Dünger und Substrate, Pflanzen und Pflanzenteile

Verwendung von Altziegeln in Dachsubstraten wieder zugelassen

Ab 2013 dürfen Altziegel wieder in Dachsubstraten verwendet werden. Die Novellierung der Düngemittelverordnung beseitigt frühere Blockaden und fördert die Nutzung von Recyclingmaterialien. Dies unterstützt die Schonung primärer Rohstoffe und eine nachhaltige Produktion.

Hintergrund der Wiederzulassung durch Bundesratsbeschluss

Die Novellierung der Düngemittelverordnung (DüMV) ermöglicht ab Anfang 2013 wieder die Verwendung von Altziegeln zur Herstellung von Dachsubstraten. Diese Neuregelung beseitigt Unklarheiten in der Formulierung der Verordnung, die seit Dezember 2008 die Nutzung von Altziegeln als mineralischen Zuschlagstoff in Dachsubstraten blockiert hatte.

Dachsubstrate, die Ziegel als Hauptbestandteil enthalten, zeichnen sich durch hervorragende Materialeigenschaften aus, die in zahlreichen Untersuchungen bestätigt wurden. Die ursprüngliche Blockade stand im Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung, primäre Rohstoffe zu schonen und durch Recyclingmaterialien zu ersetzen.

Die Situation entstand durch eine grundsätzliche Umstellung der DüMV im Dezember 2008. Während zuvor alle Materialien zugelassen waren, die nicht explizit verboten wurden, dürfen seither nur noch die in der DüMV genannten Materialien eingesetzt werden. Diese Regelung sollte verhindern, dass als Dünger deklarierte Stoffe, die eigentlich entsorgt werden sollten, verwendet werden.

Dachsubstrathersteller wie ZinCo, die mineralische Anteile ihrer Substrate aus dem Baustoffrecycling bezogen, mussten ihre Produktion umstellen. Dies führte dazu, dass teilweise auf natürliche Ressourcen oder nicht ausreichend verfügbare Ziegel-Produktionsreste zurückgegriffen werden musste, was der Firmenphilosophie einer dezentralen Herstellung mineralischer Komponenten widersprach.

Die Einbindung der Düngemittelindustrie über ihre Lobby-Verbände war zwar vorgesehen, jedoch war den Dachsubstratherstellern und dem wissenschaftlichen Beirat nicht bewusst, dass Dachsubstrate ebenfalls unter die Regelungen der DüMV fallen würden. Daher waren sie an der Erstellung der Verordnung nicht beteiligt.

ZinCo setzte sich daraufhin für die Wiederzulassung von Ziegeln aus dem Baustoffrecycling ein. Dies führte zu einer Überarbeitung der Verordnung, die aufgrund vieler weiterer Änderungswünsche in einer komplett neuen Verordnung mündete. Dieser Prozess dauerte vier Jahre.

Der Bundesrat hat mit Beschluss vom 2. November 2012 die Verwendung von Ziegeln aus dem Baustoffrecycling, sogenannten Altziegeln, wieder freigegeben. Die Begründung hierfür lautet:

[cite_start]Die inhaltlichen Erweiterungen sollen insbesondere auch die Verwendung weiterer geeigneter Stoffe als Düngemittel ermöglichen, die knappe primäre Nährstoffe substituieren können[cite: 20].

Diese Entscheidung bestätigt die Strategie von ZinCo aus dem Jahr 1990, nicht ausschließlich auf natürliche Ressourcen wie Lava zu setzen, die in Deutschland nur in der Eifel vorkommt und lange Transportwege verursacht. Dezentral verfügbare Altziegel, beispielsweise aus Dachumdeckungen oder Ziegelmauerbruch, bieten zusätzliche Vorteile.

Vorteile von Ziegeln in Dachsubstraten

Dachsubstrate mit Ziegeln als Hauptbestandteil weisen in Untersuchungen hervorragende Eigenschaften und Wuchsergebnisse auf. Das aus Ziegelbruch hergestellte Mineralsubstrat Zincolit zeichnet sich durch eine hohe Wasserspeicherfähigkeit bei gleichzeitig hoher Luftkapazität aus. Die gute Kapillarität fördert den Wassertransport und sichert die Wasserversorgung der Pflanzen.

Das Puffervermögen des Materials verhindert ein starkes Absinken des pH-Wertes über die Jahre. Zudem ist Zincolit lagestabil, erosionssicher und frostbeständig. Die Verwendung von Ziegeln als Ausgangsstoff für Kultursubstrate ist gemäß DüMV an bestimmte Qualitätsanforderungen gebunden:

  • Es darf nur sortenrein erfasster, aufbereiteter Tonziegel ohne losen oder anhaftenden Mörtel oder Beton eingesetzt werden.
  • Die Verwendung von beschichtetem Material ist nur bei inerten Engoben oder Glasuren erlaubt, die der Produktnorm DIN EN 1304 entsprechen.

Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement

Die Bundesregierung hat mit Initiativen wie „ProgRess“ eine umfassende Strategie zur nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen entwickelt. Auch das Land Baden-Württemberg fördert die Akzeptanz von Recycling-Baustoffen und bekennt sich zu einer nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung. Mit dem Inkrafttreten der novellierten Düngemittelverordnung, voraussichtlich im Dezember 2012, ist der Weg für eine ökologische und ökonomische Dachsubstrat-Produktion aus Altziegeln geebnet.

21.11.2012

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