Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Im Gemüsebau sind Unkräuter keine gern gesehenen Gäste: Sie konkurrieren mit der Gemüsepflanze um Nährstoffe, Wasser und Sonnenlicht und mindern den Ertrag. Am TFZ haben Forscher ein aufspritzbares Mulchmaterial für den Gemüsebau entwickelt, das Unkräuter am Wachsen hindert, aus natürlichen Rohstoffen besteht und sich nach dem Gebrauch rückstandsfrei abbaut. Die Forschungsergebnisse hat das TFZ nun im Bericht Nr. 84 veröffentlicht.

Das TFZ in Straubing hat ein spritzbares Mulchmaterial entwickelt, das Plastikfolien und Herbizide im Gemüsebau ersetzen kann (Bild: TFZ).

Im konventionellen Gemüsebau kommen üblicherweise Herbizide zur Unkrautbekämpfung zum Einsatz. Unkräuter können aber auch durch Mulchfolien aus Kunststoff oder mechanische Verfahren am Wachsen gehindert werden. Dr. Edgar Remmele, Abteilungsleiter Erneuerbare Kraftstoffe und Materialien am TFZ, forscht mit seinem Team daran, Herbizide und Plastikmüll zu vermeiden. Angelehnt an das sogenannte Mulchen, bei dem der Boden mit organischen Stoffen bedeckt wird, um das Wachstum von Unkräutern zu unterdrücken, entwickelten die Wissenschaftler ein spritzbares Mulchmaterial aus Nachwachsenden Rohstoffen. Es besteht größtenteils aus Wasser, Pflanzenöl und natürlichen Gelier- und Bindemitteln.
 
In Zusammenarbeit mit dem Landmaschinenhersteller Amazonen-Werke H. Dreyer und seinem Tochterunternehmen Schmotzer Hacktechnik entwickelten die Wissenschaftler ein Gerät für die Ausbringung: Es wird am Traktor angebaut und vermischt die flüssigen Komponenten während des Aufspritzens auf den Boden. An der Erdoberfläche geliert das Material, härtet aus und bildet schließlich die Mulchschicht. Die Praxistauglichkeit des Materials konnte in mehreren Feldversuchen mit unterschiedlichen Gemüsekulturen, wie z.B. bei Karotte und Einlegegurke bestätigt werden: Sowohl die beikrautunterdrückende Wirkung als auch die biologische Abbaubarkeit konnten überzeugen. Es verbleiben keine Rückstände im Boden, zudem wurden keine negativen Auswirkungen auf das Bodenleben festgestellt.
 
Der erfolgreiche Einsatz des Mulchmaterials ist jedoch von vielen Faktoren abhängig – unter anderem dem Beikrautdruck oder der Präzision beim Aufspritzen. In einem Folgeprojekt sollen die technischen Optimierungsmöglichkeiten untersucht werden. Zudem wollen die Wissenschaftler die Kosten des neuen Verfahrens senken.
 
Das Projekt wurde im Rahmen der Förderinitiative „Vermeidung und Verminderung von Pestiziden in der Umwelt“ von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert, als Projektpartner sind die Amazonen-Werke, Schmotzer Hacktechnik, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg sowie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beteiligt.
 
Die Publikation kann kostenlos heruntergeladen werden (siehe Link).

 

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