Branchenverbände

Norddeutscher Gartenbautag stellt politische Forderungen des Berufsstandes in den Fokus

Der 8. Norddeutsche Gartenbautag in Grevesmühlen stellte zentrale Zukunftsthemen des Erwerbsgartenbaus in den Mittelpunkt. Diskutiert wurden Fachkräftesicherung, Energieeffizienz, Pflanzenschutz sowie die Bedeutung regionaler Produktion und europäischer Interessenvertretung.

Regionale Produktion, Fachkräftesicherung und Energieeffizienz prägen die Agenda der Branche

Der Erwerbsgartenbau aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hat beim 8. Norddeutschen Gartenbautag in Grevesmühlen zentrale Herausforderungen und politische Forderungen der Branche diskutiert. Rund 100 Mitglieder und Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, bei der insbesondere Themen wie Fachkräftesicherung, Energieeffizienz und Pflanzenschutz im Mittelpunkt standen. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Andreas Lohff als Präsident bestätigt

Die Mitglieder des Gartenbauverbandes Nord bestätigten Andreas Lohff mit 90 Prozent Zustimmung erneut im Amt des Präsidenten. Lohff, zugleich Schatzmeister im Zentralverband Gartenbau (ZVG) e.V., tritt damit seine sechste Amtszeit an. Der Verband vertritt rund 400 Mitgliedsbetriebe in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

In seiner Ansprache formulierte Lohff zentrale Eckpunkte der zukünftigen Gartenbaupolitik. Dabei stellte er die Bedeutung regionaler Produktion, die Nachwuchsgewinnung sowie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Betriebe heraus.

Minister Backhaus verweist auf Fördermöglichkeiten

Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommerns, gratulierte Lohff zur Wiederwahl und skizzierte die aktuellen Herausforderungen des Gartenbaus im Land. Gleichzeitig warb er dafür, bestehende Förderprogramme im Rahmen von ELER stärker zu nutzen.

Backhaus begrüßte zudem die Aktivitäten des Berufsstandes zur Fachkräftesicherung und hob die länderübergreifende Kooperation im gartenbaulichen Versuchs- und Beratungswesen in Norddeutschland hervor. Das Projekt besteht seit zehn Jahren und gilt als Erfolgsmodell.

Mitarbeiterzufriedenheit als Erfolgsfaktor

Stephan Meyerding vom Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau der Leibniz Universität Hannover stellte Ergebnisse zur Mitarbeiterzufriedenheit vor. Nach seinen Ausführungen zählt sie zu den wichtigsten Indikatoren sozialer Nachhaltigkeit und beeinflusst unmittelbar die Leistungsfähigkeit der Betriebe.

Die Untersuchung zeigt, dass sich Mitarbeiterzufriedenheit vergleichsweise einfach und kostengünstig erfassen lässt. Gleichzeitig bietet sie Potenziale zur Verbesserung sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit.

Europäische Interessenvertretung gewinnt an Bedeutung

Julia Stark, Europa-Referentin des Zentralverbandes Gartenbau in Brüssel, erläuterte die europäische Interessenvertretung für den deutschen Gartenbau. Im Fokus standen EU-Gesetzgebungsprozesse, politische Einflussmöglichkeiten und aktuelle Schwerpunktthemen der Verbandsarbeit.

Stark verdeutlichte insbesondere die Bedeutung von Netzwerken und Ad-hoc-Koalitionen innerhalb der europäischen Lobbyarbeit. Diese seien entscheidend, um die Interessen der Branche auf EU-Ebene wirksam zu vertreten.

Regionale Produktion und Nachwuchswerbung im Fokus

Lohff sprach sich für eine stärkere Verbraucherkommunikation aus, um die Wertschätzung gärtnerischer Produkte und Dienstleistungen zu erhöhen.

„Es ist höchste Zeit jetzt den Verbraucher zu informieren und Transparenz zu zeigen. Ich glaube daran, dass sich unsere nachhaltige, regionale Produktion bei vielen Verbrauchern durchsetzen kann.“

Als wichtige Maßnahmen nannte er die Aktion „Pflanze des Jahres im Norden“ sowie Saisoneröffnungen in den Betrieben. Diese böten zusätzliche Möglichkeiten, junge Menschen für Ausbildungsberufe zu begeistern und Fachkräfte langfristig zu sichern.

„Nutzen Sie das Material unserer Kampagne für Ihre Nachwuchswerbung vor Ort. Sprechen Sie Ihre Kunden an und nutzen diese als Multiplikatoren für den Ausbildungsberuf Gärtner.“

Pflanzenschutz, Energieeffizienz und Torfreduktion

Weitere zentrale Themen waren die Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung sowie die Sicherung wichtiger Wirkstoffe für die Produktion.

„Wir brauchen dringend die Verfügbarkeit wichtiger Produkte, damit der Gartenbau in Deutschland wettbewerbsfähig bleibt.“

Zudem forderte Lohff die Fortsetzung bestehender Investitionsprogramme zur Energieeffizienz. Die Optimierung des Energieeinsatzes sei seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil betrieblicher Entwicklungsstrategien.

Beim Thema Torfreduktion sprach sich der Verbandspräsident gegen ideologische Debatten aus und forderte praktikable Lösungen für die Betriebe.

„Der Gartenbau kann noch nicht auf Torf verzichten. Eine Reduktion von Torf kann auch vom Gartenbau mitgetragen werden, sofern es einen verlässlichen Fahrplan gibt und produktions- und verbrauchergerechte Alternativen in ausreichendem Maße vorhanden sind.“

Politik soll zusätzliche Belastungen vermeiden

Zum Abschluss erinnerte Vizepräsident Andreas Kröger die Politik daran, der Branche keine weiteren Belastungen aufzuerlegen. Gleichzeitig verwies er auf die Chancen regionaler Produktion und rief die Mitgliedsbetriebe zur aktiven Beteiligung an aktuellen Projekten und Initiativen auf.

06.03.2015

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