Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Diese Frage diskutierten 150 Wald-, Holz- und Nachhaltigkeitsexperten im Zweiten Forum Zertifizierung von PEFC Deutschland in Heidelberg und lieferten viele wertvolle Anregungen.

Rund 150 Teilnehmer verfolgten intensiv die Diskussionen und Beiträge des zweiten PEFC-„Forum Zertifizierung“ im Alten Hallenbad in Heidelberg. (© PEFC Deutschland)

Zwei Wege – ein Ziel: PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes) und FSC (Forest Stewardship Council) stellen mit dem Instrument der Wald-zertifizierung in vielen Teilen der Welt eine nachhaltige bzw. verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung sicher. Waldbesitzer, Holz- und Papierindustrie, Handel oder Verbraucherorganisationen betonen stetig die Vor-, aber auch die Nachteile, die die Existenz zweier Systeme mit dem gleichen Ziel mit sich bringt. Das zweite PEFC-„Forum Zertifizierung“ lud am 4. Juli 2018 ein, folgende Fragen zu diskutieren: Wäre eine gegenseitige Anerkennung von PEFC und FSC überhaupt möglich? Falls ja, unter welchen Umständen? Und wer profitiert davon?

Einleitend dankte Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Vorsitzender von PEFC Deutschland, FSC Deutschland für die Teilnahme und Mitwirkung. Namentlich FSC-Geschäftsführer Dr. Uwe Sayer brachte sich im Folgenden in die Veranstaltung ein. Bitter machte plausibel, dass es für beide Organisationen lohnenswert sei, auszuloten, welche Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede von den Fachzielgruppen sowie vom Endverbraucher gesehen, honoriert oder kritisiert werden.

Durch den Einsatz einer Smartphone-App führte der deutsche PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers ein Vorab-Meinungsbild der 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer herbei. Dies ergab unter anderem, dass zwei von drei Befragten die Anerkennung für wünschenswert und sinnvoll halten, angesichts der eher eingeschränkten Praktikabilität der Anerkennung aber auch kein Problem mit zwei getrennten Systemen haben.

Der erste Impulsvortrag kam vom Moderator Dr. Stefan Rösler, Berater von oecoach und ehem. NABU-Landesvorsitzender BW. Er erläuterte zentrale Begriffe wie Konkurrenz, Konfrontation und Ko-operation. Nach seiner Einschätzung fördert Konkurrenz die Entwicklungsdynamik und Innovation.

Anliegen vergleichbar, Art und Weise jedoch unterschiedlich

Dr. Michael Berger, stellvertretender Geschäftsführer des PEFC Councils International, und Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer von FSC Deutschland, eröffneten den direkten Dialog der Zertifizierungsorganisationen. Sie erörterten die Frage: „Ein Ziel – zwei Systeme – welche Wirkung?“ Sayer stellte die Grundanliegen als „sehr vergleichbar“ dar, sah jedoch im Antrieb und den Motiven grundsätzliche Unterschiede, was sich bereits bei der Gründung der Systeme offenbart habe: Die Agenda von FSC werde insbesondere von den NGOs vorgegeben. Berger benannte die Mission, die Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, als Gemeinsamkeit. Der gewünschte Effekt stelle sich aber nur mit der überzeugten Mitwirkung der Waldeigentümer ein.

Die Wirkung – und zugleich den eigenen Erfolg – am Zuwachs der zertifizierten Fläche und am Zugewinn von Marktanteilen zu messen, stehe, so Sayer, nicht auf der strategischen Agenda von FSC. Es gehe FSC vielmehr darum, Themen, Inhalte und Standards in die gute fachliche Praxis zu überführen und als ideelles Erbe zu hinterlassen. Berger betonte die Wichtigkeit, auch möglichst viele kleine Waldbesitzer über einen entsprechenden Regionenansatz und ein akzeptables Kostenmodell zur Zertifizierung zu bewegen.

Vergleich der beiden Systeme in der Forstpraxis

Eine angeregte Diskussion über die forstbetriebliche Dimension einer Forstzertifizierung führten Susann Biehl, Referentin Forsten beider Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit 8.000 Hektar kleinstrukturiertem PEFC-zertifizierten Kirchenwald, Bernhard Rückert, Leiter der FSC-zertifizierten Forstverwaltung der Stadt Lohr am Main, und Dr. Ernst Baader, Leiter des Landschafts- und Forstamtes der Stadt Heidelberg, Inhaberin eines FSC- und eines PEFC-Zertifikates.

Schnell einig wurden sich die Diskutanten in der Frage des Nutzens der Zertifizierung als Nachhaltigkeitsnachweis durch unabhängige Dritte. Und auch dieser These konnten alle zustimmen: Es ist „egal“, ob FSC oder PEFC zum Zuge komme, solange das Nachhaltigkeitsregelwerk vor Ort selbst mit Leben gefüllt wird. Interessant war, wie situationsgebunden die jeweilige Entscheidung für ein (oder zwei) Siegel bei den Waldbesitzern ausfiel. Aufgrund pragmatischer und kostenorientierter Gründe passte PEFC besser zur Kirchenwald-Struktur, während die Stadt Lohr wegen ihrer grundsätzlichen Entscheidung gegen jegliche Pestizide sich bei FSC besser aufgehoben fühlte. In Heidelberg bildete die Doppelzertifizierung den Königsweg, weil eine sehr engagierte Bürger- und Studentenschaft für beide Systeme ein Für und Wider reklamierte.

Holzindustrie im Spannungsfeld zwischen Ressourcenverfügbarkeit und Nachfrage

Zu einem schnellen Konsens in der Anerkennungsfrage fanden die Vertreterin des Holzhandels und die Vertreter der Holzindustrie. Sie alle bekannten sich zu kontrolliertem, nachhaltigem Holz, bezeichneten eine zusätzliche Marktverengung durch detailverliebte Unterschiede in den Standards, die dem Gesamtanliegen nicht dienten, als geschäftsschädigend. Für die Sägeindustrie sprach Thomas Kayser, Verkaufsleiter HOLZ-JOKI. Er wünschte sich, dass PEFC und FSC von Dritten so eingestuft würden wie TÜV und Dekra bei der KFZ-Prüfung. Dr. Katharina Gamillscheg, stellv. Geschäftsführerin des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel, regte an, die Idee der gegenseitigen Anerkennung äußerst pragmatisch außerhalb des Waldes weiterzuverfolgen – die Waldzertifizierung anzugleichen, hielt sie für naiv. Carsten Huljus, CEO Sustainable Biomass Program, stimmte ihr zu und stellte dar, wie es seiner Organisation gelungen sei, im Biomassebereich einen Dachstandard unter Einbeziehung der PEFC- und FSC-Zertifizierung herzustellen. Alexander Kolb, Geschäftsführer Nolte Holzwerkstoff, und Mathias Reich, Regional Manager International Paper, kritisierten die negativen Auswirkungen, die entstünden, wenn der Markt die Systeme auseinanderdividiert und einseitig Rohstoffe eines bestimmten Systems verlange.

Haben die Labels eine gemeinsame Perspektive als Marketing-Instrument?

„Denken Sie kooperativ, bilden Sie eine Themenallianz!“, forderte Georg Abel, Geschäftsführer von Die Verbraucher-Initiative, die Zertifizierungsorganisationen auf. Die Frage laute nicht, „FSC oder PEFC?“ sondern „nicht-zertifiziertes oder zertifiziertes Holz“. Wie es gemeinsam gelingen könne, die Nachfrage nach nachhaltigem Holz mit Label zu steigern, diskutierten mit ihm Andreas Winterer, Chefredakteur von utopia.de („positive Stories fehlen“), Imme Schäfer, PR-Verantwortliche im Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V. („Label emotional aufladen“), und Gordon Sommer von der Kreativagentur SOMMER+SOMMER („Zeichennutzer einspannen“). Sie stimmten überein, dass beide Labels ihre Bekanntheit beim Verbraucher steigern könnten, wenn sie konsequent dessen Perspektive einnähmen. Sie rieten an, einfach, plakativ und mit bekannter Symbolik aufzutreten, weil der reizüberflutete Kunde nur wenig Zeit habe, Botschaften (z. B. auf der Produktverpackung) zu entschlüsseln. Zudem lohne es sich, auf Konsumtrends wie Regionalität zu achten.

Gründerväter: Verbindendes herausstellen, gemeinsam gegen globale Waldvernichtung

Ein moderiertes Gespräch führten abschließend zwei Gründerväter der 1993 (FSC) bzw. 1999 (PEFC) gegründeten Systeme. Heiko Liedeker, Geschäftsführer der Leading Standards GmbH, erlebte die Anfänge der Zertifizierung als WWF-Waldreferent und arbeitete 2001 bis 2008 als Geschäftsführer bei FSC International. Der Impuls für die Gründung von FSC sei, so Liedeker, von einigen großen Unternehmen ausgegangen, die beim Holzeinkauf Sicherheit brauchten – nicht von den Umweltverbänden. PEFC habe anfangs folgende Erkenntnis zugrunde gelegt: Überall dort, wo Eigentumsverhältnisse gesichert sind, geht es dem Wald gut – überall dort, wo sie unsicher sind, gibt es Probleme mit Waldzerstörung, Raubbau, illegalem Einschlag, erinnerte sich Marian Frhr. von Gravenreuth, Vorsitzender von PEFC Deutschland von 1999 bis 2005. PEFC habe die Vereinsgründung deshalb bewusst mit den Waldbesitzern vollzogen. Von Gravenreuth und Liedeker appellierten an die heute Verantwortlichen, das Verbindende fortan stärker in der Öffentlichkeit herauszustellen, um die verheerende Waldvernichtung endlich mit gemeinsamen Kräften zu stoppen.

Am Ende des sechsstündigen Programms blieb das sichere Gefühl, dass ein offenes Miteinanderreden viel für den Gedanken der Zertifizierung bringen kann. Das Zweite Forum Zertifizierung lieferte jedenfalls viele Anregungen für kooperative Ansätze – mit einem (noch) nicht näher fassbaren Ergebnis.

 

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