Startschuss für den Flussdialog „Licca liber“
Der Ausbau des Lechs wird als Generationenprojekt mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung eingestuft. Dies betonte der bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber zum Start einer Online-Befragung der Bürger am 28. Januar.
Flussneugestaltungen sind mit weitreichenden Folgen für die Bevölkerung verbunden. Daher wird ein enger Dialog mit den Bürgern angestrebt. Bevor über konkrete Maßnahmen entschieden wird, soll ermittelt werden, wie die Menschen vor Ort ihren Fluss nutzen und schützen wollen.
Der Flussdialog „Licca liber“ bindet Bürger, Verbände und Kommunen in die Gestaltung des Lechs ein. Ziel ist es, gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten und verschiedene Interessen zu vereinen. Der Lech bildet mit seinen Auen eine bedeutende Biotop-Verbundachse von den Alpen bis zur Donau und beherbergt einzigartige Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Unser Ziel ist es, die Eintiefung des Lechs zu stoppen. Die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen sollen gleichzeitig den ökologischen Zustand des Flusses mit seinen Auen verbessern, um ihn als Lebens- und Erholungsraum bestmöglich weiterzuentwickeln. Zudem werden wir den Hochwasserschutz weiter voranbringen.
Flussbegradigungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben den Lech stark eingeengt und zu einer teilweisen Eintiefung geführt. Die daraus resultierenden wasserbaulichen Maßnahmen waren der Ausgangspunkt für das Projekt „Licca liber“. Das Projektgebiet erstreckt sich über etwa 60 Kilometer entlang des Lechs, vom Mandichosee südlich von Augsburg bis zur Mündung in die Donau.
Die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen bieten die Chance für eine ökologische Neugestaltung. Welche Maßnahmen konkret umgesetzt werden, ist noch völlig offen. Wir stehen erst am Anfang des Dialogprozesses.
Bestehende Vorschriften des Naturschutzes oder technische Notwendigkeiten können nicht außer Kraft gesetzt werden. Der Umweltminister ermutigte die örtliche Bevölkerung, ihre Gestaltungsspielräume im Rahmen der Online-Befragung zu nutzen. Huber versicherte, dass im Planungsverfahren Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung, Grundwasserstände oder Ähnliches genau geprüft und berücksichtigt würden.
Ziel des Lechausbaus ist schließlich eine Verbesserung und nicht eine Verschlechterung. Wenn Nachteile drohen, wird die Maßnahme so nicht gemacht und eine Alternative gesucht.
Vom 28. Januar bis 16. Februar 2014 konnten Bewohner von Augsburg, Kissing, Königsbrunn und Mering ihre Meinung im Internet äußern und aktiv an der zukünftigen Gestaltung des Lechs mitwirken. Über 150.000 Haushalte im Projektgebiet erhielten eine amtliche Bekanntmachung, die über die Augsburger Allgemeine Zeitung und das Wochenmagazin Extra verteilt wurde. Diese informierte über die Online-Befragung und enthielt einen Gebietscode für die Teilnahme.
Auch ohne den Erhalt der amtlichen Bekanntmachung war die Teilnahme für Bürger der betroffenen Gemeinden durch eine Online-Registrierung möglich. Alle Bürger ab 16 Jahren im Projektgebiet konnten teilnehmen. Zu Beginn der Befragung musste die eigene Gemeinde ausgewählt und der Gebietscode eingegeben werden.