Folienabdeckung: Mehr als nur Schutz für Spargel
Der Spargelanbau in Deutschland ist ohne den Einsatz von Folienabdeckungen kaum noch vorstellbar. Diese Technik ermöglicht nicht nur eine regionale Versorgung mit Spargel, sondern trägt auch dazu bei, Böden zu nutzen, die ansonsten für den Anbau ungeeignet wären. Durch kurze Transportwege leistet der Spargelanbau einen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung.
Die im Spargelanbau verwendeten zweifarbigen Polyethylen-Bahnen sind kein Wegwerfmaterial. Sie werden über einen Zeitraum von rund zehn Jahren wiederholt eingesetzt, bevor sie ausgetauscht werden müssen. Auch nach dieser Nutzungsdauer bleibt das Material ein wertvoller Rohstoff für das Recycling.
Qualitätssteigerung durch Folie
Die Folienabdeckung im Spargelanbau bietet mehrere Vorteile. Sie ermöglicht den Anbau auf Böden, die einen hohen Tonanteil aufweisen und somit als „schwer“ gelten. Die Folie sorgt dafür, dass der Boden gleichmäßig feucht und krümelig bleibt, was das Wachstum der Spargelstangen fördert. Dies ist auf sandigen Böden auch ohne Folie möglich, doch die Abdeckung erweitert die Anbauflächen und ermöglicht Verbrauchern in Regionen mit schweren Böden den Zugang zu frischem, regionalem Spargel.
Die konstante Bodenfeuchtigkeit wirkt sich zudem positiv auf das Bodenleben aus. Je nach Witterung kann die Folie die Reife des Spargels beschleunigen oder verlangsamen. Bei kühlen Temperaturen und geringer Sonneneinstrahlung erwärmt die schwarze Seite der Folie das Erdreich. Bei warmem, sonnigem Wetter verhindert die weiße Seite eine Überhitzung der Dämme. Eine solche Überhitzung könnte zu optisch minderwertigen Stangen, wie „Aufblühern“ mit vorzeitig geöffneten Kopfschuppen, sowie zu unerwünschten Erntespitzen führen.
Die Folie schützt die Spargelstangen außerdem vor Verfärbungen, selbst wenn sie bereits wenige Zentimeter aus der Erde ragen. Dadurch ist eine einmal tägliche Ernte ausreichend. Ohne Folie müssten die Arbeitskräfte täglich doppelt so oft ernten, um eine Verfärbung durch Sonnenlicht zu verhindern. Für Bio-Spargel-Erzeuger ist die Folie ebenfalls vorteilhaft, da sie durch die Beschattung das Wachstum von Unkräutern auf natürliche Weise hemmt.
Verbesserung des Recyclings
Nach zehn Jahren Einsatz auf dem Feld bleibt die Spargelfolie ein hochwertiges Material, das zunehmend recycelt wird.
Wir arbeiten derzeit daran, ein bundesweites System zum Recycling auf den Weg zu bringenDie Wiederverwertung ist sinnvoll, da Spargelanbauer große Mengen homogenen Materials sammeln können. Die gereinigte Folie lässt sich zu Granulat verarbeiten, aus dem neue Produkte wie wassersparende Schläuche und Müllbeutel hergestellt werden können.
Herausforderung der Sandentfernung
Eine aktuelle Herausforderung stellt die starke Verschmutzung der Folien dar. An den Polyethylen-Folien haftet nicht nur Erde, sondern sie werden auch durch sandgefüllte Taschen im Foliensaum beschwert, um ein Verwehen bei starkem Wind zu verhindern. Nach dem Ende der Nutzungsdauer muss dieser Sand für den Transport entfernt werden. Einige Spargelanbauer entfernen den Sand manuell, was jedoch aufwendig und kostenintensiv ist. Die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer hat daher einen Innovationspreis ausgeschrieben, um eine Maschine zur automatischen Sandentfernung zu entwickeln, da es hierfür bislang keine marktreife Lösung gibt.
Geringer Anteil an Kunststoffabfällen
Obwohl auf dem Spargelacker viel Folie sichtbar ist, ist der Anteil an entsorgtem Kunststoffmaterial gering.
Auf dem Spargelacker sieht es zwar nach viel Folie aus, aber unter dem Strich entsorgen wir wenig PlastikmaterialNach Angaben des Bundesumweltamtes wurden im Jahr 2017 in Deutschland rund 6,15 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gesammelt. Der geschätzte Anteil der Spargelfolie betrug dabei etwa 2.500 Tonnen, was rund 0,04 Prozent des Gesamtaufkommens entspricht.
Spargel als Nahrungsquelle für Bienen
Der Spargelanbau in Deutschland trägt auch zum Artenschutz bei. Nach der Ernte treiben die Spargelpflanzen aus und bilden Blüten, die Insekten als Nahrungsquelle dienen. Durch die Folienverfrühung bieten die Spargelblüten von Mai bis September über einen langen Zeitraum Futter, auch in Zeiten, in denen andere Blühpflanzen weniger verfügbar sind. Analysen des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf zeigen, dass in Spargelanbaugebieten der Honig einen Anteil von bis zu 70 Prozent Spargelpollen aufweisen kann.
