen hängen. Diese Fasern dienen der Verbreitung der Samen durch den Wind und sind die Grundlage für die Produktion von Baumwollgarn. Als Naturfaser zählt Baumwolle zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten weltweit. Ihre Kultivierung reicht Jahrtausende zurück und entwickelte sich wahrscheinlich unabhängig voneinander in Amerika, Asien und Afrika.

Obwohl der Name Baumwolle in Deutschland bereits im 12. Jahrhundert belegt ist, galten Stoffe aus dieser Pflanzenfaser in Europa bis in die Neuzeit als kostbares Importgut und waren vergleichbar selten und teuer wie Seide.

Drei Baumwollarten im Botanischen Garten

Die Kultivierung von Baumwolle im Botanischen Garten Karlsruhe hat eine lange Tradition. Der Gartenführer von 1825 listet bereits drei verschiedene Baumwollarten auf, die in den Gewächshäusern gezogen wurden. Baumwolle wird als einjährige Pflanze kultiviert. Thomas Huber, Leiter des Botanischen Gartens, erläutert den Anbau:

Man sät die Baumwolle im zeitigen Frühjahr aus – wir machen das im Glashaus, zuhause geht es auch auf dem Fensterbrett.

Die Blüten erscheinen im Spätsommer. Für die Kultivierung als Kübelpflanze ist ein vollsonniger Standort erforderlich, da die Pflanze aus südlichen Regionen stammt. Mit zunehmender Größe steigt auch der Wasserbedarf der Baumwollpflanze. Im Winter stirbt die Pflanze nach der Samenreife ab.

Historische Anlage des Botanischen Gartens

Die Glashäuser des Botanischen Gartens, die sich vor einer großen Wiese mit Blausternen erstrecken, wurden im 19. Jahrhundert nach Entwürfen des Architekten Heinrich Hübsch errichtet. Hübsch war auch für das Gebäude der Kunsthalle verantwortlich. Die historischen Gewächshäuser aus Metall und Glas wurden umfassend saniert und im letzten Jahr wiedereröffnet. Seitdem orientieren sich Gestaltung und Pflanzenauswahl an den historischen Vorlagen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

07.11.2019

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