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Garten- und Landschaftsbau in Baden-Württemberg: Herausforderungen und Perspektiven

Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Baden-Württemberg verzeichnete 2023 eine Umsatzsteigerung von vier Prozent auf 2,01 Milliarden Euro. Die Branche begegnet klimatischen Herausforderungen mit Maßnahmen wie Klimafitness und Nachhaltigkeit, während sie sich auf die Zukunft ausrichtet und politische Unterstützung fordert.

Umsatzsteigerung und Branchenentwicklung im Jahr 2023

Der Gesamtumsatz von 2,01 Milliarden Euro im Jahr 2023 stellt eine Steigerung von vier Prozent dar. Der VGL organisiert derzeit 810 Fachbetriebe. Ein Rückgang der Betriebsanzahl ist primär auf altersbedingte Betriebsaufgaben zurückzuführen. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse hat sich nach einem leichten Rückgang wieder auf das Vor-Corona-Niveau stabilisiert. Die Anzahl der Ausbildungsbetriebe steigt, was die vielfältigen Zukunftsaussichten und die hohe Job- und Weiterbildungssicherheit in der Branche unterstreicht. Die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer stieg leicht auf 1550.

Die Umsatzanteile haben sich geringfügig verschoben: Private Auftraggeber machten 61 Prozent aus, wobei sich die Nachfrage im Privatgartenbereich normalisiert. Der gewerbliche Wohnungsbau verharrte mit 10 Prozent auf dem niedrigen Vorjahresniveau. Aufträge der öffentlichen Hand stiegen auf 19 Prozent, während Investitionen der Industrie mit 6 Prozent stagnierten.

Ausblick auf 2024 und aktuelle Entwicklungen

Die Märkte unterliegen schnellen Veränderungen. Obwohl die Nachfrage nach Dienstleistungen der Branche weiterhin hoch ist, spürt der Garten- und Landschaftsbau die Auswirkungen der Baukonjunktur mit zeitlicher Verzögerung. Die Verunsicherung der Investoren bezüglich des Wirtschaftsstandorts Deutschland, ein raueres Produktionsklima und der Einbruch im Wohnungsbau beeinflussen die Branche.

Ein neuer Trend, die „Nachhaltige Luxurisierung“, verbindet Luxus mit Nachhaltigkeit. Beispiele hierfür sind Photovoltaik-beheizte Pools mit Wärmerückgewinnung, der Urlaub im eigenen Garten, die Verwendung von Recycling-Baustoffen und das Upcycling wertvoller Materialien. Dies beinhaltet auch den Verzicht auf Produkte mit hohem CO2-Fußabdruck.

Die Branche regt an, dass Städte und Kommunen Rasenflächen durch trockenheitstolerante Staudenflächen mit Artenvielfalt ersetzen sollten. Auch Straßenbegleitgrün, Verkehrsinseln sowie die Gestaltung von Parks und Freizeitflächen bedürfen einer Überarbeitung.

Dienstleistungen für natürlichen Klimaschutz

Erhard Schollenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, betont, dass die Branche zukunftsfähige Produkte für den Umbau zu klimaresilienten Städten bietet. Das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz berät Kommunen zu Siedlungs- und Verkehrsflächen und passenden Förderprogrammen. Aktuelle Förderprogramme unterstützen Klimaschutzmaßnahmen auf Betriebsgeländen sowie die Schaffung von Grünflächen und die Förderung der Artenvielfalt in Städten und Gemeinden.

Die KfW-Bank fördert gewerbliches Grün mit Tilgungszuschüssen von bis zu 60 Prozent. Weitere Fördermittel umfassen vier Milliarden Euro über das ANK-Programm „Stadtnatur stärkt Stadtgrün“ und Fördermittel für Solargründächer, abrufbar bis 2026. Drei Programme zur Städtebauförderung stellen jährlich 790 Millionen Euro bereit, unter der Voraussetzung der Klimaanpassung mit Stadtgrün. Für die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur sind jährlich 476 Millionen Euro vorgesehen, und die Innenstadtförderung erhält bis 2025 jährlich 50 Millionen Euro. Schollenberger hebt hervor, dass alle Investitionen in eine grüne Stadtentwicklung dem Gemeinwohl dienen und hofft auf ein vereinfachtes Handling der Förderungen.

Die BGL-Broschüre „Stadtgrün wirkt“ verdeutlicht die Bedeutung der Verknüpfung von blauen und grünen Strukturen. Vor Ort gespeichertes oder gesammeltes Niederschlagswasser kann zur Bewässerung von Dach- und Fassadenbegrünungen, Grünflächen und Stadtbäumen genutzt werden. Die Verdunstungskälte von Pflanzen trägt maßgeblich zur Kühlung urbaner Lebensräume bei. Jahrzehntealte Stadtbäume sowie Dach- und Fassadenbegrünungen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Grünflächen bieten zudem Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, was eine Neukonzeption der Stadt- und Quartiersentwicklung erfordert.

Forderungen an die Politik

Martin Joos kritisiert die Forderung einer „Null-Flächenversiegelung“ als unrealistisch, angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum und der unzureichenden Flächenversorgung für Gewerbetreibende in vielen Kommunen. Er plädiert für ein naturverträgliches Bauen und formuliert konkrete Forderungen an die Politik:

Forderung I: Grüne nachhaltige Wohngebiete und grüne nachhaltige Gewerbegebiete fördern das Gemeinwohl hinsichtlich Klima, Luft, Biodiversität und Artenvielfalt! Für diese Leistungen braucht es geeignete Förderprogramme und einen politischen Konsens!

Forderung II: Wir brauchen eine Entsiegelungskampagne! Überall dort, wo versiegelte Flächen „aufgebrochen” werden, entsteht neues Leben. Die existierenden Förderprogramme sind zu vereinfachen. Unternehmen, die Geld in die Hand nehmen, um das Gemeinwohl zu stützen, müssen mittels Abschreibungen, Förderungen etc. belohnt werden.

Forderung III: Wir benötigen dringend eine verlässliche unterstützende Politik – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Der Abbau unsinniger bürokratischer Auflagen mit Nachweis-, Dokumentations- und Meldepflichten bindet viel zu viele menschliche sowie zeitliche Ressourcen. Besonders kleinere Familienbetriebe verlieren die Lust und die Motivation am Unternehmertum. Das Resultat sind mehr und mehr Betriebsaufgaben sowie einhergehend eine Schwächung unserer Wirtschaft!

Perspektiven für eine klimaresiliente Stadt

Eine klimaresiliente Stadt zeichnet sich durch ein umfassendes Regenwassermanagement aus, bei dem das gesamte Niederschlagswasser vor Ort gespeichert oder versickert. Neue Gebäude sind mit begrünten Retentionsdächern inklusive Photovoltaikanlagen ausgestattet. Konsequente Fassadenbegrünungen verhindern das Aufheizen, steigern die Verdunstungsleistung und tragen zur Kühlung bei. Dies schafft wertvolle Hot Spots für mehr Artenvielfalt.

Park- und Freizeitanlagen dienen als Wasserspeicher, ähnlich einer Schwammstadt, und gleichen die Bedürfnisse der Bewohner aus, während sie wichtige Frischluftschneisen bilden. Sport- und Spielplätze sind entscheidend für die Gesundheitsvorsorge sowie die Kinder- und Jugendarbeit. Pikoparks fördern die Integration alter und sozial schwacher Menschen.

Gartenschauen als Instrument der Stadtentwicklung

Gartenschauen sind wirksame Instrumente für eine nachhaltige Stadtentwicklung und tragen zu einem positiven Imagegewinn mit klimatischen Auswirkungen bei. Uschi App, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, betont, dass sie eine hervorragende Plattform für den Berufsstand sind, um innovative Ideen im Bereich Wohlfühlen im Garten, Klimafitness und nachhaltige Stadtentwicklung zu präsentieren.

Die Allgäuer Landesgartenschau in Wangen, die am 26. April 2024 ihre Tore öffnet, präsentiert zehn Schaugärten von regionalen Garten- und Landschaftsbauunternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg. Unter dem Motto „Beständig, bunt, begeisternd“ werden Themen wie Entsiegelung, Recycling-Materialien, Regenwassermanagement, Ressourcenschonung, klimafitte Pflanzungen mit Klimabäumen und Gründächer mit Photovoltaik aufgegriffen, ohne dabei das Gartenvergnügen zu vernachlässigen.

Im Jahr 2025 werden Freudenstadt und Baiersbronn die Gartenschau ausrichten. Das verbindende Forbachtal wird auf acht Kilometern Länge zum Gartenschaugelände. Auch hier werden regionale Betriebe mit Traumgärten vertreten sein. Die Vergaben sind bis ins Jahr 2036 gesichert.

Verbands-Jubiläum

Im Jahr 2025 feiert der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. sein 50-jähriges Jubiläum. Die Vorbereitungen hierfür laufen bereits.

06.03.2024

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