Die Grüne Stadt

Klimawandel in Deutschland: Anpassungsstrategien für den GaLaBau

Der Klimawandel stellt den GaLaBau vor große Herausforderungen. Ein aktueller Monitoring-Bericht der Bundesregierung zeigt die Auswirkungen auf und betont die Notwendigkeit von Anpassungsstrategien, insbesondere in urbanen Gebieten. Neue Baumarten und vielfältige Grünflächen sind entscheidend.

Klimawandel in Deutschland: Auswirkungen und Handlungsbedarf

Der erste Monitoring-Bericht der Bundesregierung zu Klimawirkungen und Anpassung, veröffentlicht am 23. Mai 2015, verdeutlicht die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland. Umweltministerin Barbara Hendricks hob hervor, dass der Klimawandel weitreichende Folgen für viele Lebensbereiche hat und eine Anpassung unerlässlich ist.

Der Bericht spricht eine eindeutige Sprache: Klimawandel findet auch in Deutschland statt und er wirkt in viele Bereiche des täglichen Lebens hinein. Die Anpassung an den Klimawandel geht uns daher alle an. Der Bericht zeigt auf, wo wir besonders gefordert sind. So können wir als Bund den Risiken des Klimawandels besser begegnen und gezielt dort aktiv werden, wo sich die Folgen des Klimawandels besonders bemerkbar machen, zum Beispiel in Städten. Beim Hitzewarnsystem sind wir zum Beispiel schon auf einem sehr guten Weg.

Der Bericht identifiziert Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht, um den Folgen des Klimawandels, insbesondere in urbanen Gebieten, zu begegnen.

Handlungsbedarf und Auswirkungen auf die Pflanzenwelt

Der Anstieg der CO2-Konzentration, steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, eine Zunahme von Klimaextremen sowie die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten beeinträchtigen bereits heute die Tier- und Pflanzenwelt in Europa. Ivan Scotti vom französischen Institut für Agrarforschung (INRA) untersucht mittels Modellsimulationen die Entwicklung von Wäldern unter prognostizierten Klimaänderungen. Er stellt fest, dass Baumarten unterschiedlich reagieren, was zu einer veränderten Waldzusammensetzung führen kann.

Besonders früh zeigen sich die Folgen des Klimawandels an Pflanzen an schwierigen Standorten, wie sie in Städten häufig vorkommen. Karl-Friedrich Ley, Vorsitzender des Ausschusses Produktion und Umwelt im Bund deutscher Baumschulen e.V. (BdB), erläutert die Konsequenzen für die Baumschulbranche.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflanzenbestände in Städten und Gemeinden haben längst erhebliche Konsequenzen für die Baumschulbranche. Schließlich dauert es mehrere Jahre, bis ein Alleebaum die notwendige Größe und Stabilität hat, die er für ein Leben am Rand der Straße braucht. Was also in acht oder zehn Jahren gepflanzt werden soll, muss jetzt vermehrt werden. In Baumschulen wird deshalb schon seit Jahren weitsichtig an neuen Sortimenten, Baumarten für die Zukunft, gearbeitet.

Anpassungsmaßnahmen in Kommunen

Der Monitoringbericht der Bundesregierung enthält Empfehlungen für Anpassungsmaßnahmen. Unter der Überschrift „Städtische Grünflächen – Kühlende Oasen“ wird die besondere Verantwortung der Kommunen für das Siedlungsklima betont. Kommunen können positiven Einfluss nehmen, indem sie bestehende Grünflächen erhalten, vernetzen und neues Grün schaffen. Idealerweise sind diese Grünflächen über Ventilationsbahnen an Kaltluftentstehungsgebiete im ländlichen Umland angebunden. Dies wertet die ökologischen Funktionen der Siedlungsgebiete auf und steigert die Lebens- und Wohnqualität in urbanen Gebieten.

Stadtbäume der Zukunft

Der ideale Standort für einen Baum ist dort, wo er sich natürlich ansiedeln und optimale Lebensbedingungen vorfinden würde. Viele städtische Standorte sind dafür nicht geeignet. Kommunen und Bürger legen daher Wert auf die Pflanzung widerstandsfähiger Bäume im urbanen Raum. Dr. Joachim Bauer, Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz, betont die Notwendigkeit einer größeren Vielfalt an Baumarten in Städten.

Wenn die Anforderungen an den Baumstandort in Zukunft weiter zunehmen, so wird es auch darauf ankommen, eine größere Vielfalt an Baumarten in den Städten zu erreichen. Hierzu wird es erforderlich sein, ´neue` Baumarten zu finden, die an die veränderten Bedingungen besser angepasst sind.

Ein Beispiel für die Notwendigkeit dieser Anpassung ist der Großschaden im öffentlichen Grün in Nordrhein-Westfalen durch den Orkan „Ela“ zu Pfingsten. Allein in Düsseldorf gingen rund 30.000 Bäume verloren. Diese Bäume werden in den kommenden Jahren nachgepflanzt, wobei die Stadt verstärkt auf mehr Vielfalt aus der Liste der Zukunftsbäume setzt.

Zu den gepflanzten Arten gehören Amberbaum und Baumhasel, Baummagnolie und Ginkgo, Gleditschie und Hopfenbuche, Japanische Zelkove und Judasbaum, Lederhülsen-, Schnur- und Tulpenbaum. Diese Exemplare erfüllen Kriterien wie lange Lebenserwartung, überschaubaren Pflegeaufwand, Widerstandsfähigkeit und geringes Bruchrisiko. Karl-Friedrich Ley vom BdB unterstreicht die Bedeutung der individuellen Auswahl für den jeweiligen Standort.

Den perfekten Stadtbaum für alle Pflanzorte gibt es auch in Zukunft nicht, je nachdem, ob an der Straße, im Park oder in einer Fußgängerzone gepflanzt wird und auch in Abhängigkeit der Bodensituation und der lokalen klimatischen Verhältnisse, muss der richtige Baum ausgesucht werden. Die deutschen Baumschulbetriebe stehen hier den Kommunen mit einem breiten Sortiment und ihrer Expertise beratend zur Seite. Die Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz sowie die Empfehlungen für Baumpflanzungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. bieten Hilfestellung bei der Auswahl und Pflanzung geeigneter Gehölze für das städtische Grün.

29.05.2015

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