Experten sehen steigenden Handlungsbedarf bei der Bodensanierung in Wäldern
Zum Tag des Waldes rückt der Zustand der Waldböden in den Fokus. In vielen Regionen Deutschlands gelten diese als stark belastet, vor allem durch jahrzehntelange Säureeinträge aus Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und fossilen Energieträgern. Die Folge ist eine zunehmende Versauerung, die die Vitalität der Wälder erheblich beeinträchtigt.
Aktuelle Erhebungen zeigen, dass rund ein Drittel der Wälder deutlich geschädigt ist. Die Versauerung führt zu einer geringen Basensättigung, wodurch Wurzelsysteme in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden und Nährstoffe sowie Wasser schlechter aufgenommen werden können.
Schwache Wurzeln, instabile Bestände
In stark sauren Böden verbleiben Baumwurzeln häufig in den oberen Schichten und verzweigen sich weniger. Dadurch sinkt die Standfestigkeit der Bäume, was insbesondere bei zunehmenden Extremwetterereignissen wie Stürmen zum Risiko wird.
Auch die Wasserspeicherfähigkeit der Böden ist beeinträchtigt. Verdichtete und biologisch verarmte Bodenstrukturen können Niederschläge schlechter aufnehmen. Dies erhöht bei Starkregen die Gefahr von oberflächlichem Abfluss und begünstigt Hochwasserereignisse.
Kalkung als bewährte Maßnahme
Zur Stabilisierung der Waldböden hat sich die Kalkung als wirksame Maßnahme etabliert. Durch die Ausbringung von Kalk werden Säuren neutralisiert und wichtige Nährstoffe wie Calcium und Magnesium zugeführt. Dies verbessert die Bodenstruktur sowie die Lebensbedingungen für Bodenorganismen.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Deutschland rund 3,3 Millionen Hektar Wald gekalkt. Allerdings reicht die ausgebrachte Menge von etwa drei Tonnen pro Hektar lediglich aus, um die Säureeinträge von etwa zehn Jahren zu kompensieren.
Deutlicher Handlungsbedarf
„Über 3,7 Millionen Hektar des deutschen Waldes sind tiefgründig versauert. Jeder Hektar benötigt mindestens drei Tonnen Magnesiumkalk für etwa zehn Jahre. Dies bedeutet eine jährlich zu kalkende Fläche von 370.000 Hektar.“
In der Praxis bleibt der Umfang der Kalkungsmaßnahmen bislang deutlich hinter dem Bedarf zurück. Zuletzt wurden jährlich lediglich rund 70.000 Hektar behandelt. Fachleute sehen darin ein zentrales Defizit im Waldschutz.
Um die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Klimawandel und Extremwetter zu sichern, wird eine deutliche Ausweitung der Maßnahmen gefordert. Neben der Reduzierung von Schadstoffeinträgen gilt die kontinuierliche Kalkung als entscheidender Baustein für stabile und leistungsfähige Waldökosysteme.
