Pflanzen und Pflanzenteile

Die violette Kohl-Königin: Vielseitigkeit und Tradition

Der Rotkohl, auch als Blaukraut bekannt, ist ein fester Bestandteil der Herbst- und Winterküche und bietet weit mehr als nur eine klassische Beilage. Seine kulinarische Bandbreite reicht von deftigen Gerichten bis hin zu raffinierten Salaten und internationalen Spezialitäten, die seine vielseitige Seite zeigen.

Kulinarische Entdeckungsreise: Die Vielfalt des Rotkohls

Traditionell wird Rotkohl, zubereitet mit Zwiebeln, Schmalz und Gewürzen wie Nelken, Lorbeer und Piment, zu Geflügel oder dunklem Fleisch wie Rind und Wild serviert. Regionale Variationen umfassen die Zugabe von Äpfeln, Rosinen, Maronen, Johannisbeergelee, Rotwein oder Essig.

Doch der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Kohl kann weit mehr sein als eine deftige Beilage. Er eignet sich hervorragend für eine feine Rotkohlsuppe, einen raffinierten Rotkohl-Linsen-Salat oder knackfrisches Rotkohl-Sauerkraut. Auch als rosarote Rotkohl-Pizza oder in Form von japanischen Rotkohl-Pfannkuchen, den Okonomiyaki, zeigt er seine vielseitige Seite.

Rot oder Blau: Die Farbe des Kohls

Die kräftige Farbe des Rotkohls, die zwischen Lila und Rotviolett changiert, ist namensgebend, führt aber auch zu regional unterschiedlichsten Bezeichnungen. Während im Norden Deutschlands sowie in Frankreich und England von Rotkohl (chou rouge, red cabbage) gesprochen wird, ist er in anderen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz als Rot- oder Blaukraut, Rot- oder Blau-Kappes (Rheinland) oder Rot- oder Blaukabis (Schweiz) bekannt.

Die Farbe des Kohls wird maßgeblich durch den pH-Wert des Bodens beeinflusst. Saure Böden fördern eine rötlichere Färbung, während alkalische Böden zu einem bläulich-violetten Ton führen. Dieser Effekt setzt sich bei der Zubereitung fort: Essig, Äpfel oder Wein verstärken die rote Farbe, während Zucker oder andere süße Zutaten den Kohl dunkler und bläulicher erscheinen lassen.

Anbau und Verbrauch

Obwohl in Deutschland auf über 200 Hektar Rotkohl angebaut wird, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von frischem Rotkohl bei etwa einem Viertel Kilogramm pro Jahr. Viele Verbraucher greifen lieber zur Konserve, obwohl frischer Rotkohl ganzjährig erhältlich ist.

Die größten Anbauflächen befinden sich in Schleswig-Holstein (666 ha), gefolgt von Bayern (454 ha) und Nordrhein-Westfalen (452 ha). Besonders beliebt ist frischer Rotkohl in Bayern, wo 18,9 % der Konsumenten ihn frisch zubereiten, im Vergleich zu 10,6 % im Südosten der Republik.

Historie und gesundheitlicher Wert

Kohl zählt zu den ältesten Blattgemüsen, die vom Menschen genutzt wurden. Bereits in der Antike bauten Griechen und Römer verschiedene Kohlsorten, darunter Rotkohl, an. In Deutschland ist das Gemüse seit dem 12. Jahrhundert bekannt und wurde im Mittelalter nicht nur als günstiges Nahrungsmittel, sondern auch als Heilmittel gegen Pest, Furunkel und Asthma eingesetzt.

Rotkohl besteht zu fast 92 Prozent aus Wasser und ist ein wertvoller Immun-Booster. Rund 200 Gramm Rotkohl decken den Tagesbedarf an Vitamin C (100 mg). Darüber hinaus enthält er Vitamin K, B-Vitamine, Folsäure, Magnesium, Kalium und Kalzium. Sein hoher Ballaststoffgehalt sorgt für Sättigung und fördert die Verdauung.

Einkauf, Lagerung und Zubereitung

Beim Einkauf sollte auf einen festen, schweren Kopf mit knackigen, matt-glänzenden Blättern geachtet werden. Ein heller Belag auf den äußeren Blättern ist typisch und kein Qualitätsmangel. Ein angeschnittener Rotkohl sollte sich fest anfühlen.

Im Gemüsefach des Kühlschranks hält sich ein Rotkohlkopf bis zu drei Wochen. Angeschnitten und mit Frischhaltefolie geschützt, verliert er jedoch schneller Vitamin C. Zum längeren Lagern kann Rotkohl blanchiert und eingefroren werden, wodurch er bis zu zehn Monate haltbar bleibt. Wichtig ist, Rotkohl nicht neben Äpfeln oder Tomaten zu lagern, da deren Ethylen-Gas den Kohl schneller welken lässt.

Küchen-Hacks für optimalen Genuss

Vor der Zubereitung werden die dicken äußeren und nicht mehr frischen Blätter entfernt. Nach dem Halbieren oder Vierteln, Abspülen und Abtropfen werden Strunk und dicke Blattrippen herausgeschnitten. Für Salate wird der Kohl fein geschnitten oder geraspelt, zum Garen eignen sich dickere Streifen oder Stücke.

Die Zubereitungszeit beträgt etwa anderthalb Stunden. Rotkohl kann jedoch problemlos am Vortag zubereitet werden, da er am nächsten Tag oft noch aromatischer schmeckt.

Tipps für ein optimales Geschmackserlebnis:

  • Lagerung: Rotkohl über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.
  • Verträglichkeit: Bei sensiblem Magen rohen Rotkohl meiden und beim Garen verdauungsfördernde Gewürze wie Kümmel oder Ingwer verwenden.
  • Apfel-Rotkohl: Säuerliche Äpfel wie Boskop verleihen dem Gericht eine fruchtig-säuerliche Note. Verfeinert wird mit Zwiebeln, Butterschmalz, Essig, Lorbeerblättern, Salz, schwarzem Pfeffer und braunem Zucker oder Ahornsirup.
  • Farbe: Ein Schuss Essig, Zitronensaft, Balsamico oder Apfelsaft intensiviert die rote Farbe. Rote-Bete-Saft kurz vor dem Servieren verstärkt den Effekt zusätzlich.
  • Verfeinerung: Je nach Geschmack kann Rotkohl mit Zimt, Wacholderbeeren, Ingwer, Anis, Vanille, Gewürznelken oder Sternanis sowie etwas Rotwein verfeinert werden.

09.12.2023

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