Innovative App für Klimaanpassung im Ruhrgebiet
Die KlimAR.Werk-App ermöglicht es Bürgern und Fachplanern, Immobilien virtuell an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Die Anwendung wurde von der Stadt Bochum und der Emschergenossenschaft im Rahmen der Zukunftsinitiative Klima.Werk entwickelt und vom Land Nordrhein-Westfalen mit 16.100 Euro gefördert. Die Emschergenossenschaft unterstützte die Entwicklung zusätzlich mit rund 4.000 Euro.
Die Region des Ruhrgebiets ist zunehmend von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, darunter häufige Starkregenereignisse, längere Trockenperioden und Hitzerekorde. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung, die ebenso wichtig sind wie der Klimaschutz selbst.
Das Schwammstadt-Prinzip und private Beiträge
Ein zentrales Konzept ist die Umgestaltung von Infrastrukturen nach dem Schwammstadt-Prinzip. Dabei wird Regenwasser nicht direkt in die Kanalisation abgeleitet, sondern kann versickern, gespeichert und zur Bewässerung genutzt werden. Viele dieser städtischen Maßnahmen, wie unterirdische Speicher (Rigolen) oder Versickerungsmulden, sind für Bürger oft nicht sichtbar oder ihre Funktion ist nicht sofort ersichtlich.
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Hauseigentümer und Unternehmen, ihre Gebäude und Grundstücke klimafest zu gestalten und so zu einem positiven Mikroklima in der Stadt beizutragen. Die App soll hierfür konkrete Hilfestellung leisten.
Augmented Reality für sichtbare Klimaanpassung
Die KlimAR.Werk-App nutzt die Technologie der Augmented Reality (AR), um die reale Umgebung auf dem Display mit virtuellen Elementen zu ergänzen. So können beispielsweise Dachbegrünungen, Muldensysteme oder Rigolen digital in die Ansicht des eigenen Hauses integriert werden. Dies macht die Auswirkungen von Regenwasser-Management-Maßnahmen am eigenen Gebäude sichtbar und erlebbar.
„Die App zeigt, wie das Regenwasser-Management auch am eigenen Haus zur Anpassung an den Klimawandel beitragen kann. Neben umfangreichen Informationen bietet sie so einen einfachen Einstieg und konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Klimaanpassung“, erklärt Matthias Börger, Abteilungsleiter im NRW-Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr.
Ziel ist es, die Klimaanpassung sicht- und erlebbar zu machen und so die Sensibilisierung für das Thema zu fördern. Die Wasserwirtschaftsverbände, darunter die Emschergenossenschaft und der Lippeverband, arbeiten in der Zukunftsinitiative Klima.Werk mit Kommunen zusammen, um den Umbau zur Schwammstadt und eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung zu realisieren. Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband, betont, dass Städte diese Umgestaltung nicht allein stemmen können und private Flächen einen wichtigen Beitrag leisten müssen, wofür auch Fördergelder zur Verfügung stehen.
Module der KlimAR.Werk-App
Die App ist in zwei Hauptmodule unterteilt:
Klimaanpassung.Stadt
Dieses Modul bietet Nutzern die Möglichkeit, ein konkretes Beispiel städtischer Klimaanpassung zu erkunden: die Baumrigolen an der Wasserstraße in Bochum. Rigolen sind unterirdische Speicher für Regenwasser, die mit Baumstandorten entlang der Straße verbunden sind. Eine spezielle Tour an vier Stationen ermöglicht es, die Funktionsweise dieses Entwässerungssystems und seinen Nutzen für die Klimaanpassung in der Stadt kennenzulernen. Der Startpunkt der Tour befindet sich an der Wasserstraße, Hausnummer 307 in 44789 Bochum, und kann über eine Stele oder einen Marker gefunden werden.
Innerhalb dieses Moduls gibt es zudem einen Bereich für Fachplaner in Verwaltungen. Dieser bietet ein 3D-Modell des Rigolen-Systems an der Wasserstraße sowie zusätzliche Informationen zur Planung und Instandhaltung. Dieser Bereich ist ortsunabhängig nutzbar.
Klimaanpassung.Privat
Das Modul „Klimaanpassung.Privat“ ist ortsunabhängig anwendbar. Hier können Nutzer ein Musterhaus und ein Mustergrundstück interaktiv erkunden. Ein 3D-Modell stellt verschiedene Maßnahmen zum Umgang mit Regenwasser vor, die Hauseigentümer an ihrem Gebäude oder Grundstück umsetzen können, wie Dachbegrünung, die Abkopplung von Flächen von der Kanalisation oder Muldenversickerung.
Über die Funktion Anpassung.Live können Eigentümer diese Maßnahmen virtuell am eigenen Haus ausprobieren. So lässt sich beispielsweise simulieren, wie eine Garageneinfahrt nach einer Entsiegelung und der Ausstattung mit versickerungsfähigem Pflaster aussehen würde. Auch die klimaresistente Anpassung von Gärten mit entsprechenden Pflanzen kann durch die Positionierung virtueller Elemente am eigenen Haus visualisiert werden.
Die KlimAR.Werk-App ist kostenlos im Apple App Store und bei Google Play verfügbar.


