Herausforderungen und Bedeutung der Landwirtschaft in Deutschland
Die Landwirtschaft stellt einen Wirtschaftszweig von existenzieller Bedeutung dar. Gleichzeitig war der Sektor in den vergangenen Jahren erheblichen Belastungen ausgesetzt, was den Handlungsdruck für eine zukunftsfeste Landwirtschaft erhöht. Dies geht aus den Zahlen und Statistiken des Agrarpolitischen Berichts der Bundesregierung hervor, den das Bundeskabinett auf Vorlage von Bundesminister Cem Özdemir gebilligt hat.
Im Jahr 2020 erwirtschafteten laut Landwirtschaftszählung fast eine Million Menschen in der Landwirtschaft Waren im Wert von 50 Milliarden Euro. Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft sowie der vor- und nachgelagerten Bereiche belief sich auf knapp 218 Milliarden Euro. Auch für den Arbeitsmarkt ist die Ernährungswirtschaft von großer Bedeutung. Im Jahr 2021 waren hier rund 4,4 Millionen Menschen beschäftigt, was etwa jedem zehnten Arbeitsplatz in Deutschland entspricht.
Mein großer Dank gilt den Landwirtinnen und Landwirten und den Betrieben der Ernährungswirtschaft, die mit ihrer Arbeit unsere Ernährung mit einer großen Vielfalt an hochwertigen Lebensmitteln sichern. Unser Bericht zeigt die Leistung, die jeder Hof tagtäglich für uns erbringt – trotz der gravierenden Folgen der Corona-Pandemie, des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine oder der Klimakrise.
Die Landwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem Veränderungsprozess, der die Betriebe teils erheblich fordert. So sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen 2010 und 2020 um 36.100 auf 262.800. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verlust von etwa zehn Betrieben pro Tag und jedem siebten Arbeitsplatz. Besonders betroffen war der Bereich der Tierhaltung.
Allein die Zahl der Schweine haltenden Betriebe hat sich in diesem Zeitraum von rund 6.000 auf 3.200 fast halbiert. Der Bericht verdeutlicht, wie stark insbesondere die Landwirte in den vergangenen Jahren unter Druck standen. Die Einkommen schwankten über die Jahre teilweise stark, was für die Betriebe mit Planungsunsicherheit verbunden war. Die Politik hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen so krisenfest wie möglich zu gestalten, damit die Betriebe erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können.
Unser Bericht legt offen, dass die Politik des ‚Wachse oder Weiche‘ einen starken Strukturwandel befeuert hat. Viel zu viele Höfe mussten aufgeben. Unsere Landwirtinnen und Landwirte sind zu Veränderungen bereit, brauchen aber Planungssicherheit. Mein Ministerium unterstützt dabei, Schützen und Nutzen in Einklang zu bringen. Getreu der Maxime: die Gewinne von heute dürfen nicht auf Kosten unserer Zukunft gehen.
Der Bericht beleuchtet auch die sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So sank der Pro-Kopf-Verzehr von Schweinefleisch zwischen 2010 und 2020 von etwa 40 auf knapp 33 Kilogramm. Im Jahr 2022 waren es nur noch 29 Kilogramm. Immer mehr Menschen möchten wissen, wo und wie die Tiere gehalten wurden, von denen das Fleisch stammt. Sie wünschen sich die Möglichkeit, durch ihre Entscheidungen zu positiven Veränderungen beizutragen. Dies gilt insbesondere für jüngere Generationen, die ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Gesundheit und Umwelt entwickeln.
Indem wir eine zukunfts- und krisenfeste Tierhaltung auf den Weg bringen, die zugleich wertvolle Wirtschaftskreisläufe schließt, reagieren wir auch auf diese gesellschaftliche Entwicklung. Die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung ist beschlossen. Wir regeln die Herkunftskennzeichnung soweit wie möglich auf nationaler Ebene und setzen uns für EU-weite Standards ein. Wir haben die Finanzierung einer zukunftsfesten Tierhaltung auf den Weg gebracht. Wir wollen auch den Menschen gerecht werden, die weniger oder kein Fleisch essen wollen. Unsere Eiweißpflanzenstrategie ist eine große Chance für unsere heimische Landwirtschaft. Wir nehmen alle Bedürfnisse ernst und schaffen echte Wahlfreiheit.
Für eine zukunfts- und krisenfeste Produktion setzt die Bundesregierung auf einen Bio-Anteil von 30 Prozent bis 2030. Damit werden Landwirte unterstützt, das Schützen und Nutzen von Ressourcen besser in Einklang zu bringen. Gleichzeitig machen sich Betriebe so unabhängiger von teuren und energieintensiven Produktionsmitteln. Dies zahlt sich nicht nur ökonomisch für die Höfe aus, sondern trägt auch dazu bei, dass die Lebensmittelpreise der Inflation besser standhalten.
