Die Grüne Stadt

Biologische Vielfalt in Städten: Von der nationalen Strategie zum lokalen Handeln

Städte stehen vor der Herausforderung, die Vielfalt von Lebensräumen, Pflanzen und Tieren zu erhalten. Ein Projekt des IÖR unterstützt Kommunen dabei, den Schutz der biologischen Vielfalt fest in ihre Planungen zu integrieren und die Attraktivität der Städte zu steigern.

Nationale Vorgaben und ihre lokale Umsetzung

Im November 2007 verabschiedete das Bundeskabinett die „Nationale Strategie für biologische Vielfalt (NBS)“. Diese Strategie umfasst rund 330 Zielvorgaben und 430 konkrete Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Umsetzung dieser Vorgaben obliegt unter anderem den Städten auf lokaler Ebene. Obwohl viele Kommunen bereits Ansätze zum Schutz der biologischen Vielfalt verfolgen, mangelt es oft an übergreifenden Strategien, die das gesamte Stadtgebiet und insbesondere die Innenbereiche berücksichtigen. Das Projekt „Städtische Grünstrukturen für biologische Vielfalt“ soll hier Abhilfe schaffen.

Flächenkonkurrenz und strategische Integration von Grünflächen

Ein zentrales Problem in Städten ist die Konkurrenz um Flächen. Fragen der Begrünung und der biologischen Vielfalt treten häufig in den Hintergrund, wenn über die Nutzung knapper Flächen in den Innenstädten entschieden wird.

Der Schutz der biologischen Vielfalt müsste in diese Planungsprozesse von vornherein fest integriert sein. Nur so kann er wirklich strategisch im gesamten Stadtgebiet umgesetzt werden.

Dies erläutert Projektleiterin Dr. Juliane Mathey vom IÖR. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts Umwelt und Wohnen (IWU) in Darmstadt, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sowie Mitarbeitern der Städte Bielefeld und Heidelberg werden Wege gesucht, diese Integration zu realisieren.

Vorteile für Mensch und Natur durch urbane Grünräume

Ein Ansatzpunkt könnte sein, den Schutz der biologischen Vielfalt aus der Perspektive des Menschen zu betrachten. Die Nationale Strategie für biologische Vielfalt spricht in diesem Zusammenhang von „urbanen Landschaften“. Damit sind vielfältige und miteinander vernetzte Grünflächen gemeint, die zur Verbesserung der Luftqualität und des Stadtklimas beitragen. Sie bieten den Stadtbewohnern Raum für Sport, Erholung und Naturerlebnisse und erhöhen die Attraktivität des städtischen Lebens. Solche gut vernetzten Grünflächen sind auch für den Schutz der biologischen Vielfalt in Städten von Bedeutung.

In den Umweltämtern der Kommunen ist das Wissen um diese Vorteile für Mensch und Natur vorhanden. Wichtig ist es, auch andere Bereiche der Stadtverwaltungen zu sensibilisieren und die Themen strategisch in den Planungen zu verankern.

Dr. Juliane Mathey betont die Notwendigkeit, dieses Wissen breiter zu streuen. Die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Bielefeld und Heidelberg soll zeigen, wie dies gelingen kann. Beide Kommunen erarbeiten mit wissenschaftlicher Unterstützung Eckpunkte für ihre Strategien zum Schutz der biologischen Vielfalt.

Entwicklung von Leitlinien und konkreten Maßnahmen

Im Rahmen des Projekts werden konkrete Maßnahmen entwickelt und in ausgewählten Erprobungsräumen umgesetzt. Die Ergebnisse sollen in Leitlinien münden, die auch anderen Kommunen bei der Entwicklung von Strategien für das gesamte Stadtgebiet und insbesondere für den Schutz der biologischen Vielfalt in dicht bebauten Innenstädten helfen. Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.

02.11.2015

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