Anpassungsstrategien gegen Wasserdefizite
Wasser gilt global als knappe Ressource. Die Anzahl der Gebiete, in denen Wasser Mangelware ist, wird voraussichtlich zunehmen. Nicht nur die Verfügbarkeit, sondern auch die Qualität des Wassers kann dazu führen, dass weltweit nicht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Dies betont Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes in Dessau.
Auch in Deutschland könnte in bestimmten Regionen künftig Wasserknappheit auftreten. Daher ist es notwendig, frühzeitig Anpassungsstrategien zu entwickeln, um möglichen klimabedingten Wasserdefiziten zu begegnen. Der jährlich am 22. März stattfindende internationale Tag des Wassers steht in diesem Jahr unter dem Motto "Coping with Water Scarcity" – zu Deutsch: "Zeit zum Handeln – Wasserknappheit und Dürre". Dieser Tag lenkt die Aufmerksamkeit auf die weltweit 1,2 Milliarden Menschen, denen nicht ausreichend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Die Vereinten Nationen definieren dabei 20 bis 50 Liter Trinkwasser täglich als ausreichend.
Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht jeder Einwohner täglich 126 Liter, in den USA sind es über 300 Liter. Die Zahl der vom Wassermangel bedrohten Regionen steigt weltweit, bedingt durch Bevölkerungsanstieg und Klimawandel, der zu Veränderungen der weltweiten Niederschläge führt. Das Umweltbundesamt hat Berechnungen durchgeführt, die zeigen, dass sich die Niederschläge in Deutschland bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraussichtlich innerhalb der Jahreszeiten und regional verschieben werden.
Potenzielle Auswirkungen in Deutschland
Im bereits heute trockenen Osten Deutschlands könnten die Sommerniederschläge weiter abnehmen. Dies würde längere Perioden sommerlicher Trockenheit zur Folge haben. Eine mögliche Konsequenz wären sehr niedrige Wasserstände der Flüsse. Dies könnte die Schifffahrt beeinträchtigen, da Schiffe weniger Ladung transportieren oder den Betrieb einstellen müssten. Auch die Kühlung von Kraftwerken, die auf Flusswasser angewiesen ist, könnte nicht mehr in ausreichendem Maße gewährleistet sein, was Leistungseinschränkungen bis hin zur Abschaltung der Kraftwerke nach sich ziehen könnte.
Zudem sind zu hohe Wassertemperaturen für Fische und andere Flussbewohner lebensbedrohlich. Die Trinkwassergewinnung wäre durch häufige Niedrigwasserstände und fallende Grundwasserspiegel beeinträchtigt. Europäische Wissenschaftler kamen im Februar 2007 auf der Konferenz "Wasser und Klima" in Berlin zu dem Schluss, dass der aktuelle Wissensstand trotz verbleibender Unsicherheiten ausreicht, um mit Anpassungsmaßnahmen in der Wasserwirtschaft zu beginnen.
Dabei ist es entscheidend, dass alle wasserrelevanten Sektoren – Landwirtschaft, Schifffahrt, Energiewirtschaft und Tourismus – diese Anpassung mittragen. Dies ließe sich durch Innovationen in den einzelnen Sektoren erreichen, die zur Entlastung der Wasserressourcen beitragen. Das Umweltbundesamt unterstützt diesen Anpassungsprozess in Deutschland durch begleitende Forschungsvorhaben sowie durch das im Oktober 2006 gegründete Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass).