Die Grüne Stadt

Grün-blaue Infrastruktur als Antwort auf Klimawandel und Urbanisierung

Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen und dem wachsenden Bedarf an Wohnraum zu begegnen. Die grün-blaue Infrastruktur bietet hierfür Lösungen und ist in Nordrhein-Westfalen von politischer Relevanz.

Herausforderungen und Lösungsansätze für Kommunen

Städte und Gemeinden stehen weltweit vor der Herausforderung, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen und dem wachsenden Bedarf an Wohnraum durch Urbanisierung zu begegnen. Diese Themen werden insbesondere in Europa intensiv diskutiert.

In Nordrhein-Westfalen, wo im September 2020 Kommunalwahlen stattfanden, sind diese Fragen ebenfalls von politischer Relevanz. Maßnahmen zur Klimaanpassung müssen primär auf kommunaler und regionaler Ebene umgesetzt werden, da sich die Auswirkungen des Klimawandels regional unterschiedlich zeigen. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens befasst sich seit über zehn Jahren mit der Klimaanpassung. Die 2009 entwickelte Klimaanpassungsstrategie wurde 2015 im Klimaschutzplan NRW verankert. Das Umweltministerium betont, dass Klimaanpassung eine gemeinsame Querschnittsaufgabe ist, die von Staat und Gesellschaft auf allen Ebenen wahrgenommen werden muss und alle Lebensbereiche erreicht.

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. (VGL NRW) teilt diese Ansicht und sieht seine Aufgabe in der Verbesserung der grün-blauen Infrastruktur in Stadt und Land.

Grün ist das stärkste Instrument in der Stadtklimatologie, das ist durch viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. In den Zeiten der Corona-Pandemie hat es sich darüber hinaus als unersetzlich erwiesen, um Menschen Zugang zu Freiräumen und Naturerfahrungen zu ermöglichen.

Präsident H. Christian Leonhards verweist auf die letzten beiden Hitzesommer und die damit verbundene Hitzebelastung für fast 40 Prozent der Bevölkerung in den Ballungsräumen Nordrhein-Westfalens. Dies erfordere strukturelle Lösungen.

Gemeinsame Verantwortung

In einem Gespräch mit dem NRW-Umweltausschuss stellte der Verband seine Positionen zur Kommunalwahl vor und lud zur landesweiten Zusammenarbeit mit den Kommunen ein.

Wir wollen als Verband unserer Verantwortung im Schulterschluss mit der Landespolitik und den Städten und Gemeinden auch in Zukunft gerecht werden. Unsere Mitgliedsbetriebe tragen in privaten Gärten und öffentlichen Parks, an Straßen und auf Plätzen, in grünen Städten und Dörfern, in Gewerbegebieten und in renaturierten Landschaftsteilen, aber auch gebäudenah mit Dach- und Fassadenbegrünung sehr konkret dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

Es bestehen große Aufgaben für die Branche in Zusammenarbeit mit Kommunen. Dazu gehören die klimaresiliente Weiterentwicklung von Städten und Gemeinden, die Anpassung von Sortimenten, die Umsetzung neuer Pflanzkonzepte, Beiträge zum Wassermanagement und die Schaffung von Lebensräumen für Insekten und Tiere, die gleichzeitig Naturerfahrungsräume im direkten Lebensumfeld der Menschen sind. Die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus tragen zudem indirekt zur Bekämpfung der Ursachen des Klimawandels bei, indem sie Maßnahmen zur CO2-Reduktion umsetzen, Fahrzeuge und Maschinen von Verbrennungs- auf Elektroantriebe umstellen und Projekte zur Nachhaltigkeit initiieren.

Wir sehen unsere Aufgaben im öffentlichen Grün, aber auch in Projekten zur Wohnumfeldverbesserung und Revitalisierung von Siedlungen oder in der Modernisierung von Spiel- und Freizeitanlagen. Vernetzte Grünflächen, die von jedem Ort in der Stadt in relativ kurzer Zeit fußläufig erreichbar sind, zeichnen die Qualität der Stadt der Zukunft aus.

Jetzt aktiv werden

Die Klimaanpassung erfordert neue Konzepte in der kommunalen Freiraum- und Bauplanung.

Das Thema betrifft jedoch nicht nur die großen Städte im Land, sondern auch in kleineren Städten und Gemeinden sind Maßnahmen gefordert.

Als Beispiel nannte Leonhards die Debatte um Schottergärten, die sich in Neubaugebieten verbreitet haben. Hier sei es mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ und in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden sowie vielen Städten und Gemeinden gelungen, eine Trendwende zu erreichen, sodass vielerorts entsprechende Änderungen in der Bauleitplanung oder in kommunalen Satzungen beschlossen wurden.

Wir sind davon überzeugt, dass sich, wenn es uns gelingt, Grün im urbanen und im ländlichen Raum zu stärken und nachhaltig aufzuwerten, das positiv auf unser Klima, aber auch auf die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Attraktivität unserer Städte auswirkt. Dafür müssen alle Akteure zusammenwirken.

Eine grüne Infrastruktur erfordert Investitionen in den Erhalt und Ausbau von Grünzügen und Grünflächen in Städten und Gemeinden sowie die langfristige Sicherung ihrer Pflege. Eine gestärkte Grünverwaltung vor Ort ist dabei ein wichtiger Partner und Garant für eine zukunftsfähige, klimaangepasste und nachhaltig wirksame Kommunal- und Regionalentwicklung. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie belegen, dass die grüne Infrastruktur ein unverzichtbarer Bestandteil des urbanen Lebens ist. Es wird erwartet, dass sich dies bei den Kommunalwahlen auswirken wird. Ein breiter Konsens jenseits parteipolitischer Auseinandersetzungen wird hierbei angestrebt.

30.06.2020

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V.

Zum Steigerhaus 14
46117Oberhausen
Deutschland

Tel.:+49 208 84830-0
Fax:+49 208 84830-57

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