Strategien für eine erfolgreiche Betriebsübergabe
Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft beleuchteten bei den GaLaBau Ausblicken 2020 des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) NRW, wie die Nachfolge, insbesondere in Familienunternehmen, erfolgreich gestaltet werden kann. Allein in Nordrhein-Westfalen werden jährlich rund 8.000 Familienunternehmen in neue Hände übergeben, wie das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) berichtet.
H. Christian Leonhards, Präsident des VGL NRW, betonte die Notwendigkeit einer frühzeitigen und sorgfältigen Planung der Betriebsübergabe. Er erklärte im Rahmen der Jahresauftaktveranstaltung auf der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) in Essen:
Die Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge sind groß: Es geht um die Familie, um Mitarbeiter, um Lieferanten und um Kunden. Deshalb ist es wichtig, die Betriebsübergabe professionell anzugehen und sich dafür Unterstützung zu holen.
Die GaLaBau Ausblicke standen unter dem Motto „Wege in die Zukunft: Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten“ und markierten den Startpunkt für das diesjährige Schwerpunktthema des VGL NRW. Über 150 Unternehmer, sowohl Senior als auch Junior, nahmen an der Veranstaltung teil, was die Aktualität des Themas im Garten- und Landschaftsbau unterstreicht.
Klare Worte zur richtigen Zeit
Die Übergabe eines Betriebs innerhalb der Familie, meist von den Eltern an die Kinder, stellt den häufigsten Fall der Unternehmensnachfolge dar. Dieses Szenario ist komplexer als Übergaben an Mitarbeiter oder Verkäufe an Dritte, da in Familien andere Dynamiken als in Unternehmen wirken.
Unternehmensberater Prof. Dr. Peter May wies in seinem Vortrag darauf hin, dass Familienunternehmen an Neid, Eifersucht und Missgunst scheitern können. Er betonte die Notwendigkeit, den Nachfolgeprozess als strategischen Prozess zu verstehen. Neben der Festlegung von Zielen seien eine ehrliche Bestandsaufnahme, die Identifizierung von Interessenkonflikten und „klare Worte zur richtigen Zeit“ von Bedeutung.
Univ.-Prof. Dr. Heiko Kleve vom Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) der Universität Witten/Herdecke bezeichnete die Familie als „größte Ressource und als größtes Risiko“ für eine gelingende Betriebsübergabe. Er hob hervor, dass Familienunternehmen permanent durch Widersprüche navigieren müssen. Gespräche über die Betriebsübernahme sollten nicht auf eine „Entweder-oder“-Lösung abzielen, sondern ein „Sowohl-als-auch“-Modell ermöglichen.
Die Unternehmerin und Politikerin Lencke Wischhusen forderte die ältere Generation auf, den Übergabeprozess aktiv zu gestalten und der neuen Generation Freiräume zur Entfaltung zu geben.
Brückenbau zwischen den Generationen
Einigkeit herrschte unter den Experten darüber, dass eine unabhängige professionelle Beratung maßgeblich zum Erfolg der Unternehmensübergabe beiträgt. Lencke Wischhusen formulierte es so:
Oft braucht es einfach einen Vermittler auf Augenhöhe, der Brücken zwischen den Generationen baut.
VGL NRW-Präsident H. Christian Leonhards verwies abschließend auf die vielfältigen Angebote des Verbands, darunter Erfahrungsaustausch-Gruppen, Workshops und Tagungen. Er appellierte an alle Unternehmen, die ihren Betrieb an die jüngere Generation weitergeben möchten:
Gehen Sie den Weg nicht allein – suchen Sie sich Unterstützung!

