Naturschutz

Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava vertiefen Zusammenarbeit

10.07.2014

Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. Ziel ist ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet mit stärkerem Artenschutz und weiterem Ausbau des sanften Tourismus.

Urwald vor der Haustür

Bayern und Tschechien wollen die Kooperation ihrer beiden Nationalparks weiter ausbauen. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung in Bayerisch Eisenstein durch den Bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber und den Tschechischen Umweltminister Richard Brabec beginnt ein neues Kapitel der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

"Die beiden Nationalparks in unmittelbarer Nachbarschaft sind herausragende Naturschätze. Wir wollen über die Grenzen hinaus einen großräumigen Urwald entstehen lassen. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die beiden Nationalparks zu einem europaweit bedeutenden Schutzgebiet zusammenwachsen."

Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 als erster Nationalpark Deutschlands gegründet. Mit der Einrichtung des Nationalparks Šumava im Jahr 1991 entstand in direkter Nachbarschaft ein zusammenhängendes Schutzgebiet von insgesamt 95.000 Hektar. Das entspricht der dreifachen Fläche Münchens und bildet eines der größten Waldnaturschutzgebiete sowie die größte nicht zerschnittene Waldfläche Mitteleuropas.

Gemeinsamer Fokus auf Artenschutz

Seit rund 25 Jahren arbeiten beide Nationalparkverwaltungen eng zusammen. Die neue Vereinbarung soll insbesondere den Artenschutz stärken. Grenzüberschreitende Populationen wie Luchs, Haselhuhn, Auerhuhn oder Habichtskauz profitieren von abgestimmten Maßnahmen in einem großräumigen Lebensraum.

"Nationalparke als höchste Naturschutzkategorie schützen die ungestörte Naturentwicklung in ursprünglichen Landschaften und sind damit auch ein bedeutender Beitrag zum Artenschutz. Gemeinsame Projekte können grenzüberschreitende Populationen wie beispielsweise Luchs, Haselhuhn, Auerhuhn oder Habichtskauz stärken. Auch im Bereich des sanften naturverträglichen Tourismus können noch ungenutzte Potentiale aktiviert werden", so Huber.

Sanfter Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Bereits heute bestehen erfolgreiche gemeinsame Projekte im Bereich des naturverträglichen Tourismus. Dazu zählen der grenzüberschreitende Themenweg „Wege durch Natur und Zeit“ sowie Kooperationen im öffentlichen Personennahverkehr. Die beiden Nationalparks gelten als einziger Urwald Europas, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

Perspektivisch sind weitere Angebote wie grenzüberschreitende Wildniswanderungen oder ein Netzwerk von Nationalpark-Partnerbetrieben denkbar. Für die Region ist der Nationalpark Bayerischer Wald ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 760.000 Besucher pro Jahr sorgen für eine Wertschöpfung von etwa 28 Millionen Euro. 46 Prozent der Gäste wählen die Region gezielt wegen des Nationalparks.

Bedeutung für Natur und Bildung

Unter dem Leitmotiv „Natur Natur sein lassen“ entwickeln sich auf rund 24.000 Hektar wertvolle Lebensräume mit etwa 2.500 Tierarten und 800 höheren Pflanzenarten. Neben dem Naturschutz spielt die Umweltbildung eine zentrale Rolle. Einrichtungen wie das Hans-Eisenmann-Haus, das Haus zur Wildnis, der Baumwipfelpfad oder das Tierfreigelände vermitteln Einblicke in die natürlichen Prozesse.

Der Anteil tschechischer Besucher in den Umweltbildungseinrichtungen liegt inzwischen bei rund 30 Prozent. Seit der Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald hat die Staatsregierung rund 245 Millionen Euro in den laufenden Betrieb investiert. Die vertiefte Zusammenarbeit mit Šumava soll die ökologische und touristische Entwicklung des gesamten Grenzraums weiter stärken.

Zurück