Jahresbilanz des VGL Bayern: Wachstum und Herausforderungen
Die Mitgliederversammlung des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) fand am 22. Juni 2023 im Messezentrum Nürnberg statt. Die Branche verzeichnete im Geschäftsjahr 2022 ein Umsatzwachstum auf knapp 1,4 Milliarden Euro im Freistaat, obwohl die gesamtwirtschaftliche Lage angespannt war. Die Ausbildungszahlen zeigen hingegen ein ambivalentes Bild. Im Vorfeld der bayerischen Landtagswahlen intensiviert der Verband seine Gespräche mit der Politik. Zudem stellte Oberbürgermeister Marcus König den aktuellen Stand der Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2030 in Nürnberg vor.
Der bayerische Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) blickt zuversichtlich in die Zukunft. Neben aktuellen Krisen stehen langfristige Herausforderungen wie der Klimawandel und der Erhalt der Artenvielfalt im Fokus. Diese Entwicklungen bieten der Branche auch Chancen. Durch das „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ der Bundesregierung und die Städtebauförderung von Bund und Freistaat fließen erhebliche Mittel in die bayerische Stadt- und Kommunalentwicklung. Eine zügige Umgestaltung der Städte und Gemeinden mit mehr grün-blauer Infrastruktur ist notwendig.
„Ich hoffe, dass die Politik ihren ambitionierten Ankündigungen nun auch wirksame Maßnahmen folgen lässt. Jetzt liegt der Ball bei den Städten und Gemeinden, die Angebote zu nutzen und umzusetzen“, betonte Gerhard Zäh, Präsident des VGL Bayern, auf der Mitgliederversammlung in Nürnberg.
Umsatz erreicht Rekordniveau von 1,395 Milliarden Euro
In seinem Bericht zur Lage hob Verbandspräsident Gerhard Zäh die positive Entwicklung des bayerischen GaLaBaus im vergangenen Geschäftsjahr hervor. Der Jahresumsatz stieg von 1,345 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf ein Rekordniveau von 1,395 Milliarden Euro im Jahr 2022. Dies entspricht einer Steigerung von knapp vier Prozent. Die im Landesverband organisierten Fachbetriebe erwirtschafteten dabei mit 927 Millionen Euro den Großteil des Umsatzes.
„Auch wenn der Umsatzzuwachs teilweise auf höhere Preise für unsere Dienstleistungen zurückzuführen ist, ist dies ein großartiger Erfolg! Denn auch wir sind von Materialknappheit bei gleichzeitig steigenden Kosten für Baustoffe, Pflanzen und Energie sowie dem anhaltenden Fach- und Arbeitskräftemangel betroffen“, kommentierte Zäh das Ergebnis.
Die Auftragslage zeigt eine Erholung. Bei Neu- und Umbauten liegt der aktuelle Auftragsbestand bei durchschnittlich 24 Wochen pro Fachbetrieb, während Pflegearbeiten 13 Wochen in Anspruch nehmen. Im Herbst des Vorjahres waren es noch 20 Wochen beziehungsweise elf Wochen. Die Belegschaftszahlen bleiben stabil, mit durchschnittlich 18 Beschäftigten pro Betrieb.
Ausbildungszahlen: Mehr Ausbildungsverhältnisse, weniger Neuabschlüsse
Die Situation bei den bayerischen Ausbildungszahlen ist ambivalent. Zum Stichtag 31. Dezember 2022 befanden sich 1.556 junge Frauen und Männer in einem laufenden Ausbildungsverhältnis, so viele wie nie zuvor. Andererseits wurden nur 546 neue Ausbildungsverträge mit angehenden Landschaftsgärtnerinnen und -gärtnern abgeschlossen. Dies stellt einen deutlichen Rückgang gegenüber 2021 dar, als 603 Neuabschlüsse verzeichnet wurden. Im Durchschnitt der letzten drei Jahre stagnieren die Zahlen.
Über alle sieben gärtnerischen Fachrichtungen hinweg wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2.234 Gärtnerinnen und Gärtner im Freistaat ausgebildet. Der GaLaBau belegt mit einem Anteil von knapp 70 Prozent den Spitzenplatz innerhalb der Grünen Branche, gefolgt vom Zierpflanzen- und Gemüsebau.
Landtagswahlen in Bayern: Verband intensiviert politische Gespräche
Angesichts der bayerischen Landtagswahlen am 8. Oktober 2023 hat der VGL Bayern in den vergangenen Monaten seine Gespräche mit der Politik intensiviert. Der Verband beteiligte sich an zahlreichen Landesparteitagen, teils eigenständig, teils in Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung Gartenbau Bayern oder der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Schwerpunktthemen waren der weitere Ausbau der grün-blauen Infrastruktur, die Fachkräftesicherung, die Entbürokratisierung sowie die Beschleunigung der Digitalisierung.
Mitgliederzahl nahezu stabil
Verbandsdirektor Prof. Rudolf Walter Klingshirn präsentierte die Mitgliederzahlen. Zum 31. Dezember 2022 waren dem VGL Bayern 620 ordentliche und 38 außerordentliche Mitglieder angeschlossen. Ein Jahr zuvor waren es insgesamt 662. Der leichte Rückgang ist hauptsächlich auf Betriebsaufgaben zurückzuführen.
Die Verteilung der Mitglieder auf die bayerischen Regierungsbezirke zeigt folgendes Bild: Oberbayern 274, Schwaben 80, Mittelfranken 78, Niederbayern 75, Unterfranken 58, Oberfranken 47 und Oberpfalz 46. Des Weiteren gehören 71 Förder- und 22 Seniorenmitglieder sowie sieben Ehrenpräsidenten und -mitglieder dem Verband an.
Ehrungen für langjährige Verdienste und außergewöhnliches Engagement
Für ihre fünfzigjährige Mitgliedschaft im Verband wurden die Fachbetriebe Rolf Schmidt aus Schirmitz und LaFoStra aus Sankt Wolfgang geehrt. Jochen Schmidt, geschäftsführender Inhaber der Rolf Schmidt GmbH, sowie Josef und Tim Stierstorfer, Geschäftsführer der LaFoStra GmbH, nahmen die Ehrungen entgegen.
Eine besondere Würdigung für ihr ehrenamtliches Engagement erhielten Georg Weißmüller, Geschäftsführer der Garten- & Landschaftsbau Weißmüller GmbH & Co. KG in Berg, und Martin Gaissmaier, Leiter Aus- und Fortbildung der Gaissmaier GartenLandschaft GmbH & Co. KG in Freising. Weißmüller war von 2012 bis 2023 in der Regionalgruppe Oberpfalz des VGL Bayern aktiv, davon sechseinhalb Jahre als Vorsitzender. Gaissmaier engagiert sich seit Jahrzehnten in der Ausbildung des Berufsnachwuchses und war unter anderem neun Jahre Vorstandsmitglied beim bundesweiten Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau.
DEULA Bayern und alw verzeichnen deutliche Zuwächse
Dr. Thomas Wilms, Geschäftsführer der DEULA Bayern GmbH und der Akademie Landschaftsbau Weihenstephan GmbH (alw), beider Tochtergesellschaften des VGL Bayern in Freising, berichtete über das vergangene Geschäftsjahr. Nach coronabedingter Stagnation der Umsätze in den Jahren 2020 und 2021 erholten sich diese 2022 wieder. Entsprechend stieg die Anzahl der Kursteilnehmer, beispielsweise bei der DEULA Bayern auf 3.782 Personen (2021: 3.223). Die Akademie wird seit dem 1. Januar 2023 von Julian Hobmeier geleitet, die stellvertretende Leitung obliegt seit dem 1. Mai 2023 Marc Schlegel.
Sanierungsarbeiten in den Räumlichkeiten der DEULA sind weiterhin im Gange. Eine große finanzielle Herausforderung stellt die zusätzlich notwendige energetische Sanierung der Außenhaut des Hauptgebäudes mit Fassaden, Dach und Fenstern sowie die Erneuerung des Brandschutzes und der Fluchtwege dar. Hinzu kommt die Sanierung der Restgebäude. Die Kostenschätzung hierfür beläuft sich auf über 15 Millionen Euro. Ohne staatliche Förderung ist dies nicht umsetzbar.
Landesgartenschau Nürnberg 2030: Vorbereitungen angelaufen
Oberbürgermeister Marcus König informierte über die 50. bayerische Landesgartenschau, die 2030 in Nürnberg stattfinden wird. Im August 2022 erhielt die Stadt mit ihrem Konzept „Urbane Gartenschau Nürnberg“ den Zuschlag für die Ausrichtung der Jubiläumsveranstaltung.
Im Mittelpunkt der Landesgartenschau steht die Aufwertung des rund 13 Hektar großen Stadtgrabens rund um die Altstadt. Ziel ist es, den Raum an der Stadtmauer durchgängig erlebbar zu machen und dauerhaft die Aufenthaltsqualität für die Bürger zu verbessern. Die Gartenschau wird zudem in die Altstadt und die umliegenden Stadtteile ausstrahlen.
„Wir werden zeigen, wie ein hochverdichteter urbaner Raum transformiert und entsiegelt werden kann. Mit mehr Grün und Wasser für mehr Lebensqualität für die Menschen – auch und gerade angesichts des Klimawandels, den wir in unserer Großstadt besonders spüren. Die urbane Gartenschau wird einen wichtigen Teil des klimagerechten Stadtumbaus für mehr Klimaresilienz bilden. Hierfür binden wir die Nürnbergerinnen und Nürnberger intensiv mit ein. Und wir benötigen Spezialistinnen und Spezialisten, also Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner, wie Sie“, erläuterte König.
Blick über den Tellerrand: Bundesweite und internationale Verbandsarbeit
Paul Saum, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), berichtete über die Tätigkeitsschwerpunkte des Verbandes. Er stellte das Weiterbildungsangebot „GaLaQ“ (Garten Landschaft Qualifikation) und die Nutzung der Stellenbörse im GaLaBau-Karriereportal vor. Des Weiteren informierte der Vizepräsident über den Stand der bundesweiten Fachkräfte-, Image- und PR- sowie Klima-Kampagnen und den Relaunch der Webseite „mein-traumgarten“. Diese Initiativen sollen auch 2023 fortgesetzt werden.
Der BGL intensivierte seine politische Lobbyarbeit durch persönliche Treffen mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und parlamentarische Abende, gemeinsam mit dem Bund deutscher Baumschulen, dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten bdla und dem Zentralverband Gartenbau.
Christoph Hofmann, Präsident des Fachrates Garten- und Landschaftsbau von JardinSuisse, stellte den Unternehmerverband der Schweizer Gärtner vor. Als nationaler Verband für die Grüne Branche der Eidgenossen vertritt JardinSuisse insgesamt 1.763 Mitglieder. Die Fachrichtungen reichen von Planern über Produktion und Handel bis zum klassischen GaLaBau.
„Unsere Verbände eint nicht nur die gemeinsame Begeisterung für die Branche, sondern auch das Bestreben, herausragende Leistungen in der Gestaltung und Pflege von Gärten, Grünflächen und Sportplätzen zu fördern. Wir sind stolz darauf, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich dem Erhalt und der Förderung grüner Lebensräume und Freiflächen widmet“, fasste Hofmann zusammen.


