Nachhaltigkeit und Innovation in der Pflanzenzucht
Beet- und Balkonpflanzen sind ein zentrales Element in Gärten, auf Terrassen und Balkonen. Sie bieten nicht nur ästhetischen Wert durch Duft und Optik, sondern können bei entsprechender Auswahl auch eine wichtige Nahrungsquelle für heimische Insekten darstellen. Diese Bedeutung spiegelt sich im anhaltenden Interesse an diesen Pflanzen wider.
Die traditionelle Fachtagung „Beet- und Balkonpflanzen“ fand unter dem Motto „Pflanzen machen (ist) hipp!“ statt. Rund 400 Fachbesucher aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Israel kamen am 4. Juli 2019 in Veitshöchheim zusammen. Ein Schwerpunkt der Tagung war das Thema Modern Farming als potenzielles Zukunftsmodell für Nachhaltigkeit.
Anforderungen an neue Sorten und die Gartenleistungsprüfung
Verbraucher zeigen ein wachsendes Interesse an Pflanzen, insbesondere an sogenannten „Lifestyle-Pflanzen“ wie Gemüse, Snackgemüse, Naschobst und Bienenpflanzen. Dabei legen sie Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität und ökologische Erzeugung. Dies erfordert die Entwicklung neuer Sorten im Gartenbau, die diesen Anforderungen gerecht werden und gleichzeitig robust sowie leistungsstark unter regionalen Klimabedingungen sind.
Wetterextreme wie lange Hitzeperioden mit direkter Sonneneinstrahlung, Trockenstress und Starkregen stellen zunehmende Herausforderungen für Beet- und Balkonpflanzen dar. Auf den Schauflächen der Gartenleistungsprüfung konnten sich die Fachbesucher anhand von über 800 Sorten von deren Vitalität und Blühkraft überzeugen und eine Vorauswahl für das Sommersortiment 2020 treffen.
Indoor-Farming als nachhaltige Anbaumethode
Ein weiterer Fokus der Tagung lag auf nachhaltigen Produktionsmethoden, bei denen der Ressourcenschutz im Vordergrund steht. In diesem Kontext wurde die Frage erörtert, ob Indoor-Farming-Räume ein Zukunftsmodell darstellen könnten. Hannes Seidel, Versuchsingenieur am Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau, wird diese Frage künftig untersuchen.
Im Rahmen der Fachtagung wurde ein neuer LED-Mehrlagen-Kulturraum eingeweiht. Dieser Raum verfügt über neun Regale mit je drei Ebenen und steuerbarer LED-Belichtung. Hier sollen die Auswirkungen verschiedener spektraler Zusammensetzungen auf das Pflanzenwachstum sowie die Bildung von Geschmacks-, Farb-, Duft- und anderen wertgebenden Inhaltsstoffen erforscht werden.
Der Anbau in geschlossenen Innenräumen ermöglicht es, den Schädlings- und Krankheitsdruck bei entsprechenden Hygienestandards zu minimieren. Zudem können Wasser, Bodenfläche und Heizenergie eingespart werden. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, ganzjährig eine gleichbleibend hohe Qualität in der Gemüse- und Zierpflanzenproduktion zu erzielen.
Verleihung des MainStar-Awards
Ein Höhepunkt der Fachtagung war die Verleihung des „MainStar-Awards“. 26 blühende Pflanzen traten in den Kategorien Blütenvielfalt, Vitalität und Konsumentenfreundlichkeit gegeneinander an. Rund 200 Zierpflanzen-Spezialisten beteiligten sich an der Wahl.
Der Sieger des Jahres 2019 ist die Power-Strohblume Xerochrysum 'Granvia Gold' (MNP flowers). Diese Pflanze überzeugte durch ihren kraftvollen Wuchs und goldgelbe Blüten und zieht zudem Bestäuberinsekten sowie Schmetterlinge an.
Den zweiten Platz belegte die buntblättrige Blattschmuckpflanze Plectranthus scutellarioides 'Stained Glassworks Spacecake' (Dümmen Orange), ein Coleus. Der dritte Platz ging an Senecio candicans 'Angel Wings' (Kientzler) mit ihren silberfarbenen, samtig weichen Laubblättern.

