Positive Entwicklung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Planungsbüros für 2009 fiel überwiegend positiv aus: 6 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre Lage als sehr gut, 39 Prozent als gut. Weitere 37 Prozent stuften sie als befriedigend ein, und 10 Prozent als ausreichend. Lediglich 6 Prozent der Unternehmen hatten mit schweren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.
Bemerkenswert ist, dass 40 Prozent der VBI-Unternehmen ihre Umsätze im Jahr 2009 steigern konnten, während 25 Prozent stabile Umsätze verzeichneten. Ein Drittel (33 Prozent) musste jedoch rückläufige Umsätze hinnehmen. Die Umsatzrenditen entwickelten sich ebenfalls positiv: 28 Prozent der Büros erzielten höhere Renditen als im Vorjahr, bei 42 Prozent blieben sie unverändert, und bei 29 Prozent gingen sie zurück. Eine Erhöhung der Planerhonorare hatte bisher keinen Einfluss auf die Rentabilität.
Stabile Auftragslage und optimistische Erwartungen für 2010
Der Auftragsbestand der Ingenieurbüros erwies sich als stabil. Über ein Drittel der Befragten bezeichnete ihn als sehr gut (6 Prozent) oder gut (33 Prozent). 35 Prozent bewerteten den Auftragsbestand als befriedigend, weitere 14 Prozent als ausreichend. Knapp 10 Prozent verfügten über eine nicht ausreichende Anzahl an Aufträgen.
Für das Jahr 2010 sind die Umsatzerwartungen ebenfalls optimistisch: 18 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen, 53 Prozent mit gleichbleibenden. 28 Prozent erwarten einen Rückgang ihrer Umsätze. Die Situation für Büros, die im Wirtschaftsbau oder im öffentlichen Bau tätig sind, stellt sich annähernd gleich dar, obwohl der Wirtschaftsbau allgemein eher zurückhaltend bewertet wird.
Personalentwicklung und Fachkräftemangel
Die positive Geschäftsentwicklung spiegelt sich im Personalbereich wider: 30 Prozent der Büros stellten trotz der Krise neue Mitarbeiter ein, 56 Prozent hielten ihren Personalstamm stabil. Nur 9 Prozent mussten Personal abbauen. Insgesamt schufen 215 VBI-Unternehmen im Jahr 2009 allein 743 neue Stellen.
Auch für 2010 planen die Planungsbüros weiteres Wachstum und Personalaufbau. 142 Büros (20 Prozent) beabsichtigen, mindestens 321 hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, während 67 Prozent ihren Personalbestand stabil halten wollen. Lediglich 67 Büros (9 Prozent) planen konjunkturbedingte Entlassungen.
Ein großes Problem bleibt jedoch der Fachkräftemangel: 72 Prozent der VBI-Mitglieder haben Schwierigkeiten, qualifizierten Ingenieurnachwuchs zu finden. Die prognostizierte "Ingenieurlücke" ist für die Planungsunternehmen Realität. Absolventen des Bauingenieurwesens mit Bachelor-Abschlüssen spielen für die Branche kaum eine Rolle; nur 8 Prozent der Büros haben solche Ingenieure eingestellt, wobei über die Hälfte davon eher schlechte Erfahrungen machte. 65 Prozent der Unternehmen bieten Ausbildungs-, Praktikums- oder Diplomandenplätze an und engagieren sich somit in der Ausbildung junger Menschen.
Auslandsengagement und Konjunkturpakete
Rund 35 Prozent der VBI-Mitglieder erzielen Umsätze im Ausland, die sich auf etwa 500 Millionen Euro belaufen. 7 Prozent der Büros planen, eine Tätigkeit im Ausland aufzunehmen, was die Bedeutung der Exportkreditversicherung des Bundes durch Euler Hermes unterstreicht.
Das Fazit des VBI zu den Konjunkturpaketen des Bundes fällt eher nüchtern aus. Nur 7 Prozent der VBI-Mitglieder konnten stark von den Paketen profitieren, obwohl knapp 60 Prozent der VBI-Büros an öffentliche Auftraggeber gebunden sind. 28 Prozent gaben an, nur mäßig von der öffentlichen Förderung profitiert zu haben. Dennoch sind 38 Prozent der befragten Ingenieurunternehmen der Meinung, dass weitere Konjunkturpakete nützlich wären, sofern deren inhaltliche Ausrichtung angepasst wird.
"Der VBI fordert ein Investitionsprogramm, das die Kommunen in die Lage versetzt, dringend erforderliche Infrastrukturmaßnahmen durchzuführen. Der Fokus des Konjunkturprogramms II war zu eng auf bestimmte Themen gelegt. Es sind beispielsweise zu wenig Mittel in die nachhaltige Ertüchtigung der kommunalen Abwasser- und Verkehrsinfrastruktur geflossen. Beides ist aber unverzichtbare Voraussetzung, um die Kommunen zukunftsorientiert aufzustellen", so Rollenhagen.
Rollenhagen appellierte, die Sorgen der Kommunen ernst zu nehmen und warnte vor der Verknappung von Investitionsmitteln in den Gemeinden. Er betonte, dass Investitionen die Grundlage für ein funktionierendes Gemeinwesen bilden und nicht eingespart werden dürfen, da Straßen, Kanäle und Schulen die "Eintrittskarten der nachrückenden Generationen für unsere zivilisierte Gesellschaft" seien.
Bedeutung der Bauüberwachung
Angesichts des Bauskandals in Köln unterstrich Rollenhagen die Notwendigkeit einer qualifizierten Bauüberwachung. "Schlamperei und Gewinnsucht haben im Bauprozess nichts zu suchen, sind aber leider Realität. Daher ist es unabdingbar, eine qualifizierte Bauüberwachung und Prüfung bei allen sicherheitsrelevanten Bauprojekten zu gewährleisten", erklärte er.
Öffentliche und halböffentliche Auftraggeber sollten am bewährten Vier-Augen-Prinzip festhalten, das einen bauüberwachenden unabhängigen Planer und einen begleitenden Prüfingenieur vorsieht. "Köln zeigt uns: Sparen am falschen Fleck führt im Extremfall zur Katastrophe", so der VBI-Hauptgeschäftsführer.
In Deutschland generieren rund 58.000 mittelständische Ingenieurbüros jährlich ein Umsatzvolumen von etwa 30 Milliarden Euro. Sie betreuen Bauinvestitionen von rund 211 Milliarden Euro im Inland und beschäftigen mehr als 280.000 Menschen. Zudem bieten sie vielen Tausend jungen Menschen durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine berufliche Perspektive.
