Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der DLG-Ausschuss für Forstwirtschaft diskutierte im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung auf der DLG-Wintertagung in München Strategien für eine wirkungsvolle Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen im Wald.

Bei seiner Einführung stellte der stellvertretende Ausschussvorsitzende, Dr. Frederick Volckens vom Betriebswirtschaftlichen Büro Göttingen, grundsätzliche Gedanken zur Nachhaltigkeit, die sich auf drei Ebenen begründet - der sozialen, der ökologischen und der ökonomischen - in den Mittelpunkt. In der öffentlichen Wahrnehmung wird derzeit die ökologische Ebene zu Lasten der beiden anderen überproportional gewichtet. Vor dem Hintergrund dieses Ungleichgewichtes stellt sich für den Waldbesitz einmal mehr die Frage nach der Zumutbarkeitsgrenze für die politisch gewollten, wachsenden Einschränkungen der Bewirtschaftung.

Vertragsnaturschutz betrieblich bewerten

Prof. Dr. Bernhard Möhring von der Universität Göttingen griff in seinem Vortrag diese Aussage auf und stellte klar, dass die wachsenden gesellschaftlichen Forderungen nicht mehr als Koppelprodukt der Holzproduktion gesehen werden können. Die Erbringung zusätzlicher spezieller Natur- und Umweltschutzleistungen über die ordnungsgemäße, naturnahe Forstwirtschaft hinaus verursacht Kosten und jährliche Ertragsverluste, die es angemessen zu kompensieren gilt. "Vertragsnaturschutz" bietet sich hierfür als durchaus geeignetes Instrument des Interessensausgleiches an.

Unter der inoffiziellen Bezeichnung "Vertragsnaturschutz" versteht man jede freiwillige Verpflichtung eines Grundeigentümers oder Nutzungsberechtigten, gegen angemessenen Nachteilsausgleich bei der Bodennutzung bestimmte Maßnahmen im Interesse des Naturschutzes zu treffen, zu unterlassen oder zu dulden.

Im Vergleich zu ordnungsrechtlichen Maßnahmen bietet Vertragsnaturschutz mehrere Vorzüge: Rollenwechsel: Statt konfliktbeladener hoheitlicher Maßnahmen > aktive Leistungserbringung (ökologische Dienstleistung für die Gesellschaft). Entgelt schafft Akzeptanz und Anreize (Effizienz). Freiwilligkeit gewährleistet unternehmerisches Handeln (marktkonforme Lösung).

Als Grundlage für eine vertragliche Regelung des gebotenen finanziellen Ausgleiches ist eine methodisch saubere betriebliche Bewertung unverzichtbar, zumal in der Praxis (bei Politik, Verwaltungen und Betrieben) verbreitet Unsicherheit über die betriebswirtschaftliche Dimension dieser Nutzungseinschränkungen besteht.

Der jährliche Ertragsverlust besteht aus der Differenz der realisierbaren Erträge bei nachhaltiger, erwerbswirtschaftlicher (Referenz) und bei speziell naturschutzfachlicher Bewirtschaftung, umgewandelt in jährliche Zahlungsströme. Dieser Ertragsverlust entspricht dem Mindest-Ausgleichsbetrag! Aufgrund zusätzlicher Erschwernisse und als positiver Anreiz sollte aber "der Flicken größer sein als das Loch". Möhring präsentierte deshalb mit anschaulichen Beispielen Bewertungskonzepte zur Herleitung der bewirtschaftungsbedingten Ertragsdifferenz für Einzelbäume (z.B. durch Erhalt hiebsreifer Einzelbäume) und bestandesweiten Nutzungsbeschränkungen (z.B. durch Erhöhung der Umtriebszeit, Verzicht auf Anbau ertragsstarker Nadelholzbestockungen etc.).

Zusammenfassend verwies Möhring darauf, dass die Bewertungsprobleme lösbar seien und mit dem Vertragsnaturschutz ein geeignetes, flexibles Werkzeug zur praktischen Umsetzung zur Verfügung steht. Ob allerdings auch der politische Wille besteht, die notwendigen finanziellen Mittel zum Ausgleich bereitzustellen, ließ er offen.

Schützen durch Nützen - der bayerische Ansatz

Wie es in der Realität tatsächlich aussieht und welche eigenen Wege in Bayern gegangen werden, stellte Barbara Weindler vom Bayerischen Waldbesitzerverband vor. Während die Bundesstrategie zur biologischen Vielfalt das Ziel verfolgt, auf 5 % der Waldfläche bzw. 10 % der öffentlichen Waldfläche eine natürliche Entwicklung anzustreben und zusätzlich 2 % der Bundesfläche als Wildnisgebiete auszuweisen, wird in Bayern ein anderer Weg verfolgt: Schützen durch Nützen! Bayern strebt integrative Konzepte an, die Schutz und Nutzung im Rahmen der nachhaltigen Landnutzung berücksichtigen und mit netzartigen Verbundstrukturen besondere Lebensraumelemente verbinden. Dabei wird ein kooperativer Weg des Naturschutzes verfolgt - die Umsetzung soll vorrangig auf freiwilliger Basis erfolgen.

Auch in Bayern gibt es Anteile von nicht bewirtschafteten Waldflächen, wie z.B. in den Kernzonen der Biosphärenreservate, den Nationalparks oder in Naturwaldreservaten sowie Waldflächen, die aufgrund ihrer Lage oder Eigentümerinteressen nicht bewirtschaftet werden. Eine undifferenzierte pauschale Flächenstilllegung wird aber abgelehnt.

Weindler erläuterte, dass bereits heute Wälder einen hohen Beitrag zu Artenvielfalt und Naturschutz leisten. Untersuchungen belegen, dass Wirtschaftswälder eine hohe Artenvielfalt und Strukturdichte aufweisen. Sieht man von den an Totholz gebundenen Lebensgemeinschaften ab, bieten insbesondere gemischte Wirtschaftswälder mit ihrer Baumartenmischung und Schichtung, mit dem Wechsel von besonnten und beschatteten, feuchten und trockenen Bereichen und dem Angebot an Kleinstrukturen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Weitere relevante Strukturen können Totholz und Biotopbäume sein, die in den nachhaltig bewirtschafteten Wäldern integriert werden können. Durch integrative Konzepte können alle Funktionen unserer Wälder im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft erfüllt werden. Eine nachhaltige Nutzung und Biodiversität sind demnach kein Widerspruch!

Um diesen Weg zu verwirklichen, gibt es verschiedene Förderinstrumente, wie der erläuterte Vertragsnaturschutz oder auch durch Maßnahmen im Rahmen der waldbaulichen Förderung. Insbesondere beim VNP Wald stehen aber derzeit Aufwand und Kosten in keiner Relation zu den Fördersätzen. Alternativ kann für Betriebe die Anerkennung im Rahmen der Bayerischen Kompensationsverordnung als Ökokontomaßnahme lukrativ sein.

In der abschließenden, sehr regen Diskussion sowie im Schlusswort vom Ausschussvorsitzenden, Rupprecht Freiherr von Reitzenstein von der Boscor Forst GmbH in Issigau, wurden nochmals die konkreten Probleme aus Sicht der Waldbesitzer deutlich: Es gibt sowohl das Know-how als auch mit dem Vertragsnaturschutz und Förderprogrammen geeignete Werkzeuge zur Umsetzung von mehr Naturschutz im Wald. All diese Werkzeuge taugen aber nichts, wenn die Mittel fehlen oder Zusagen unter haushaltsrechtlichem Finanzierungsvorbehalt gemacht werden. Die Glaubwürdigkeit der Politik zeigt sich in den tatsächlichen Haushaltsansätzen. Aber auch bei gefüllten Töpfen besteht, wie negative Erfahrungen aus dem Kreis der Zuhörer belegen, breites Misstrauen gegenüber den Naturschutzbehörden und -verbänden. Es besteht die Sorge, dass vertragliche Regelungen als Einstieg in spätere Vollschutzmaßnahmen missbraucht werden. Der Naturschutz wird deshalb von vielen noch nicht als seriöser Vertragspartner empfunden. Es ginge leider oftmals weniger um die Sache als um die Vorherrschaft im Wald.

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