Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Gartenbau muss sich auf Klimaveränderungen einstellen, steht dabei aber nicht allein da. Das wurde bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG) im Rahmen des Deutschen Gartenbautages 2019 am 6. September in Neckarsulm deutlich.

Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG)

Zum Auftakt der Vortragsreihe und Podiumsdiskussion verwies ZVG-Präsident Jürgen Mertz auf die Wetterkariolen der vergangenen beiden Jahre. Bereits jetzt sei klar, dass die Betriebe neue Strategien brauchen. „Die alten Rezepte greifen nicht mehr“, so Mertz. Lösungsansätze gibt es bereits heute, mit denen müsse sich die Branche auseinandersetzen.

Wetterexperte und Buchautor Frank Böttcher zeigte die Bandbreite der Klimaveränderungen auf. Er bestätigt die Zunahme von Hitzewellen und Temperaturrekorde über das ganze Jahr bei gleichzeitiger Zunahme von Starkregenereignissen. Strenge Fröste blieben dennoch nicht aus. Böttcher sprach sich unter anderem für mehr Grün in den Städten aus, da Grünflächen mit der Verdunstung für Kühlung sorgten und die Erwärmung der Bausubstanz verhinderten. Allerdings müssten die verwendeten Pflanzen auch sehr trockenresistent sein. Großes Zukunftspotential sieht der Meteorologe in vertikalen Grünflächen.

Auf die Anpassung und Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen durch die veränderten klimatischen Bedingungen ging Dr. Ute Vogler vom Julius Kühn-Institut ein. Neben neuen Schädlingen verlangen auch herkömmliche Schadorganismen angepasste Bekämpfungsstrategien, da sich die Phänologie der Kulturpflanzen und das Auftreten der Schaderreger verschiebt.

Prof. Jana Zinkernagel, von der HS Geisenheim University stellte mögliche Szenarien der Wasserversorgung beim Freilandgemüse vor. Besonders dramatisch sei hier, dass Wassermangel bei Gemüsekulturen nicht zur Ertragsreduktion, sondern rasch zum Totalausfall der Ernte führe. Abhilfe könnten ein früherer Aussaat- bzw. Pflanztermine bringen, allerdings nicht bei allen Gemüsearten. Für Kulturen mit späterem Anbauzeitpunkt werden sich veränderte Vegetationsperioden dagegen nicht positiv auf den Bewässerungsbedarf auswirken.

Von neuen strategischen Partnerschaften in der Zierpflanzenzüchtung berichtete Thomas Bousart vom Züchtungsunternehmen Dümmen Orange. Die neuen Herausforderungen könnten von den Unternehmen nicht alleine gelöst werden, betonte der Unternehmer. Verschiede Partner könnten aber mit ihren individuellen Kernkompetenzen gemeinsam einen großen Beitrag leisten.

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