Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Zu einem Grab gehört ein Grabzeichen. Früher eine Selbstverständlichkeit, heute eine eher komplizierte Sache. Ein Stein oder kein Stein und wenn ein Stein, dann, was für ein Stein? Und: Woher stammt dieser Stein? Fragen, auf die Hinterbliebene, Friedhofsverwaltungen sowie Stadt- und Gemeindeverwaltungen Antworten suchen. Helfen kann der Steinmetz vor Ort.

„Handwerklich gefertigtes Grabmal aus Schwarzach Tobler Sandstein aus Österreich von Christiane Hellmich aus Mittelneufach, Gold-medaillengewinnerin auf der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013“

Einem Menschen auf dem Friedhof ein Denkmal setzen. Ein Wunsch, der eine lange Tradition hat. Form und Gestalt dieser „Denk-Male“ ändern sich. Was bleibt sind die Zeichen aus Stein. Der Steinmetz bringt diese Zeichen in Form. Er gestaltet die einmaligen Hinweise des Nicht-Vergessens, die langlebigen Zeugen der Geschichte oder die einfachen Orte der Erinnerung.

Allerdings: Grab und Grabzeichen sind heute nicht mehr selbstverständlich. Es gibt andere, vordergründig bequemere und preiswertere Möglichkeiten des Gedenkens. Und doch: Der Friedhof als öffentlicher Kommunikationsraum oder als individuelle Gedenkstätte ist noch immer der Ort der persönlichen Trauer. Seine Akzeptanz in breiten Bevölkerungsschichten ist ungebrochen und mit ihm der mit einem Zeichen versehene individuelle Ort des Gedenkens. Alternative Bestattungsformen sind Alternativen. Sie bleiben die Ausnahmen und genießen daher oft eine hohe mediale Aufmerksamkeit.

Alternativlos sind natürliche Materialien, wenn es um die Gestaltung der Zeichen auf dem Friedhof geht. Natürliche Steine sind witterungsbeständig, langlebig, vielfältig zu gestalten und in Farben, Strukturen und Vorkommen kaum zu überbieten.

Nutzbare Steine gibt es überall; direkt vor der Haustür und auf der ganzen Welt. Die Möglichkeiten ihrer Gestaltung sind grenzenlos. Die Art der Fertigung geschieht industriell von der Stange irgendwo in einer fernen Produktionsstätte oder ganz individuell in der meisterlichen Werkstatt nebenan.

Die Steine kommen aus aller Welt. Unterschiedliche Produktionsbedingungen in den Erzeugerländern und perfekt organisierte internationale Handelsbeziehungen machen es möglich, dass Produkte aus Stein, die aus Asien oder Südamerika nach Europa transportiert werden und verglichen mit Produkten aus europäischen Steinen oft deutlich günstiger angeboten werden.

Gerade bei Natursteinimporten aus asiatischen Ländern ist der Steinmetz auf das Qualitätsbewusstsein und die Verlässlichkeit seiner Handelspartner angewiesen. Nur die dort tätigen Unternehmen kennen die Produktionsbedingungen vor Ort. An den Importeuren liegt es, in den Steinbrüchen, in den Produktionsstätten und auf den Transportwegen für angemessene und würdige Arbeits- und Lebensbedingungen der in ihrem Auftrag tätigen Menschen zu sorgen. Sie garantieren diese Bedingungen letztendlich gegenüber den Verbrauchern – und dem Steinmetz. Der Handwerker vor Ort muss den Versprechungen dieser Händler oder den von unabhängigen Agenturen und Vereinen angebotenen Zertifizierungen vertrauen. Dies gilt für alle nach Europa importierten Natursteine, die in Europa verarbeitet werden, ganz gleich ob aus ihnen Produkte, die für den Friedhof vorgesehen sind, Pflastersteine, Bodenbeläge, Wandbekleidungen oder Küchenarbeitsplatten entstehen.

Missstände in den internationalen Handelsbeziehungen, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Gewinnungs- und Produktionsstätten der Erzeugerländer sind im internationalen Natursteinhandel wie im Handeln mit anderen Waren des täglichen Verbrauchs von den europäischen Märkten auszuschließen.

Der Steinmetz muss schon im Sinn seiner Kunden davon ausgehen, dass die von ihm angebotenen Produkte „fair produziert“ und „fair gehandelt“ sind. Garantieren kann er das nicht. Das können nur zuverlässige, vor Ort tätige Unternehmen, Importeure oder Händler.

Naturstein ist ein Produkt des individuellen Bedarfs. Hier, wie bei vielen anderen Konsumgütern, sind die Gewinnungs- und Produktionsbedingungen dann besonders wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig, wenn zwischen Erzeuger und Verbraucher die Wege kurz sind, sich Erzeuger, Produzenten und Verbraucher kennen. Umweltschonenden Produktionsweisen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind in Europa selbstverständlich und per Gesetz geregelt. Dies kann der Steinmetz vor Ort jederzeit garantieren.

Handwerk ist eine kundennahe Wirtschaftsform, ein Gegenentwurf zur anonymen Welt des Handels und der Massenproduktion. Der Steinmetz ist, wenn es um natürliche Steine geht, der gesuchte und kompetente Ansprechpartner. Er bringt die Steine in Form; nicht nur auf dem Friedhof.

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