Die Grüne Stadt

Trockenstress in Städten: GaLaBau fordert grüne Infrastruktur

Die aktuellen Dürrephasen verursachen sichtbare Trockenschäden an städtischen Bäumen und Sträuchern. Der GaLaBau fordert daher dringend eine grüne und blaue Infrastruktur, um Städte an den Klimawandel anzupassen und die Lebensqualität zu sichern.

Steigender Handlungsdruck durch Klimawandel

Die aktuellen Dürrephasen führen zu sichtbaren Trockenschäden an Bäumen und Sträuchern im öffentlichen Grün der Städte. H. Christian Leonhards, Präsident des Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V., stellt fest, dass die Vegetation unter Trockenstress leidet. Diese Schäden sind nicht mehr nur für Fachleute erkennbar, sondern beunruhigen zunehmend auch die Bürger.

„Die Vegetation leidet offensichtlich, der sogenannte Trockenstress führt bei den Pflanzen zu weitergehenden Schäden und wird auch zu einem zunehmenden Problem für Städte und Gemeinden. Diese Schäden sind längst nicht mehr nur für Fachleute sichtbar, sondern allmählich macht sich auch die Bürgerschaft ernsthafte Sorgen. Mit Appellen zum Gießen ist das Problem nicht mehr beherrschbar.“

Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für die Zukunft aufgrund der Klimaerwärmung eine Zunahme von Stürmen, extremen Regenfällen und langandauernden Hitzewellen. Diplom-Meteorologe Sven Plöger erklärt, dass längere Trockenphasen mit hohen Tages- und Nachttemperaturen zum Normalfall werden könnten. Obwohl die Niederschlagsmengen in unseren Breiten insgesamt gleich bleiben, verschiebt sich deren Verteilung, was Städte und Gemeinden zu Maßnahmen der Klimaanpassung zwingt.

Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt Kommunen, Abflussmöglichkeiten für Hochwasser sicherzustellen und öffentliche Flächen so auszubauen, dass sie kurzfristig geflutet werden können. Gleichzeitig sollen Speichermöglichkeiten geschaffen werden, um die Verdunstung zu fördern und die grüne Infrastruktur zu versorgen.

„Die Auswirkungen des Klimawandels sind heute bei nahezu allen Entscheidungen der Städteplanung zu berücksichtigen und dabei spielt unsere Branche eine entscheidende Rolle. Schließlich bieten die grüne und die blaue Infrastruktur unserer Städte die wirksamsten Instrumente zur Stadtklimatologie!“

Leonhards betont, dass die grüne und blaue Infrastruktur entscheidende Instrumente für die Stadtklimatologie sind. Es besteht Konsens darüber, mehr lebendiges Grün in die Städte zu bringen. Dazu gehören Dach- und Fassadenbegrünungen, schattenspendende Bäume, Pocket-Parks, Wasserflächen sowie grün-blaue Kaltluft-produzierende Grünflächen, die die Städte vernetzen sollen.

In vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens sind Debatten zur Grünen Infrastruktur als Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur Sicherung von Naturräumen zu wichtigen Wahlkampfthemen geworden. Leonhards stellt fest, dass hierzu parteiübergreifend Einigkeit besteht. Die Erfahrungen der Corona-Zeit hätten zudem den Wert von Gärten und Parks für die Gesellschaft verdeutlicht.

Konkrete Maßnahmen und praktische Empfehlungen

Aus meteorologischer Sicht ist der bebaute Raum eine andere Klimazone als das Umland. Sven Plöger weist darauf hin, dass Städte heruntergekühlt werden müssen, wobei der Verdunstungskälte eine große Bedeutung zukommt. Städte benötigen daher Grün- und Wasserflächen. Es stelle sich die Frage, wie viel Versiegelung eine Stadt haben darf und wie die Frischluftzufuhr in Wohngebiete sichergestellt werden kann.

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW sieht die Aufgaben seiner Mitgliedsbetriebe auch in der Bauleitplanung, wo klimawirksame und biodiversitätsfördernde Ausgleichsflächen sowie Wasserflächen und Uferräume eine besondere Rolle spielen. In seinem Positionspapier zur Kommunalwahl 2020 sprach sich der Verband für abwechslungsreiche und vielfältig bepflanzte Gärten und Parks aus, gegen Schotterwüsten im privaten und öffentlichen Raum und für mehr versickerungsfähige Oberflächen. Er plädierte dafür, dass Städte und Gemeinden auf eigenen Flächen und Liegenschaften als Vorbild fungieren.

Leonhards forderte die konsequente Umsetzung nachhaltiger Konzepte zur Unterstützung der ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung von Städten und Gemeinden. Er sprach sich für mehr Investitionen in den öffentlichen Raum aus, insbesondere im Hinblick auf Förderprogramme des Bundes und des Landes NRW. Eine Stärkung und nachhaltige Aufwertung von Grün im urbanen und ländlichen Raum wirke sich positiv auf das Klima, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft sowie die Attraktivität der Städte aus. Dafür sei die Zusammenarbeit aller Akteure notwendig.

„Der Garten- und Landschaftsbau steht bereit!“

25.08.2020

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