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3. Norddeutscher Gartenbautag 2010 in Hamburg - Lohff fordert Rahmenbedingungen für einen leistungsfähigen Gartenbau

05.03.2010

Gartenbau 2015 - Rahmenbedingungen für einen leistungsfähigen Gartenbau - lautet das Thema, unter das der Gartenbauverband Nord den 3. Norddeutschen Gartenbautag in Hamburg gestellt hat. Andreas Lohff, Präsident des Gartenbau-Landesverbandes, kritisierte die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen für den Gartenbau:

Herausforderungen im Gartenbau

"Unübersichtliches Steuersystem, Hofladenurteil – Abgrenzung Landwirtschaft und Gewerbe: Primärproduktion wird steuerlich ins Gewerbe gedrängt! Wachstumsbeschleunigungsgesetz – kommt nicht im Gartenbau an! Mehrwertsteuersystemrichtlinie – ermäßigter Steuersatz auf Blumen und Zierpflanzen in Gefahr! Bundesprogramm zum effizienten Energieeinsatz im Gartenbau – Förderbedingungen an der Realität vorbei! Umsetzung der Verpackungsverordnung: Unpraktikables Bürokratiemonster!"

"Keine so Mut machenden Aussichten für eine stabile Entwicklung der Betriebe. Der Gartenbau im Norden ist bis jetzt in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mit einem blauen Auge davon gekommen. Großen Einfluss darauf, dass es keinen Totalabsturz des Gartenbaus gab, hatte die Tatsache, dass unsere Betriebe fast ausschließlich familiengeführt und mit dem eigenem Kapital und Grund und Boden alles eingebracht wurde, was an Reserven möglich war".

Mit Blick auf die Entwicklungen am grünen Markt forderte Lohff die Herstellung von Wettbewerbsgleichheit in Europa, insbesondere in den Bereichen Pflanzenschutz, Energiekosten und steuerlichen Belastungen.

Forderungen des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG)

Eine der zentralen Forderungen ist die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Vereinbarung über den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien und weitere Erhöhung der Energieeffizienz. Ziel ist es, dass Erneuerbare Energien den Hauptanteil an der Energieversorgung übernehmen. Mit der Öffnung des Marktanreizprogramms (MAP) auch für die landwirtschaftliche Primärproduktion inklusive Gartenbau konnte der ZVG einen Erfolg erzielen.

Verbandsstrukturen und Diskussionen

Zentraler Inhalt in den Winterversammlungen aller Kreisverbände sowie der Landesfachgruppen war die Bemühung, durch Änderungen der Strukturen die Leistung des Verbandes auch in Zukunft zu sichern. Diskutiert wurden:

  • Strukturwandel im Gartenbau und sinkende Mitgliederzahlen
  • steigende Ansprüche der Mitglieder an politische Vertretung und Serviceleistungen
  • komplexere einzelbetriebliche Anforderungen
  • zunehmendes Kosten-/Nutzendenken der Mitgliedsbetriebe
  • Rückgang von Tradition und Solidarität in Mitgliedschaften
  • Trend zu größeren Betrieben und Spezialisierung

Interne Perspektive

Diskutiert wird die Bildung von drei Landesgruppen (Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein). Kreisgruppen können bestehen bleiben, werden aber vom Zwang ehrenamtlicher Gremien entlastet. Neue Landesgruppen wählen Kreisgärtnermeister und entsenden Delegierte.

Zusätzlich sollen neue Landesfachgruppen "Handel/Vermarktung" sowie "Dienstleistung" entstehen.

Externe Perspektive

Geplant ist eine intensivere Kooperation mit anderen Verbänden. Seit 2005 besteht bereits eine Zusammenarbeit mit dem BdB-Landesverband Schleswig-Holstein. Angestrebt wird ein Regionalverband Gartenbau Nord ab 2011, zusammen mit weiteren Landes- und Fachverbänden.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen fördern nicht die Investitionsbereitschaft. Investitionsaufschub führt zu einem Stau, Modernisierungen werden umfangreicher, Kredite schwieriger zu beschaffen. Wichtig ist eine ausreichende Kreditversorgung durch Institute und Förderbanken. Politik soll einen konsistenten, mittelstandsfreundlichen Kurs finden.

Besondere Herausforderungen einzelner Sparten

Friedhofsgärtner: leiden bundesweit unter dem Wandel der Bestattungskultur. Mit der Imagekampagne "Es lebe der Friedhof!" (Budget: über 1 Mio. €) wurde eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gestartet.

Einzelhandelsgärtnereien: stärken ihre Absatzförderung durch Gemeinschaftsmarketing mit Kampagnen wie "Der Norden blüht auf!", "Viva Balkonia" und "Pflanze des Jahres im Norden". Ergänzt wird dies durch die Qualitätszeichenprüfung "Premium Gärtnerei".

Chancen für den Gartenbau im Norden (bis 2015)

  • Gartenschauen in der Region (LGS Norderstedt 2011, IGS Hamburg 2013)
  • Weiterentwicklung der GVN-Verbandsstrukturen mit neuen Partnern
  • Gemeinschaftsmarketing – "Der Norden blüht auf!" / Pflanze des Jahres im Norden 2010
  • Kompetenzzentrum LK Hamburg – länderübergreifende Kooperation im Versuchswesen und in der Beratung
  • Übernahme eines Ehrenamtes – Persönlichkeitsentwicklung, fachlicher und menschlicher Gewinn

Ausblick

Globalisierung und Konzentration schreiten voran und sorgen für Dynamik. Wichtig wird eine engere Zusammenarbeit der Landwirtschaftskammern und eine stärkere politische Kooperation der norddeutschen Bundesländer. Für Hamburg bedeutet die Errichtung des Kompetenzzentrums am Brennerhof eine Stärkung der heimischen Gartenbaubetriebe. Forschung, Beratung und Ausbildung werden damit ergänzt. Entscheidend bleibt die intensive Zusammenarbeit, die sich aus den Anforderungen des Berufsstandes ableiten muss.

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